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Messe: Gute Umsätze trotz Krise

Granit Golden Dream von Dacaza.(März 2009) Eine positive Überraschung gab es auf der Messe im brasilianischen Vitória vom 10. bis 13. Februar: Fast alle Aussteller, mit denen BusinessStone.com sprach, äußerten sich positiv über den Verlauf. Die Geschäfte seien „zufriedenstellend“ oder sogar „ausgezeichnet“ gelaufen, so die Kommentare. Das ist verwunderlich, denn eigentlich hätte man in Zeiten der weltweiten Krise das Gegenteil erwartet. „Die Leute, die kamen, wollten nicht nur kucken, sondern kaufen“, so eine Meinung, die wir vielfach hörten.

Gäste aus den USA gab es so gut wie keine, jedenfalls keine Einkäufer; auch die Zahl der Aussteller war rückläufig. „20 Prozent Besucher weniger“, gestand auch Cecília Milanez Milaneze von der Messefirma ein.

Bevor wir uns den Zahlen der brasilianischen Steinexporte zuwenden, wollen wir noch auf eine – jährlich wiederholte und deshalb schon sozusagen normale – Besonderheit der Messe in Vitória hinweisen: es wurden wieder zahlreiche neue Steine präsentiert, prächtige Stücke allesamt, die, nachdem sie im letzten Jahr am Markt getestet worden waren, nun in den Handel kommen. Vielfach machte die Art der Präsentation echte Schmuckstücke aus ihnen – etliche Firmen hatten sich der Mühe unterzogen, ihre Platten als Open Book zu präsentieren. Wir zeigen eine Auswahl der Neuheiten.

Zu den Exportzahlen. Einen kräftigen Rückgang verzeichneten Brasiliens Steinausfuhren im Jahr 2008: um 13,7 % brachen die Steinausfuhren nach Wert gegenüber dem Vorjahr ein, nach Tonnage sogar um 21 %, so der Bundesverband Abirochas in seinem Mitteilungsblatt Informe 3/2009 (pdf, portugiesisch). Erreicht wurden knapp 955 Millionen US-$ bei knapp 2 Millionen t.

Zum Vergleich die Zahlen aus 2007: damals hatte Brasilien mit 1,1 Milliarden $ die magische Milliarden-Schwelle übersprungen und bei der Tonnage fast ein Viertel mehr (2,5 Millionen t) ins Ausland verkauft.

Zwar kann man in dem Zahlenwerk in Informe auch einige positive Entwicklungen ablesen, etwa dass der Anteil an verarbeiteten Produkten zugenommen hat, und dass Brasilien nicht nur mehr Granit, sondern verstärkt auch Schiefer oder Karbonatgesteine in den Handel bringt. Und schließlich ist zu erwähnen, dass der erzielte Durchschnittspreis trotz Rückgang der Exporte anstieg.

Aber dennoch steckt Brasilien nach wie vor in einer gefährlichen Monokultur, dies in doppelter Hinsicht. Da sind zum einen die verarbeiteten Produkte, bei denen ein einziges Zielland mehr als 80 % abnimmt – nämlich die USA. Erst mit weitem Abstand folgen hier andere Abnehmer. Zum anderen gibt es auch beim Export von Rohblöcken eine Monokultur: hier ist der Hauptabnehmer China, ebenfalls mit weitem Abstand vor anderen Kunden.

Und China entwickelt sich immer mehr zum direkten Konkurrenten auf Brasiliens bisher wichtigstem Markt, den USA, ja wird sogar auf im Inland zu einem Konkurrenten ersten Ranges. So jedenfalls analysiert der Bundesverband Abirochas selbst die Lage.

Als Ausweg wollen die Brasilianer nun die Golfstaaten intensiver bearbeiten. Das geht sowohl aus Veröffentlichungen von Abirochas als auch der staatlichen Organisation für die Exportförderung, Apex, hervor. Im Fokus hat man ebenfalls das Inland. Einzelne Landesverbände setzen auf Märkte in Mittelamerika.

Bundesverband glänzt durch Abwesenheit

In diesem Zusammenhang nun müssen wir auch auf die negative Überraschung dieser Messe hinweisen: der Bundesverband Abirochas war nämlich nicht anwesend. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: da findet die wichtigste Steinmesse Lateinamerikas statt, und der Verband des wichtigsten Landes dort ist nicht mit einem Stand vertreten!

Der Grund dafür ist der alte Streit zwischen dem Bundesverband und dem Landesverband von Espírito Santo, Sindirochas. Espírito Santo spielt in Sachen Naturstein die herausragende Rolle, und man streitet letztendlich um Geld, nämlich wem wie viel der staatlichen Mittel für den Export zustehen.

Fotos: Firmen