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Architektur: „Steinbruch in der Fassade“

(März 2010) Manche Fassaden haben etwas Magisches: den zufälligen Passanten lassen sie zunächst innehalten und danach um das ganze Bauwerk herumgehen, bis er schließlich den Pförtner fragt, ob vielleicht ein Blick auch in die räume hinter der Außenhaut erlaubt wäre.

So ist es bei dem neuen Hauptsitz der großen Anwaltskanzlei Horten in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Dort hat das Architekturbüro 3XN auf zwei Seiten des Gebäudes verwirrende Vorsprünge von oben nach unten über die Fassade gelegt.

Das ungewöhnliche Arrangement ist, in zwei Himmelsrichtungen zumindest, nicht nur Dekoration, sondern hat eine Funktion: Die Vorsprünge sind in Wirklichkeit Fenstererker, die in Richtung Norden so ausgerichtet sind, dass sie für das Sonnenlicht weit offen stehen. Zusätzlich dazu geben sie dabei einen optimalen Blick auf das Wasser des ehemaligen Hafengeländes frei.

Auf der Südseite hingegen sind sie gegenüber der Sonne verschlossen und verhindern so im Sommer eine Überhitzung der Räume.

„Die Fassade ist nach Norden offen und geschlossen nach Süden“, erläutert Lise Roland Johansen von Architekturbüro das Konzept, „Ziel war auch, ohne Schattenelemente auszukommen.“

Der Leser ahnt: Energiesparendes Bauen lautete die Zielsetzung. Dafür gaben die Architekten der Fassade eine innovative Technologie mit: die Sandwichdämmung besteht aus Fiberglas plus dickem Schaum und obendrauf 3,5 cm Travertin.

Kehren wir zu unserem Passanten zurück, der sich die ungleich geschnittenen Innenräume angeschaut hat und nun, wieder draußen, seinen Blick über die zahlreichen Winkel und Schrägen in der Fassade gleiten lässt. „Travertin drückt eigentlich Gewicht und Monumentalität aus und ist insofern ein klassisches Material für eine Rechtsfirma“, erläutert Lise Johansen die Gestaltungsidee mit den Steinplatten, „diesen Ausdruck wollten wir ein wenig in Richtung eines Steinbruchs verkehren.“

Eine heimliche Spielerei verbirgt sich auch im Namen des Architekturbüros: ursprünglich gründeten drei Leute mit Namen Nielsen die Firma, und nachdem es heute nur noch einen von ihnen in dem Unternehmen gebe, habe man sich die neue Bezeichnung 3XN „als Bezug zu den alten und gleichzeitig als Ausdruck der neuen Zeiten“ zugelegt, so Lise.

Der Stein wurde von der italienischen Firma Focus Marble International geliefert. Ausgeführt wurden die Arbeiten von dem dänischen Unternehmen E. Pihl & Søn.

3XN

Focus Marble International

E. Pihl & Søn

Fotos: Adam Mørk