www.stone-ideas.com

Märkte: neue Chancen für Stein auf dem US-Immobilienmarkt

Das Potenzial von Naturstein im Hinblick auf umweltfreundliche Energien wurde bislang von der Branche nur wenig fürs Marketing eingesetzt.(Juli 2009) Während alle Welt noch vom Niedergang der US-Immobilienwirtschaft redet, sieht die Harvard Universität schon neues Leben in der Branche. In einer Studie mit dem Titel „The Remodelling Market in Transition 2009“ hat das Joint Center for Housing Studies (JCHS) die Nachfrage nach Modernisierung von Häusern und Wohnungen in der nahen Zukunft analysiert und sieht steigendes Verbraucherinteresse unter anderem an „grünen“ Materialien und „grünen“ Umbauten.

BusinessStone.com hat im Folgenden die Untersuchungsergebnisse im Hinblick auf ihre Relevanz für die Steinbranche interpretiert und kommt zu dem Schluss, dass sich im Energiesparen und bei Einwanderern als Zielgruppe Chancen auftun.

Kernaussage der JCHS-Analyse ist, dass der US-Immobilienmarkt nach der Krise nicht mehr derselbe sein wird wie vorher. Im Bezug auf Naturstein heißt das, dass die Nachfrage nach Küchenarbeitsplatten oder Badgestaltung nicht mehr an den Boom seit 1995 anknüpfen kann. Der Grund ist, dass künftig die Eigentümer länger in ihren Häusern und Wohnungen bleiben werden.

Blicken wir zurück. Ehemals war Wohneigentum für viele US-Bürger nur zu einer neuen Spielart im Geldverdienen geworden: man spekulierte auf die steigenden Preise am Markt, blieb also nur kurz in einer Wohnung, bis man sie mit Gewinn wieder verkaufte und das nächste Objekt bezog.

Davon profitierten die Hersteller von Küchen und Bädern: die Eigentümer ließen Naturstein einbauen, weil das so investierte Geld beim nächsten Verkauf mit Gewinn wieder reinkam.

Für die Zukunft konstatiert die JCHS-Studie einen neuen Eigentümertyp. Für ihn sei das Wohnen eine längerfristig angelegte Sache, nicht mehr Spekulation. Deshalb stecke er seine Investitionen eher in Verbesserungen des Nutzwerts als in ein Aufhübschen und Wertsteigerung.

„Sustainable housing“ („Nachhaltige Bebauung“) sei das aktuelle Schlagwort der Eigentümer, so die Studie. An zentraler Stelle erwartet sie deshalb Investitionen in Energiesparmaßnahmen. Denn auch in den USA sind Öl und Strom teurer geworden. Nicht nur das: „Verbraucher legen mehr Wert auf Fragen der Qualität und der Haltbarkeit“, heißt es.

Das wollen wir hier im Hinblick auf Naturstein genauer betrachten. Dass Stein per se ein „grünes“, also umweltfreundliches Produkt ist und insofern im Trend liegt, stellt die Branche schon seit einiger Zeit heraus. Wenig aber wurden bisher die Stärken des Materials in puncto Energie öffentlich bearbeitet.

Ein Beispiel: Stein hat eine hohe Kapazität für die Wärmespeicherung, so dass er zusammen mit Fußbodenheizungen als Wärmepuffer dienen kann. Um die ganz große Umweltkarte zu spielen, wäre hier eine Kooperation mit Anbietern von Solarthermie denkbar.

Erst kürzlich hat der Architekt Norman Foster bei der Modernisierung des Hearst-Towers in New York City die Energiekapazität von Stein berücksichtigt: Im Atrium ist der Fußboden mit Kalkstein-Fliesen belegt, der am Ausgleich der Temperaturen beteiligt ist.

Auch in Öfen aus Speckstein wird die Wärmespeicherkapazität des Steins genutzt. Kamine sind schon länger in Mode, da der Platz vor dem offenen Feuer heimelig ist. Hier allerdings dient Stein nur der Dekoration.

Ökonomisch vielversprechend sind auch Natursteinheizkörper, die mit Strom betrieben werden und die die Wärme als Infrarotstrahlung abgeben. Ihr Vorteil ist, dass sie nicht die übliche Luftzirkulation im Raum erzeugen und insofern auch für Stauballergiker geeignet sind. Im Vergleich zu herkömmlichen Heizkörpern sind sie richtig dekorativ. Ökologisch jedoch machen solche Techniken im Allgemeinen keinen Sinn, da sie den wertvollen Strom fürs Heizen verpulvern.

Kehren wir zur Studie zurück. Die sieht nämlich noch bei Familien mit Einwanderungshintergrund steigende Nachfrage nach Wohneigentum.

Wie die Steinbranche diese Bevölkerungsgruppe als Kunden gewinnen könnte, führen die Anbieter von Jerusalem Stone vor: sie propagieren ihren Kalkstein bei den jüdischen Gemeinden in der ganzen Welt als Ausdruck von Identität und Geschichte.

Aber: Hat der Mittelstand in den USA in den nächsten Jahren überhaupt das Geld, um irgendwo zu investieren? Die Studie hält sich dazu bedeckt, verweist aber auf eine andere Tatsache: jene Gebäude, aus denen die Eigentümer nach dem Platzen ihrer Hypotheken herausgeworfen wurden, würden künftig von den Banken wieder auf den Markt gebracht und davor einer Erneuerung unterzogen. Das geschehe nicht nur, weil die Geldinstitute hier wieder Gewinnchancen sähen, sondern auch, weil leerstehende Häuser schnell Opfer von Vandalismus würden.

BusinessStone.com fragt: Könnte es sein, dass hier doch wieder eine Nachfrage nach Aufhübschung durch Küchenarbeitsplatten und Badaustattungen aus Naturstein entsteht?

Als Fazit konstatiert die Studie, dass die Nachfrage nach Modernisierungen auf jeden Fall ein „solider“ Teil des Baumarkts sei. „Der US-Häusermarkt besteht aus knapp 130 Millionen Objekten mit steigendem Bedarf nach Erhaltung, Erneuerung von Komponenten und Anpassungen an die veränderten Verbraucherwünsche. Angesichts der Tatsache, dass pro Jahr 1 bis 2 Millionen Häuser dazukommen, ist in der Modernisierungsbranche ein Wachstum gesichert.“

Eine 6-seitige Kurzfassung der Studie kann kostenlos heruntergeladen werden (pdf).

2008: US-Steinimporte im Wert von 2,3 Mrd $

Auch wenn im Zuge der Immobilienkrise der Verbrauch an Naturstein in den USA eingebrochen ist, liegt er sich dennoch weiterhin auf hohem Niveau. Das schreibt das Magazin Stone World (Mai 2009), das die offiziellen Importstatistiken interpretiert hat.

Danach wurden im Jahr 2008 Steine im Wert von 2,262 Milliarden US-$ eingeführt. Das sei gegenüber dem Vorjahr zwar ein Einbruch um 18,06 % gewesen, aber 2007 hatte es auch ein Allzeithoch (2,761 Mrd $) gegeben.

Im Editorial wehrt sich das Blatt deshalb gegen die Weltuntergangsstimmung: „Wir wissen alle, dass die Zahlen für die ersten Monate 2009 (oder noch länger) hässlich sein werden, aber unsere Industrie ist nicht völlig zusammengebrochen.“