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Märkte: Vom Reißen der Diamantseile bis zum Umgang mit dem Schlamm

ICDS_logo(Juli 2008) „Herausforderungen für das 21. Jahrhundert“ lautete der Titel des zweiten internationalen Naturstein Kongresses (ICDS), der parallel zur Messe Marmotec in Carrara 2008 stattfand. Organisiert wurde die Veranstaltung, die drei Jahre zuvor in Brasilien zum ersten Mal stattgefunden hatte, von der IMM Carrara gemeinsam mit dem brasilianischen Verband Abirochas.

Wir geben im Folgenden einige der Vorträge in Kurzform wieder. Komplett sind sie in dem Tagungsband „ICDS – XXI. Century Challenges“ abgedruckt, der in englischer Sprache für 150 € bei der IMM Carrara bestellt werden kann. Website des Kongresses mit Programm.

Um das Reißen von Diamantseilen beim Betrieb im Steinbruch ging es in einem Vortrag italienischer Forscher. Mit Aufnahmen von Hochgeschwindigkeitskameras und in Computersimulationen haben sie die Vorgänge am losen Seil genauer untersucht. Hier können Teile des Seils mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit weggeschleudert werden und sogar Arbeiter töten. Die Studie untersuchte herkömmliche Schutzvorrichtungen und gibt Empfehlungen für Verbesserungen.

Über die Suche nach neuen Lagerstätten wurde aus Finnland berichtet. Dort bewertet der staatliche Geological Survey die potentiellen Standorte nach ihrem Material und vor allem auch nach möglichen Konflikten mit anderen Nutzern. Die Ergebnisse werden den Firmen zur Verfügung gestellt. Nach diesem Verfahren gingen schon 11 neue Brüche in Betrieb.

Eine neue mathematische Methode für die Abschätzung der Materialqualität innerhalb eines Steinbruchs oder Primärblocks wurde im spanischen Galizien entwickelt. Das Verfahren namens Fuzzy-Kriging, das auf den südafrikanischen Geostatistiker Daniel Krige zurückgeht, erlaubt es, bei Vorhersagen die Qualitätsänderungen innerhalb des Gesteins zu berücksichtigen. Bisher musste man bei solchen Modellrechnungen immer von homogenen Blöcken ausgehen, obwohl es diese in der Natur praktisch nicht gibt.

Italienische Forscher berichteten über das Bearbeiten von Oberflächen mit Wasserstrahl anstelle des Flammens. Es zeigte sich, dass man damit dem gewünschten rustikalen Aussehen nahe kommen kann, wobei das Verfahren mit Wasser erheblich billiger ist als das mit Wärme. Noch weiter ließen sich die Kosten senken, wenn man Jets mit mehreren Düsen gleichzeitig betreibe, hieß es. Außerdem könnten damit Platten von minimaler Dicke bearbeitet werden.

In einem Projekt aus Brasilien wurden mit Hilfe von Datenbanken eigentlich unbrauchbare Blöcke so zersägt, dass ihre zuvor störenden Adern sich zu unerwarteten Gestaltungsideen mauserten.

Über Harz auf Wasserbasis wurde von spanischen Forschern berichtet.

Dem Thema Recycling von Abfällen aus der Bearbeitung widmete sich eine ganze Reihe von Vorträgen. Neu waren Ideen aus Brasilien, Marmorschlämme für die Papierproduktion einzusetzen. Gezeigt wurde in Untersuchungen, dass man mit Abrieb aus der Steinbearbeitung in der Backsteinherstellung Energie sparen und gleichzeitig das Material qualitativ verbessern kann. In den Diskussionen hieß es, dass in Sardinien sogar die keramische Industrie, eigentlich der größte Konkurrent der Natursteinbranche, deren Abfälle abnimmt und sie in der eigenen Produktion einsetzt. Erwähnt wurde in den Debatten, dass in den USA Steinschlamm als Zuschlagsstoff zu Dünger Verwendung findet, und dass man in Taiwan damit Dämme für Hafenanlagen baut.

Weitere Referenten kamen aus der Türkei, Portugal, Belgien, der Slowakei, Slowenien, Kroatien, Großbritannien, Dänemark, Schweden, Norwegen, Ägypten und den USA.