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Design: das Steinpflaster als Bildschirm

(Februar 2010) Einen Platz mit einem Steinpflaster kann man sich wie einen Computerbildschirm vorstellen: die einzelnen Steine sind dann die Pixel, aus denen sich das Gesamtbild zusammensetzt. Folglich könnte man solch einen Platz auch als Bildschirm nutzen, sofern man es schafft, die Steine gezielt zum Leuchten zu bringen.

Denis Santachiara, italienischer Künstler und Designer, hat die Voraussetzungen dafür zusammen mit dem Unternehmen Odorizzi Porfidi geschaffen. Es handelt sich um Porphyr-Pflastersteine von etwa 10 cm x 10 cm x 8 cm, in die Leuchtdioden (LED) eingelassen sind. Der Name des Projekts war „LED-Boden“ („LED Flooring“).

Entwickelt hat Denis Santachiara seine Idee im Rahmen der Aktion „New Stone Age Design“ („Design für eine neue Stein-Zeit“), die ihre Ergebnisse auf den Saie-Einrichtungsmessen im Frühjahr und Herbst in Bologna zeigt. Santachiara fungiert als Kurator der Aktion. Initiatoren sind die Messegesellschaft und der italienische Verband Confindustria Marmomacchine, Unterstützer ist das Naturstein-Markenzeichen Pietra Autentica.

Kennzeichen von Santachiaras Entwürfen ist, dass er ein Zusammenspiel zwischen dem Naturmaterial Stein und der von Menschenhand geschaffenen Technik anstrebt. „Wir wollen den Stein in seiner natürlichen Schönheit belassen und diese Schönheit auch zeigen“, umreißt sein Partner und Assistent Tomaso Schiaffino das Konzept.

Technik und Design geben dem Stein gewissermaßen einen gestalterischen Mehrwert. Für die Verwendung von Licht kann das bildlich heißen: am Tag steht der Stein allein, und nachts, wenn ohnehin alle Katzen grau sind, bekommt er durch das Licht ein zweites Leben.

So verhält es sich bei Santachiaras „Krypton-Tisch“ („Krypton table“). Der besteht aus Travertinbeinen, die mit einem neuartigen Harz überzogen sind. Es fluoresziert in der Nacht und gibt dem Möbel dann einen echten Partyeffekt. Die italienische Firma Cremar setzte die Idee um.

Kennzeichen von Santachiaras Arbeiten ist auch, dass sie an der technologischen Front ganz vorne mitspielen. Etwa beim „Stein mit Berührungseffekt“ („touch sensitive stone“): Hier kommt die Touch-Screen-Technologie zum Einsatz, bei der man mit einem Fingerwischen über einen Bildschirm blättert oder klickt. In Sachen Stein heißt das, dass eine dünne Marmorplatte auf die Berührung mit der Hand reagiert. Die LED-Leuchten hinter der Platte lassen dann grafische Muster hindurch leuchten. Ausführendes Unternehmen war hier die ebenfalls italienische Formigari Group.

Klar, dass man da gleich an Kalenderanzeigen oder digitale Uhren denkt. Solche Ideen hatte Santachiara zusammen mit der Firma Block & Rock bereits für die „Stein-Zeit“ 2008 realisiert. Damals hatte er auch schon den Dünnstein im Blick.

Schauen wir uns noch bei anderen Designern und Firmen um. Mit Dünnstein und Licht hat sich auch das Entwicklungszentrum Grein Tec der österreichisch-italienischen Grein Group beschäftigt. Seit einigen Jahren ist die Firma mit ihrem „Granitglas“ auf dem Markt: Hier wird zunächst eine Steinplatte von beiden Seiten mit Glas belegt und danach in der Mitte durchgesägt. Der Stein wird dadurch durchscheinend und kann hinterleuchtet werden.

Anwendungen findet die Idee in der exklusiven Inneneinrichtung. Voraussetzung sind Steinsorten mit kräftigen Farben und lebhaften Strukturen, wie bei Grein die exotischen Granite aus Brasilien. Altbekannt ist der durchscheinende Onyx. Er wurde schon immer für Wohlfühleffekte eingesetzt.

Moderne Lichtkonzepte können dieses positive Feeling, das dem Naturstein ohnehin mitgegeben ist, noch verstärken. „Doping für die Seele“ nennen Spötter solche, heute kostengünstig machbaren, Inszenierungen in Innenräumen.

Die traditionelle Methode, Stein mit Licht zu gestalten, ist die Bearbeitung der Oberfläche – hoch und tief wird dabei zu hell und dunkel. Das Sonnenlicht mit seiner Bewegung über den Tag in Bewegung schafft hier ein fortwährendes Schattenspiel.

Die deutsche Solnhofen Stone Group setzte auf der Stone-tec 2009 diese alte Idee in aktueller Form um: Sie ließ farbige Lichtkegel an markant bearbeiteten Steinplatten entlang laufen.

Noch mehr dem Stein sozusagen zu Leibe gerückt sind Gestaltungen, bei denen das Licht aus dem Inneren etwa einer Säule herauskommt. Wir zeigen eine Leuchte aus Lavagestein der italienischen Firma Zignale. Ein anderes Beispiel sind die Leuchtkuben, über die wir berichtet hatten.

Naturstein mit Laserlicht zusammengebracht hat der Künstler Jochen Kitzbihler. Ein Granitturm vor dem Firmensitz des Lasergeräteherstellers Z-Laser in Freiburg in Deutschland trägt rote Leuchtquellen, die nachts die Skulptur von innen zum Glühen bringen.

Die italienische Citco erreichte auf der Marmomacc 2008 Aufsehen mit ihrer Wand „Puzzle“ aus Steinelementen, die wie ein Flechtwerk aussehen und durch wechselnde Beleuchtung noch einmal einen zusätzlichen Effekt bekommen. Designer war Pietro Ferruccio Laviani, der den Kalkstein Desert Honey als Material gewählt hatte.

Zum Schluss noch zwei Arbeiten des Designers Francesco Lucchese für die Firma Luce di Carrara (Italien). Da ist die Kollektion „Dedalo“. Bei ihr handelt es sich um 50 x 50 cm große Fliesen aus Palladio-Marmor, aus deren Mitte ein Kreis ausgeschnitten ist; dahinter befindet sich eine Lichtquelle. Das Licht muss nun entweder durch einen transluzente Steinscheibe hindurch, neben einer nicht durchscheindenden Scheibe vorbei oder an einer Art von Rohr aus Onyx entlang.

Den Effekt von indirektem Licht, das auf schiefe Winkel fällt, nutzt die Kollektion „Adamas“. Die Besonderheit dieser Fliesen für Wand (mit indirekter Beleuchtung) oder Fußboden (ohne Beleuchtung) besteht darin, dass ihre Dicke variiert, was aussieht, als wären sie gegeneinander leicht verwinkelt. Zudem sind die Kanten besonders bearbeitet, so dass sie im Licht wie besondere Akzente wirken. Möglich sind die Carrara-Marmore Palladio, Tiziano, Petra und Delfi. Die Größe der Platten beträgt 50 cm x 50 cm oder 50 cm x 100 cm.

Denis Santachiara

Confindustria Marmomacchine

Pietra Autentica