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Märkte: Gabionen und Trockenmauern

Gabionen im Gartenteich.download des Artikels (pdf)

(Februar 2009) Unübersehbar ist der Trend: Auf den Steinmessen findet man mehr und mehr Firmen, die auch Produkte für den Garten- und Landschaftsbau im Programm haben. Umgekehrt treten auf den Messen des Garten- und Landschaftsbaus immer häufiger Anbieter mit Produkten aus dem Natursteinbereich auf. Exakte Zahlen dazu gibt es nicht, jedoch steht eins fest: Neben Architektur und Design hat sich in den letzten Jahren der GaLa-Bereich als Hoffnungsmarkt der Steinbranche herausgestellt, so dass vor einer Weile eine Fachzeitschrift schon „Grün ist die Zukunft“ schrieb.

Um es gleich zu sagen: Große Quadratmeterzahlen an Naturstein sind hier nicht abzusetzen. Aber kleinere Produzenten und Hersteller, die „enriched products“ anbieten – also den Stein durch Ideen und Dienstleistungen mit Mehrwert anreichern – finden ein interessantes Aktionsfeld. Um Schluss dieses Textes bieten wir eine Checkliste („Vorbild Autoindustrie: Abnehmer und Lieferant eng verflochten“) für interessierte Einsteiger.

Wir haben im Folgenden die aktuell wichtigsten Aspekte des Themas zusammengestellt. Es sind zum einen Gabionen, das sind Drahtkörbe, die mit Bruchsteinen gefüllt werden, und zum anderen Trockenmauern, die in vielen Ländern auf großes Interesse stoßen.

Auf andere Aspekte des Garten- und Landschaftsbaus, etwa das Anlegen von Wegen, das Crazy Paving oder das Verwenden von Steinschutt als Mulch werden wir ein andermal eingehen.

In einigen Ländern Europas erfreuen sich die so genannten Gabionen zunehmender Wertschätzung beim Gartenbesitzer. Es handelt sich dabei um Körbe aus verzinktem Stahlgeflecht, die innen mit Steinen gefüllt sind. Vermutlich wurden sie um 1890 in Italien als Abstützungen im Straßen- oder Wasserbau erstmals eingesetzt. Darauf lässt ihr Name schließen: „gabbia“ heißt im Italienischen „Käfig“.

Inzwischen sind sie längst nicht mehr nur rechteckige Kisten, mit denen zum Beispiel die Hänge entlang der europäischen Autobahnen in Treppenstufen gesichert werden. Es gibt sie in vielfältigen Formen, unter anderem als dünne Sichtschutzwände oder auch als runde Türmchen für spielerische Gestaltungen.

Damit nicht genug: auch renommierte Architekten bedienen sich ihrer bei der Fassadengestaltung. Herzog & de Meuron haben bei ihrem Dominus Winery in Kalifornien Aufsehen mit Gabionen aus dem lokalen Basalt erregt: Kritiker lobten, dass das Material dem Gebäude einen lokalen Bezug gebe; daneben erzielen die Gabionen für das Innere des Bauwerks interessante Lichteffekte.

BusinessStone.com hatte schon mehrfach über die vielfältigen Möglichkeiten berichtet. Erst allmählich wird die ganze Bandbreite ausgereizt. Inzwischen gibt es Gabionen in L-Form, die um die Ecke gebaut werden, oder solche, in die Körbe mit Erdreich eingelassen sind, so dass man Pflanzen einsetzen kann.

Bei anderen Typen sind Lampen ins Schüttgut eingesetzt, so dass sie bei Dunkelheit wie bizarre Leuchten wirken.

Manche Anbieter haben die Entwicklung insofern auf die Spitze getrieben, als sie Begrünungsmatten verkaufen, die über die Drahtkörbe gelegt werden, um diese allmählich zuzuwuchern. Auch für Gartenbesitzer mit Kleinkindern bietet die Branche Lösungen. So genannte Sicherheits-Gabionen versprechen, dass es im Drahtgeflecht keine scharfen Enden gibt, an denen sich Kinder wehtun könnten.

Und keineswegs werden bloß Abfallstücke aus dem Steinbruch in die Gabionen gefüllt. Vielfach ist die sichtbare Seite mit edlem Material bestückt, so dass die Steinpackung einen sehr noblen Eindruck macht.

Eine Firma setzt auf der Sichtseite helle Steine zwischen dunkle und bringt so ihren Namen für jeden sichtbar an.

Übrigens: in Europa sind auch schon Selbstbau-Gabionen im Angebot. Hier kauft der Kunde den Drahtkorb lose, setzt ihn an Art und Stelle zusammen und befüllt ihn dann mit Material, das er gefunden oder gekauft hat. Zu beachten ist hier, dass solche Konstruktionen nicht wirklich großen Hanglasten standhalten. Professionelle Gabionen werden im Werk nach Befüllung maschinell gerüttelt, damit ihre Steinpackung optimal dicht sitzt.

