www.stone-ideas.com

Messen: Branche in Polen wird professionell

Prämiert wurde das Nationalmuseum in der Stadt Przemyl. Es hat eine hinterlüftete Fassade aus dem Travertin Romano Classico.(Dezember 2009) Sehen lassen konnte sich die neue Messe Kamien-Stone in der polnischen Industriestadt Poznan. Sie fand in diesem Jahr zum ersten Mal und vereinigt mit der traditionellen Branchenschau in Wroclaw statt. Die war immer reichlich improvisiert gewesen.

Zwar war der Besucherandrang in Poznan nicht berauschend: an den vier Tagen Anfang November kamen nicht mehr als 8000 Besucher zu den knapp 300 Ausstellern aus 20 Ländern auf über 15.000 m² Fläche, so die Messegesellschaft. Am ersten Tag herrschte gar gähnende Leere. Allerdings bestand das Ausstellungsgelände direkt am Hauptbahnhof die Probe: Die Ausstattung ist modern und professionell.

Aussteller waren vor allem Anbieter von Maschinen und Werkzeuge für Steinmetzbetriebe aus Italien, Deutschland und China. Auch Firmen aus Spanien, Frankreich, Skandinavien, Indien und Südafrika waren vertreten. Interessant ist, dass unter den ausgestellten Steinen auch exklusive und teure Sorten waren – die Branche schätzt die Polen offenbar als viel versprechende Konsumenten für Stein im Innenausbau ein.

Wahrscheinlich sieht mancher Exporteur das Land auch als Tor nach Osteuropa beziehungsweise als Lager mit kurzen Wegen nach Deutschland oder Skandinavien. Lieferanten aus Indien haben schon Depots für ihre Grabsteine eingerichtet – Friedhöfe sind in Polen ein ganz außergewöhnlicher Markt. Siehe unsere Analyse in der Ausgabe Juni 2008.

Auffallend an der Messe war auch das für ihre Größe überaus reichhaltige Angebot an Parallelveranstaltungen. Die beiden Fachzeitschriften der Branche hatten die Organisation dieser Vorträge übernommen. Daneben setzten sie eigene Akzente: Nowy Kamieniarz zeigte in einer Ausstellung, wie sich in Frankreich und Italien die Werbung für Steinmetzprodukte über die letzten 40 Jahre entwickelt hat.

Swiat Kamienia präsentierte die Gewinner des Preises für die Architektur mit Stein in Polen. Wir wollen hier ein Projekt herausheben, das die schwierige Vergangenheit der Nachbarn Polen und Deutschland nachvollziehbar macht: Wroclaw in Schlesien hieß ehemals Breslau und war deutsch, kam aber nach dem 2. Weltkrieg zu Polen. Zur Erinnerung: der Krieg mit am Ende circa 60 Millionen Toten hatte mit dem Überfall der Deutschen auf Polen begonnen. Nach Kriegsende wurde der alte Friedhof zerstört, die Grabsteine wurden sonstwo verwendet. Das nun prämierte Denkmal mit dem Namen „Monument des Gemeinsamen Gedenkens“ steht an der Stelle des alten Friedhofs und besteht aus einer 60 m langen und 4 m hohen Granitmauer, in die einige der alten Grabsteine integriert sind. Konzipiert wurde es von Tomasz Tomaszewski, Louis Gryta und Czeslaw Wesolowski. Den Stein lieferte die Firma Piramida aus der Nähe der Stadt Strzegom.

Die nächste Kamien-Stone findet vom 10. bis 13. November 2010 statt. Ihr Name ist eigentlich ein Doppelwhopper: „Kamien“ ist das polnische Wort für Stein. So hieß der Vorläufer in Wroclaw.

Fotos: Swiat Kamienia