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Design: Wandtapeten aus Stein

„Lodos“. Marmor Santa, geätzt.(Mai 2009) Das Firmencredo ist einfach: „Man muss etwas aus dem Stein machen“, sagt Sener Bayyurt, Creative Director bei der türkischen Firma Bayyurt. Gemeint ist damit, dass er nicht nur einfach Marmor, Travertin und Kalkstein verkaufen will, sondern den Stein mit Ideen und Verarbeitung aufgewertet und dann als exklusives Produkt auf den Markt bringt.

Besonders interessant dabei ist, dass die Kreationen des Unternehmens mit Showrooms unter anderem in Izmir und Istanbul sowie in Hamburg und New Jersey in Bereiche vorstoßen, die bislang dem Naturstein nicht zugänglich waren.

Zum Beispiel die Mosaike, die wie Tapeten auf die Wand gebracht werden können. „Floral“ ist eine Variante, die Blattwerk zeigt. Die Fliesen sind so gestaltet, dass sie sich immer wieder zu Ästen kombinieren lassen. Der optische Reiz besteht drin, dass bei solchen Pixelbildern die Einzelsteinchen im Regelfall 1 cm x 1 cm x 1 cm groß sind, was dem Objekt den typischen eckigen Mosaik-Effekt gibt.

Ganz überraschend ist diese Wirkung bei einem anderen Pixelmosaik, mit dem Gesichter auf eine Wand gebracht werden können: Von Weitem erkennt man die Person, von Nahem sind es nur viele Einzelpunkte, eben Pixel. Sener Bayyurt wird ganz prosaisch, wenn man ihn nach der Zielgruppe für solche Produkte fragt: „Was kann jemand Schöneres tun, als das Bild einer geliebten Person auf moderne Art sozusagen in Stein zu meißeln?“

Also können die Kunden 3 Fotos ihrer geliebten Personen an Bayyurt schicken, worauf die Firma das für ein Mosaik geeignetste auswählt und daraus nach Rücksprache mit dem Kunden das Pixelmuster erstellt. Dieses wird mit einem entsprechend großen Drucker auf Papier gebracht und auf dieser Vorlage von Hand aus Steinchen zusammengesetzt. Als Trägermaterial dient ein Netz. An die Wand gebracht werden die Pixelmosaike wie herkömmliche Fliesen. Ihr Gewicht liegt bei zirka 28 kg pro m².

Ungewöhnliche Ideen sind das Kennzeichen von Bayyurt, wo einer der Inhaber selber Designer ist. Mit Vorliebe entwickelt die Firma Produkte, die dem Stein ganz neue Einsatzbereiche erschließen, etwa die genannten Stein-Tapeten, zu denen auch die Pixelfotos zu zählen sind.

Neue Anwendungsbereiche erschließen dem Naturstein auch die Gartenmöbel von Bayyurt: Sie sehen aus wie Korbgeflecht, sind aber in Wirklichkeit Pixelmosaike aus braunem Travertin. Weil die Steinchen auch hier nur 1 cm dick sind und das Trägermaterial eine Kombination von Fiberglas und Holzfaserplatte ist, hält sich das Gewicht solcher Sofas in Grenzen, so dass man sie, wie bei Gartenmöbeln notwendig, von Hand rangieren kann.

Klar, dass auch neue Oberflächen bei Bayyurt ein Thema sind. Mit Ätztechnik bringt das Unternehmen Wellen, Spiralen oder Blattwerk auf die Fliesen, die wiederum aneinander passen und so ihr Muster über eine ganze Wand ausrollen können. Starke dreidimenionale Effekte schafft das Motiv „Lodos“ nach Art des Künstlers Victor Vasarely.

Dabei hat Bayyurt überhaupt keine Angst davor, sich über die in der Branche üblichen Glaubensbekenntnisse hinwegzusetzen. Bei den farbigen Fliesen zum Beispiel wird Lack auf Strukturen aufgebracht, die zuvor aus dem Naturstein-Untergrund herausgeätzt wurden. Reizvoll ist dabei einerseits der Kontrast zwischen Stein und Lack und andererseits der Effekt der Adern, die sichtbar ihrem natürlichen Weg folgen und kreuz und quer durch Struktur und Farbe laufen.

Gökcin Güven, Area Sales Manager bei Bayyurt und in Deutschland aufgewachsen, sieht in der Türkei eine große Offenheit für solche ungewöhnlichen Ideen. „Die Leute hier sind erfindungsreich und schnell in der Umsetzung“, sagt er und fügt hinzu, worin er die Chancen für die Türkei auf dem Weltmarkt sieht: „Es sind die Produkte der besonderen Art, mit denen wir Erfolg haben.“

Bayyurt

Fotos: Bayyurt/Peter Becker