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Architektur: Findlinge tragen das Dach

Granitfindlinge tragen das Dach des Mestizo-Restaurants in einem Park in Santiago de Chile.(Juli 2009) Wenn in einem Stadtpark ein Restaurant gebaut werden soll, heißt die Aufgabe für die Architekten, das Drinnen des Gebäudes mit dem Draußen der Grünanlagen zu verbinden. Gewissermaßen geht es bei einem solchen Bauprojekt immer darum, Natur und Kultur miteinander in Beziehung zu setzen. Und nicht zuletzt soll die Architektur auch die Besucher des Parks als Gäste ins Restaurant locken.

Auf großartige Weise gelöst wurde diese Aufgabe von dem chilenischen Architekten Smiljan Radic im Mestizo-Restaurant im Las-Américas-Park von Santiago de Chile: Das Dach des einstöckigen Flachbaus ruht auf Granitfindlingen, so wie sie an jeder Ecke des Parks herumliegen könnten.

Besonders interessant ist die Frage der Statik, mit der sich BusinessStone.com an den Bauingenieur des Projekts gewandt hat: Können Findlinge die Lasten eines großen Daches tragen, und wie sieht es mit der Gefahr durch Risse im Naturstein aus?

Luis Soler vom Ingenieurbüro gleichen Namens rechnet vor: 50 kg/cm² müssen die Brocken im Mestizo-Restaurant aushalten – das ist wenig im Vergleich zu den 500 kg/cm² , die standardmäßig für solchen Granit veranschlagt werden. Der Gesteinstyp trägt übrigens den für diesen Fall gänzlich unpassenden Namen „Ala de Mosca” („Mückenflügel”). Er stammt aus einem Steinbruch in Pirque ganz in der Nähe.

Im Fundament verankert sind die oben und unten abgeflachten Findlinge mit Stäben von Rundeisen. Dieselbe Verbindung haben sie zu den massigen Dachträgern, die aus Stahlbeton bestehen und aufgrund ihrer Verschalung eine Holzmaserung tragen. Mögliche seismische Lasten werden von den Wänden auf der Rückseite des Gebäudes aufgenommen.

Naturnah in der Gestaltung ist auch, dass die Findlinge unterschiedliche Größe haben. Einige von ihnen bringen es auf zehn Tonnen Gewicht. Andererseits sind sie unverkennbar von Menschenhand gestaltet, was begeisterte Architekturkritiker schon zum Vergleich mit den Karyatiden antiker Tempel anregte. Das sind jene Frauengestalten in Stein, die die Simse der alten Gotteshäuser über sich tragen.

Smiljan Radic (Mail)

Büro Luis Soler (Mail)

Fotos: Gonzalo Puga (Mail)

Bei dieser Gelegenheit wollen wir noch auf ein Gebäude hinweisen, bei dem rohe Brocken aus einem Steinbruch auf eine ganz und gar ungewöhnliche Weise eingesetzt wurden: wie von Zyklopenhand gestaltet wirkt das preisgekrönte SGAE-Gebäude im spanischen Santiago de Compostela. 2002 stellten es die spanischen Architekten Ensamble Studio fertig.