www.stone-ideas.com

Märkte: 3-D-Werkzeug für den Verkauf

(April 2009) Wer sich ein neues Auto kauft, kann am Bildschirm per Mausklick Aussehen und Ausstattung des neuen Wagens durchspielen. Diese Technologie ist jetzt auch in der Steinbranche angekommen: Die italienische Firma Bruno Zanet, genauer: deren brasilianische Tochter, hat zusammen mit dem Designer Ludson Zampirolli eine Software entwickelt, mit der man Wohnräume virtuell mit Naturstein ausstatten kann. Erstmals vorgestellt worden war das Konzept auf der Messe in Verona im Herbst 2008, zuletzt in Vitória in Brasilien im Februar dieses Jahres.

Das Prinzip ist einfach: Im Rechner gibt es Simulationen unter anderem für Küchen, und in denen kann man per Mausklick etwa für den Tisch und die Arbeitsplatte etliche Sorten von Naturstein auswählen, dazu den Boden mit verschiedenen Belägen ausstatten sowie die Einbauschränke in unterschiedliche Farben tauchen.

Wie in der Autoindustrie ist die Technologie auch hier ein Werkzeug für den Verkauf, nämlich „um dem Architekten und seinem Kunden Lust auf Naturstein zu machen“, wie der Brasilianer Zampirolli sagt. Kunde und Architekt sollen mit den Möglichkeiten spielen und so Spaß am Material bekommen.

Zurzeit stehen über 30 Steinsorten zur Auswahl, jedoch sind die Möglichkeiten prinzipiell unbegrenzt. Dabei stellt das Durchspielen verschiedener Möglichkeiten, wie es auf der Homepage des Designers möglich ist, nur die einfachste Variante der Einsatzmöglichkeiten dar. Richtig interessant wird das Werkzeug erst, wenn es um besondere Projekte geht.

Ein Beispiel: Architekt und Bauherr haben sich für ein Open Book als Bodenbelag in einem Zimmer entschieden. Dann schicken sie diese Information als CAD an den Designer, der „innerhalb von 48 Stunden verschiedene Varianten vorschlagen kann“ (Zampirolli).

Hier lässt sich ahnen, was außer dem Verkaufen noch alles in dem Werkzeug steckt: wenn nämlich die Entscheidung für ein bestimmtes Open Book gefallen ist, ginge diese Information ans Werk, wo die Rohplatten entsprechend zurechtgeschnitten würden. Das reduzierte den Abfall.

Denkbar ist darüber hinaus aber auch eine Produktion nach Art von Just-in-Time: hier würde der Händler gar keine Lagerhaltung mehr betreiben, vielmehr würden die Teile für das Open Book gleich passend aus dem Steinbruch herausgeschnitten. Das ist noch Zukunftsmusik aus weiter Ferne, aber woanders wird an Technologien gearbeitet, die sich dafür einsetzen ließen.

Zukunftsmusik ist auch, dass Zampirolli eine 360-Grad-Ansicht plant, mit der Architekt und Bauherr den Designer-Entwurf aus jeder Perspektive betrachten könnten. Für den Laien klingt das wie übertriebene Spielerei, ist es aber nicht: auf einem hochglanzpolierten Boden zum Beispiel aus dunklem Stein würden die Gäste wie auf einem Spiegel laufen, was zu unangenehmen Situationen führen könnte.

Erst die 360-Grad-Perspektive würde die Technologie zu einem vollwertigen Werkzeug machen. Aber auch in der aktuellen Form ist sie schon mehr als ein Spielzeug, denn: „Der Verkäufer kann sein Material visualisieren, also zeigen, wie es später aussieht“, so Designer Zampirolli.

Schon heute kann er sich mit seinem Werkzeug unauffällig auf die Kundschaft einstellen. Manche von Zampirollis Dummy-Küchen haben nämlich zwei Waschbecken – wichtig sind die zum Beispiel für orthodoxe Juden als Kundschaft, weil diese ihre Lebensmittel sorgfältig zu trennen haben.

Heikle Frage nach einem Standard

Heikel ist jedoch ein Aspekt: Natürlich kann man mit der Software aus dem Hause Bruno Zanet nur diejenigen Steine virtuell verplanen, die Zanet auch vertreibt. Langfristig wird das, so ist zu befürchten, zu einer Vielzahl von unterschiedlichen Programmen führen, was für den Architekt wiederum unbequem wäre.

Die Frage ist also, ob es nicht eine einheitliche Basis geben sollte, auf der das 3-D-Programm jedes Händlers laufen würde. Dafür zu sorgen könnte eine Aufgabe für die Verbände sein. In anderen Branchen gelingen solche Standardisierungen, weil sie für alle Beteiligten nützlich sind – Normen oder Standards nennt man sie.

Bruno Zanet

Ludson Zampirolli