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Architektur: Wie im Vulkan entstanden

Ein Akzent innerhalb der langweiligen Architektur des Vorortes Tíncer ist das Athletikstadium von Santa Cruz auf Teneriffa.(Februar 2009) Ein Paradebeispiel, wie Architekten mit lokalem Stein erstens umweltbewusst bauen und zweitens den Charakter eines Ortes prägend für ihr Werk machen können, ist das neue Athletikstadium (Centro Insular de Atletismo) auf der spanischen Insel Teneriffa. Der Basalt, der das Bild der Kanareninsel vor der Küste Marokkos bestimmt, wurde als dominierendes Material verwendet, und die Gestaltung wiederum war so, dass die ganze Anlage den Eindruck eines monumentalen Kraters erweckt. Fertiggestellt 2007, wurde das Stadion im vergangenen Jahr im Rahmen des Naturstein-Preises Piedra 2008 mit einer lobenden Erwähnung bedacht.

Es entstand auf einer stark geneigten Fläche am Rand der Großstadt Santa Cruz. Eine der Aufgaben war also, allerhand an Untergrund aus Vulkanbasalt abzutragen. Gleichzeitig hat so ein Stadium üblicherweise erhöhte Außenmauern – die sind hier besonders wichtig, denn auf der Insel können die Passatwinde sehr heftig wehen.

Die Architekten des lokalen Büros amp arquitectos entschieden sich für eine einfache Lösung: den Basalt, den sie auf der einen Seite abtrugen, schichteten sie rund um das Sportfeld als Stadionmauer auf. Gesichert wurden diese Schichten von dicken Brocken durch Flüssigbeton, der zwischen sie gegossen wurde. Vorgesehen sind Stellen, die einmal mit Erde gefüllt werden können, so dass die lokale Vegetation auch hier Besitz nehmen kann. Diesbezüglich fehlte aber bislang das Geld und gibt es nur eine Stelle zur Demonstration.

Unterbrochen wird der Steinring durch die Tribüne aus Beton. Sie bietet Platz für 4000 Zuschauer, lässt sich aber für 6000 Besucher erweitern. In einen Teil des Mauerrings sind die Einrichtungen für die Besucher, Sportler usw. integriert. Optisch markant abgesetzt ist jener Bereich mit 12 Apartments, in denen 48 Sportler wohnen können. Bei ihm besteht die Außenhaut nicht aus dicken Brocken, sondern aus Basaltscheiben, die in Beton eingelassen sind und so eine vergleichsweise ruhige Oberfläche ergeben.

Noch mehr gibt es über die Verwendung von Basalt zu berichten: Der Zugang zum Stadion auf der Seite der Tribüne wurde wiederum mit unregelmäßigen Basaltscheiben gepflastert, für die die kleineren Brocken aus dem Aushub in Platten von 4 cm Dicke zersägt wurden. Was danach noch an Stein übrig blieb, ging in den Shredder und fand als Filter für die Regenwassersammlung Verwendung. Mit diesem Nass wird das Fußballfeld im Inneren des Stadionovals gewässert.

amp arquitectos

Fotos: Hisao Suzuki

Der Basalt, der abgetragen werden musste, wurde in der Außenmauer des Stadions wiederverwendet. Die Fenster gehören zu den Apartments für die Sportler.

Basalt als Teil der Inselkultur

Teneriffa entstand vor etwa sieben bis fünf Millionen Jahren durch vulkanische Aktivität. Das Bild der Insel bestimmt der Vulkanberg Pico del Teide, mit rund 3700 Metern die höchste Erhebung auch des spanischen Festlands. Basalt ist auf den Kanarischen Inseln seit alters her Baumaterial. In La Laguna, der Hauptstadt von Teneriffa, bestimmt er das Bild der alten City. Dort sind zum Beispiel die Bürgersteige damit belegt.

Diese Altstadt hat den Rang eines Kulturerbes der Unesco, ist jedoch teils arg ramponiert. Von den rund 640 historischen Bauten sind noch 250 zu restaurieren, wie die Zeitschrift Pierre Actual (Juni 2007) schrieb. Investoren dafür werden gesucht, sie müssen sich jedoch an die Vorgaben der Behörden halten.

Legendär wurde im Verlauf der Geschichte der Widerstandswille der Insulaner gegen Besatzungsversuche. Zunächst widersetzte sich das Volk der Guanchen lange den Spaniern, bis es sich 1483 der Übermacht ergeben musste. In der Folge wurde die ganze Inselgruppe für Columbus & Co zu einem unschätzbar wichtigen Stützpunkt auf der Reise nach Amerika mit den Passatwinden als kräftigem und verlässlichem Antrieb.

Von 1657 an bissen sich die Engländer mehrmals mit starken Flotten die Zähne an den neuen Insulanern aus. Eine dieser Attacken, die von 1797, leitete Horatio Nelson. Noch heute hat jeder Wirt auf der Insel Details dazu auf Lager: Die Insulaner brachten Nelson nämlich nicht nur die einzige wirkliche Niederlage seiner Admiralskarriere bei, sondern schossen ihm auch noch den rechten Arm weg.

Eine kuriose Traditionspflege auf der Insel dreht sich noch heute um das Überleben und um den Basalt: in der Schule lernt jedes Kind, wie man mit zwei Steinscheiben aus Getreidekörnern Mehl fürs Brot mahlt.