Wandbild im Bahnhof von Riomaggiore, Cinque Terre.Trockenmauern sind in vielen Ländern ein Überbleibsel vergangener Jahrhunderte. In Großbritannien und Irland ziehen sie sich über Hunderte von Metern über die Wiesen und Hänge. Errichtet wurden sie als Begrenzung für Viehweiden oder als Grundstücksgrenzen. Mit dem verwitterten Grau ihrer Steine bilden sie einen reizvollen Akzent zum satten Grün der Landschaft.

Nach langen Jahren der Vernachlässigung wurden sie vor einigen Jahrzehnten wiederentdeckt und werden inzwischen von Enthusiasten wiederhergestellt. Die Dry Stone Walling Association in Großbritannien ist ein aktiver Verband, der nicht nur für Laien und Firmen Weiterbildung für das Errichten und Unterhalten von Trockenmauern anbietet, sondern auch internationale Kontakte pflegt (siehe Links).

Denn eine Trockenmauer sieht zwar schön aus und ist auch ökologisch wertvoll, weil sie Tieren Lebensraum bietet. Aber anders als Beton verlangt sie Pflege. Leicht reißen in ihr Löcher auf, die, wenn sie nicht oder nicht sachgemäß repariert werden, sich weiter in die Mauer hineinfressen, bis dass von ihr nur noch ein lang gezogener Steinhaufen bleibt.

Übrigens: Der Hadrian’s Wall in England oder der Limes auf dem Kontinent zählen nicht zu den Trockenmauern. Denn für sie verwendeten die Baumeister Bindemittel, nämlich Kalkmörtel. Damit haben wir die Definition für Trockenmauern genannt: sie bestehen aus Steinen, die ganz ohne Bindemittel geschichtet sind.

Im Allgemeinen handelt es sich um Bruchsteine, die nur grob zugehauen sind. Das handwerkliche Know-how der Baumeister besteht darin, sie so zu schichten, dass nicht jeder Regenguss oder jedes Tier sie umreißt.

Auch in den USA gibt es Trockenmauern. Die Bekanntesten befinden sich im Bundesstaat Kentucky im so genannten Bluegrass. Geschichten rankten sich um die uralten Steinreihen: sie seien vor dem Bürgerkrieg (1861-1865) von schwarzen Sklaven errichtet worden, lautet eine.

Die Forscher Carolyn Murray-Wooley and Karl Raitz haben das untersucht und nachwiesen, dass es nur teilweise stimmt. In Wirklichkeit hatten irische Einwanderer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Tradition mitgebracht. Sie gaben ihr Know-how an die Sklaven weiter, welche sich zu Meistern der Mauertechnik mauserten. Landesweit berühmt wurde das Projekt von Paris Pike, wo im Rahmen der Erweiterung einer Landstraße einige Meilen der Mauern gesichert und wiederhergestellt wurden.

Know-how wiederentdecken

Für dieses Projekt hatte man als Erstes das verloren gegangene Know-how wiederentdecken und wiederbeleben müssen. Inzwischen und weltweit haben der US-Verband und genauso die Vereinigungen von Kanada über Frankreich bis Italien vielfältige Broschüren für Interessenten herausgegeben. Zwei der Grundregeln für Trockenmauern sind: die Basisfläche muss im richtigen Verhältnis zur Mauerhöhe stehen, und regelmäßig müssen so genannte Durchbinder eingebaut werden. Diese können wiederum auf beiden Seiten aus dem Mauerwerk herausragen, so dass man auf ihnen wie auf einer Treppe über die Mauer hinübersteigen kann.

Weltweit üblich sind Trockenmauern auch als Abstützungen für Terrassen am steilen Hang. Beispiele gibt es aus den peruanischen Anden, wo sich Wissenschaftler um den Erhalt kümmern (1, 2), und ebenso aus den Weinbauregionen Europas. In einem Projekt der Europäischen Union zwischen Frankreich, Portugal und Österreich mit Beteiligung der Schweiz (französisch 1, 2) wurden Lernmodule entwickelt, damit das Know-how für solche Mauern aus Naturstein nicht verloren geht

Berühmt sind die Terrassen des italienischen Naturparks Cinque Terre. Dort kündet schon am Bahnhof der Ortschaft Riomaggiore ein buntes Wandbild von der Arbeit der Menschen, die seit dem Mittelalter den schroffen Hängen die Flächen für ihren Weinbau abgerungen haben. Im selben Ort gibt es ein kleines Museum, das ein paar technische Daten zu den Mauern liefert: die Gesamtlänge der Anlagen betrage 4300 km, etwa 8,6 Quadratkilometer Mauerwerk sei an den Hängen zu sehen, heißt es. Besondere Anforderung bei diesen baulichen Wunderwerken ist, dass sie einerseits möglichst viel Regen für die Bewässerung zurückhalten müssen, andererseits bei Unwettern aber auch das Zuviel an Nass abfließen lassen.

Der World Monument Fund hat die Cinque Terre in die Liste der 100 bedrohten Orte aufgenommen. Ein Studienprojekt der Universität von Genua und weiterer Organisationen bemüht sich unter Beteiligung von freiwilligen Helfern um die Sicherung der Terrassen.

