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Kunst: Cello fürs Wasserspiel

Der Brunnen mit Kalkstein-Cello.(September 2009) Bei manchen Leuten geht der berufliche Werdegang ungewöhnliche Wege, was ihnen im neuen Arbeitsfeld dann aber hilft, ungewöhnliche Idee zu verwirklichen. Ein solcher Fall ist der Franzose David Vallée, der in dem Örtchen Sainte-Cécile-les-Vignes im Département Vaucluse einen Brunnen mit einem Cello aus Stein realisiert hat.

Dazu muss man wissen, dass Vallée von Haus aus Industrie-Informatiker ist. Im Alter von 30 Jahren aber stellte er fest, dass die Bildhauerarbeit mit Stein sein eigentliches Ding war. In den folgenden Jahren besuchte er Kurse und legte das CAP, die französische Berufsprüfung, als Steinmetz und Steinbildhauer ab. „Ich wollte meine Leidenschaft ausleben“, zitiert ihn die französische Fachzeitschrift Pierre Actual (5/2009).

Dann wies ihn jemand auf den geplanten Brunnen in dem Örtchen in den französischen Seealpen hinn, und im Gespräch mit dem Auftraggeber kam Vallée zu einer ungewöhnlichen Assoziation: der Auftraggeber nämlich war woanders einmal Leidtragender einer Überschwemmung gewesen, und dabei hatte das Wasser das Cello seiner Ehefrau mitgerissen. „Die Idee, das Musikinstrument mit dem Auftrag zum Brunnen zu verbinden, war geboren“, so Vallée. Zudem war der Auftraggeber auch Betreiber einer Pension, in der viele Musikbegeisterte absteigen.

Als Material wählte Vallée den Kalkstein Roche d’Espeil, weil der frostfest und nur wenig porös ist. Über das Internet fand er eine Software, die ihm half, ein Modell des Cellos zu entwerfen. Ein Steinbruch aus der Region lieferte die Rohstücke von jeweils 1 Kubikmeter Volumen. Nach zweieinhalb Monaten halbtägiger Arbeit konnte das Cello dann aus 14 Einzelteilen zusammengesetzt werden.

Was sonst noch zu einem Cello gehört, unter anderem die Saiten und das Griffbrett, gestalteten zwei Kunstschmiede in Eisen. Mitsamt dem Brunnenrand ragt das Instrument nun 3,80 m in die Höhe. Das Wasser tritt am Steg aus und tropft von dort ins Becken oder läuft an den Saiten abwärts.

Zur Eröffnung des Brunnens am 21. März gab der amerikanische Cellist Eric Longsworth ein Ständchen. Der ist auch so ein Grenzgänger, der bei Jazzkonzerten seinem Instrument ungewöhnliche Spiel-Arten abverlangt.

David Vallée (Mail)

Eric Longsworth

Sainte-Cécile-les-Vignes