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Stone Stories: Master of Craft für Steinmetze

Zum Abschluss gab es einen Empfang bei der EU-Kommission. Im Vordergrund die sechs Handwerker, die den Master of Craft abgelegt haben.(Juli 2009) Die Wurzeln der Idee gehen auf das Mittelalter zurück, als die sagenumwobenen Magistri Comacini durch Europas Länder zogen und Kathedralen wie Notre-Dame in Paris, die Catedral Metropolitana im spanischen Burgos oder den Nidarosdom im norwegischen Trondheim bauten, um nur einige zu nennen. Das handwerkliche Wissen dieser Steinmetze am Leben zu halten, ist das Ziel einer europaweiten Initiative, die den beruflichen Titel „Master of Craft“ ins Leben gerufen hat. Den können Steinmetze erwerben, die zuvor schon den „Meister“ als eigentlich höchsten Abschluss im Handwerk erworben haben.

Im vergangenen Mai legten die ersten 6 Kandidaten ihre Abschlüsse in dieser weltweit einmaligen Weiterbildung ab. In deren Verlauf hatten sie für jeweils mehrere Wochen bei Firmen oder in Dombauhütten in verschiedenen Ländern gearbeitet.

Initiator der Idee war die European Association of Building Crafts and Design (EACD). Mitglieder sind Schulen, Verbände oder Dombauhütten aus 16 europäischen Ländern.

Jürgen Prigl, Präsident der EACD, erläutert das Konzept des Masters of Craft: „Die Kunst des Kathedralbaus ist das Merkmal der europäischen Kultur schlechthin. Die Berufe, die ehemals diese Arbeiten ausgeführt haben, sind aber mit der Industrialisierung größtenteils verloren gegangen. Wir wollen das Wissen erhalten.”

Eine der Besonderheiten des Master of Craft ist, dass er von seinem Niveau her an den in der akademischen Welt üblichen Master of Science oder an den Master of Art angelehnt ist. „Unsere Master sollen sich mit den vergleichbaren Hochschulabschlüssen messen können”, umreißt Prigl den Anspruch.

Die Fortbildung läuft über 3 Jahre und führt die Teilnehmer zu 6 Stationen, wo sie jeweils 2 bis 3 Wochen entweder bei Firmen oder in Dombauhütten mitarbeiten. Die Unterkunft und die Verpflegung dort stellen jeweils die Gastgeber. Alle anderen Kosten tragen die Teilnehmer.

Bei der Arbeit sollen sie sich das Know-how vor Ort aneignen und umgekehrt ihr eigenes Können einbringen.

Über das praktische Können lernen sie aber auch auf der theoretischen Ebene zuvor Ungewohntes. So müssen sie sich mit Themen wie Geschichte und Kunst beschäftigen. Außerdem erarbeiten sie sich Techniken der Kommunikation, dies dadurch, dass sie über das Gelernte immer wieder Berichte zu erstellen und diese vor Kollegen oder in der Öffentlichkeit vorzutragen haben.

Öffentlich auftreten zu können, ist für Prigl ein wesentlicher Bestandteil der Weiterbildung: „Nur wer etwas zu sagen weiß und auch etwas zu sagen hat, wird öffentlich wahrgenommen.“

Derzeit läuft die Ausschreibung für den zweiten Durchgang zum Master of Craft. Der wird, wie schon der Erste, wieder unter einem Mangel leiden: die Sprachenvielfalt in Europa verhindert, dass die Teilnehmer wirklich vom ganzen Kontinent kommen. So stammten beim ersten Durchgang fast alle Teilnehmer aus deutschsprachigen Ländern und lagen auch fast alle Stationen in diesem Sprachraum.

Prigl ist sich dieses Mankos bewusst, akzeptiert aber andererseits, dass es im Moment nicht anders machbar ist. „Wir schicken die Teilnehmer nicht auf Veranstaltungen wie ein Bildhauersymposium, wo man sich mit wenig Sprachkenntnissen prima unterhalten kann – für den Austausch, wie wir ihn machen, wird die Fachsprache gebraucht.“

Angesichts aber der langen Zeit, die die Kathedralen schon überstanden haben, ist er guter Dinge, dass sich auch dieses Problem lösen wird. „Das Konzept braucht Zeit, und was wir hier gemacht haben, ist nur ein erster Schritt.“

Übrigens: Im Mittelalter waren die Sprachengrenzen kein Problem in Europa. Gebildete Leute verständigten sich auf Vulgärlatein.

Bewerbungen sind derzeit nur in deutscher Sprache möglich, können jedoch aus allen europäischen Ländern kommen. Sie sind schriftlich zu richten an das EACD-Büro, Walburger Straße 56, D-59494 Soest.

EACD

Magistri Comacini

Fotos: Jürgen Prigl

Ganz in Stein gearbeitet: Das Emblem des Master of Craft.