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Architektur: schwarz wie Kohle

(Februar 2010) Wenn ein Architekt einem Gebäude in einer Kohleregion den Charakter und die Geschichte der Gegend mitgeben will, wird es zwangsläufig dunkel und düster. Denn die Kohle ist sprichwörtlich schwarz und die meisten Menschen dort haben es trotz harter Arbeit meist nicht zu Wohlstand gebracht. Außerdem ist die Historie des Bergbaus voll von Unfällen und Elend. So jedenfalls haben es Emile Zola in dem Roman „Germinal“ (1885) oder Richard Llewellyn in „So grün war mein Tal“ (1939) beschrieben.

Kraftvoll hat das Architektenteam von zon-e aus Madrid die Aufgabe in Cerredo in Asturien gelöst: Ihr sozialer Wohnungsbau mit 15 Appartements für Minenarbeiter liegt wie ein rechteckiger Brocken schwarzen Gesteins am Rand des Örtchens. Außen ist das Gebäude ganz mit schwarzem Schiefer verkleidet, jedoch brechen die Balkons wie rechteckige Bullaugen durch diese strenge Hülle und bieten großartige Aussichten über die Landschaft.

Und dadurch, dass die Balkons abends aus den Wohnungen herausstrahlen, bekommt das Gebäude dann sogar etwas Heimeliges und Einladendes. Dieser Gegensatz zwischen Tag und Nacht wiederum gibt das Verhältnis des Bergmanns zu seiner Grube wieder, wie die Eingeweihten sagen: einerseits fürchtet und hasst er sie, andererseits ernährt sie ihn aber auch und ist ihm beinahe ein Zuhause.

Die Architekten selbst beschreiben ihr Werk in einer Pressemitteilung blumig: Es sei ein „Mittelding zwischen einem halbwegs versteinerten Gegenstand, einer Gebirgsformation und einem störenden Organismus, der über die Hügel fließt“. Das ist eine sehr weitläufige Interpretation. Aber tatsächlich hat das Gebäude einerseits etwas Erstarrtes und Uraltes, gleichzeitig aber auch etwas Lebendiges und Bewegtes. Letzteres wurde erreicht, indem der Sockel unter dem Bau zurückgesetzt ist.

Interessant sind auch die Innenräume. Jedes Appartement hat seine eigene Aufteilung und Größe. Dennoch sind alle so nebeneinander gelegen, dass sich eine Ventilation quer durchs Gebäude ergibt. Denn heiß werden kann es hier, das nicht nur in ein paar hundert Metern Tiefe im Bergwerksstollen.

Cerredo liegt in der Bergbauregion Degaña im nordspanischen Asturien. Die Baukosten für die 15 Appartements werden mit 1,2 Millionen € für insgesamt 2385 m² angegeben. Auftraggeber war die Regierung der Region.

Ein zweites Gebäude, in rechtem Winkel daneben gesetzt, soll demnächst gebaut werden.

Zon-e

Fotos: Ignacio Martinez