Mehr und mehr schätzen Gartenbesitzer Natursteinterrassen als Alternativen zu Beton. Denn die Steinmauern locken alsbald Tiere an, die ihrerseits den Schädlingen im Garten nachstellen. Schon lange haben die Anbieter solcher Mauern das einfache Niveau der unregelmäßigen Bruchsteine verlassen und bieten schicke Schichtungen mit aufwändig bearbeiteten Steinsorten an. Nur erwähnen wollen wir in diesem Zusammenhang die Rolle, die das Trockenmauern in der Architekturgeschichte spielte: ehedem war es die Normalform des Bauens. Die altägyptischen Pyramiden und genauso die Inka-Anlage im peruanischen Sacsayhuamán zeichnen sich dadurch aus, dass die Steine ganz ohne Bindemittel aneinadergesetzt wurden. Wie die Alten dieses passgenaue Mauern schafften, wissen wir nicht mehr. Auch uralte Bauten wie die Trulli aus Süditalien oder die Brochs aus Schottland sind reines Trockenmauerwerk.

USA: Dry Stone Conservancy, Stone Wall Initiative

Canada: Dry Stone Walling Association

Australien: Dry Stone Wall Association

Großbritannien: Dry Stone Walling Association http://www.dswa.org.uk/

Frankreich: Pierre Sèche

Spanien: Piedra Seca

Vorbild Autoindustrie: Abnehmer und Lieferant eng verflochten

In der Autoindustrie haben sich während des letzten Jahrzehnts enge Verflechtungen zwischen dem jeweiligen Autokonzern und seinen Zulieferern herausgebildet. Der Konzern agiert dabei nicht nur bloß als Käufer, sondern unterstützt den Zulieferer auf vielfältigen Wegen, etwa indem er dessen Personal schult oder in dessen Herstellung für Qualität sorgt.

Hintergrund dafür ist das Bestreben, auf der Seite der Zulieferer für optimale Qualität zu sorgen, dies bei möglichst niedrigen Lieferpreisen. Dafür engagiert sich der Konzern.

Bildlich gesprochen ist der Autokonzern die Spinne im Netz, in dem neben ihm als sozusagen großem Tier viele kleine Zulieferer-Tierchen leben – mit dem Unterschied zur Natur, dass die Spinnen sich hier nicht gegenseitig fressen, sondern eng kooperieren.

Versuchen wir dieses Modell einmal auf einen Natursteinproduzenten zu übertragen, der Interesse daran hat, sich den Garten- und Landschaftsbau als neues Geschäftsfeld zu erschließen.

Fragen einer Checkliste wären für ihn:

„Könnte es für mich als Steinproduzent interessant sein, selbst in den Garten- und Landschaftsbau einzusteigen?“

Die Antwort wäre in den meisten Fällen Nein, weil ein Steinproduzent eben Steine produziert oder Küchenarbeitsplatten usw. bearbeitet.

Kennt er das Geschäftsfeld nicht, sollte er es auch nicht selbst bearbeiten. Dann wäre – nach dem Sinnbild unserer Spinne im Netz – seine nächste Überlegung: „Könnte ich um mich herum kleinere Firmen gruppieren, die das Marktsegment bearbeiten und mit denen ich in Kooperation stehe?“ Oder: „Könnte ich vielleicht selbst dafür sorgen, dass solche Firmen gegründet werden, etwa von ehemaligen Mitarbeitern oder von Familienmitgliedern?“ Für den Endverbraucher, also den Kunden, wären sie der Ansprechpartner.

Wie nun würde nach der Art der Autokonzerne die weitere Zusammenarbeit verlaufen? „Ich würde den Gartenbauer unter anderem beim Marketing unterstützen“, könnte eine Überlegung des Produzenten sein.

Bei solch einem Marketing bietet sich an, die Öko-Karte zu spielen: In unserem Fall heißt das, die einheimischen Steine („meine“!) zu propagieren, dies mit den Argumenten, dass bei diesen Produkten nur wenig Energieverbrauch durch Transport anfällt und dass sie das Gesicht der Region tragen.

Um den Kunden die Bandbreite der angebotenen Materialien und Dienstleistungen vorzuführen, könnten die kooperierenden Unternehmen gemeinsam ein Referenzzentrum betreiben. Als Förderer, eventuell sogar als Träger, würde der Produzent agieren.

Besser noch wäre, wenn ein ganzer Ort diese Rolle übernehmen würde. Wie sich so etwas gestalten lässt, zeigt die Region um Carrara, wo sich über die Jahrhunderte ein Open-Air-Showroom herausgebildet hat: in Massa findet man Bordsteine aus weißem Marmor, in Pietrasanta ist der Bahnhof damit verkleidet, in Carrara haben die alten Häuser Briefkästen aus Marmor, und in Sarzana sind einige der Zebrastreifen aus Bruchstücken gepflastert, ganz zu schweigen von den Kirchen, Säulen und Skulpturen in jedem Ort, um nur einige wenige der dort realisierten Ideen zu nennen.