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Architektur: „Flossen“ aus Marmor für die Mauer

(Februar 2010) Zum ersten Mal wurde im vergangenen Dezember der indische Preis für Architektur mit Naturstein (All India Stone Architectural Awards, AISAA) vergeben. Unbedingt sehenswert sind die prämierten Objekte in den drei Kategorien Innen, Außen und Landschaft. Vergeben wurden sie vom Center for Development of Stones (CDOS). 29 Architekten hatten sich beworben.

Faszinierend ist, was Jayant Dharap (Forethought Design) aus einer bloßen Grundstücksbegrenzung gemacht hat. „Mauer der 340 Schatten“ („Wall of 340 Shadows“) nennt er seine Arbeit für eine Wohnimmobilie in der Stadt Pune, im Westen bekannt als Poona. Die Mauer besteht aus 340 senkrecht stehenden Steinscheiben, vom Architekten „Flossen“ genannt – deren rhythmische Aussparungen zeichnen je nach dem Stand der Sonne beziehungsweise je nach Standort des Betrachters unterschiedliche Linien über die 2 m hohe Wand. Die Scheiben sind 3 cm dick und 28 cm tief. Sie bestehen aus dem Marmor White Makrana Adanga.

Eine innovative Verwendung für Steinscheiben hat Gaurav Bhatnagar (Mail) im Bekleidungsgeschäft Anokhi Shop in Jaipur realisiert: Senkrecht hat er Platten aus Sandstein in den Verkaufsraum gestellt, um daran die Kleiderbügel und die Ablagebretter für die ausgestellten Waren festzumachen. Die Dicke der Platten von rund 5 cm garantiert, dass die Installation auch größere Lasten hält. Die Größe der Platten beträgt rund 90 cm x 1,80 m.

Das Material ist Teak Sandstone, benannt nach der Ähnlichkeit mit dem Holz. Die Oberfläche ist gestockt. Dekorativ stehen die Platten auf einem Sockel aus demselben Stein. Bei den Regalen an den Wänden dienen die Steinplatten als Trennwände. In sie sind Regalbretter aus Holz eingelegt. Der Boden ist mit großformatigen Fliesen im Sandstein Rainbow belegt.

Die Firma Anokhi gehört zu den renommiertesten Textilunternehmen Indiens. Wie der Architekt schreibt, ging es bei dem Projekt darum, dem Verkaufsraum etwas Einmaliges, Modernes aber gleichzeitig auch Robustes und Traditionelles zu geben. In einem Bericht weist er auf Besonderheiten im Umgang mit den großen Steinplatten hin: so habe man bei der Installation besonders sorgfältig darauf geachtet, dass die Ecken nicht wegbrachen.

Eine Mischung aus Tradition und Moderne ist dem Architekten A (Anu) Mridul mit dem Birkha Bawari bei der Stadt Jodhpur gelungen: Für eine neue Anlage zum Sammeln und Speichern von Regenwasser hat er sich der klassischen Formensprache der regionalen Architektur bedient. Außerdem verwendete er den im Bundesstaat Rajasthan üblichen Sandstein Red Jodhpur, der auch als Chittar Stone bekannt ist.

Die Anlage besteht aus 14 Becken, die sich über eine Länge von 235 m aneinander anschließen. Im Schnitt sind die Becken 9 m breit, sie reichen bis 18 m in den Boden. Das Gesamtvolumen beträgt zirka 150 Millionen Liter. Die Wände der Anlage sind aus dem Sandstein gemauert. Auch die Abtrennungen zwischen den einzelnen Becken, die wie Holzbalken erscheinen, bestehen aus dem Stein. Zu Berühmtheit gelangt ist der Stein mit den Farbtönen Rot und Beige unter anderem durch den Umaid Bhawan Palace.

Center for Development of Stones

Fotos: CDOS

Weitere Preise:

Pinnacle Awards, USA

Prism Awards, USA

World Architecture Festival

American Society of Landscape Architects

International Stone Architecture Award, Italien

Deutscher Natursteinpreis

Premios Macael, Spanien (spanisch)