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Märkte: „Um international stark zu sein, müssen wir national stärker werden“

(März 2010) Im November 2009 hat Dr. Reinaldo Sampaio das Amt als Präsident des Bundesverbands der brasilianischen Steinindustrie (Abirochas) übernommen. Er ist Direktor der Granitfirma Peval, die im Bundesstaat Bahia eigene Steinbrüche und eine eigene Verarbeitung betreibt. Sampaio hat auch im bahianischen Landesverband Simagran das Amt des Präsidenten inne. BusinessStone.com (ssS) sprach mit ihm über den aktuellen Stand der Dinge in Brasiliens Steinbranche und über seine Visionen für die Zukunft.

ssS: In jüngster Zeit hat der Export von Rohblöcken aus Brasilien stark zugenommen. Wird Südamerikas größtes Land im Bezug auf Naturstein wieder zu einem Entwicklungsland, das bloß Rohmaterial zu billigen Preisen liefert?

Reinaldo Sampaio: Bei den Exporten von Granit haben die Rohblöcke einen Anteil von 19,1%, und das scheint mir angesichts unseres geologischen Potenzials ein relativ geringer Prozentsatz zu sein. Klar ist aber auch, dass es immer besser ist, Waren mit höherem Wert auszuführen, wobei dieser Mehrwert mit Technologie und Innovation erreicht wird.

ssS: Wie kann Brasiliens Steinbranche bei höherwertigen Produkten stärker werden?

Reinaldo Sampaio: Ich will einen Strategieplan für die Branche ins Leben rufen. Er soll den kleinen und mittelgroßen Firmen helfen, ihre notorische Schwäche in Sachen Investitionen zu überwinden. Ziel ist dabei, dass diese Betriebe Geld ausgeben können für Modernisierung und Wachstum. Das sind zwei der zentralen Vorbedingungen für höherwertige Produkte.

ssS: Was sind die zentralen Punkte dieses Strategieplans?

Reinaldo Sampaio: Vor dem Abirochas-Rat habe ich die folgenden Aktionsfelder herausgestellt: a) Brasilianische Natursteine müssen in unserer nationalen Architektur mehr präsent sein; b) wir müssen die Vorschriften für kleinräumige Steingewinnung vereinfachen; c) es muss eine bessere Interaktion mit den Bereichen Investitionsgüter und Betriebsmittel der nationalen Industrie erreicht werden; d) wir müssen die Einheit in der Branche sicherstellen; e) wir müssen die Grundlagen für eine Brasilien-weite Entwicklung der Steinindustrie legen.

ssS: Eine alte Idee ist, eine Marke etwa der Art „Made in Brazil“ zu schaffen. Unterstützen Sie diese?

Reinald Sampaio: Das „Made in Brasil“ ist bei meinen Plänen immer dabei. Allerdings weisen einige Fachleute zu Recht darauf hin, dass eine derartige Vereinheitlichung unserer Produkte und Prozesse schwierig wäre. Ich glaube deshalb, dass wir im Moment andere Wege einschlagen sollten.

ssS: Welche?

Reinaldo Sampaio: Eine Idee ist, unsere Steine in positivem Sinne mit bestimmten Themen zu verbinden, etwa der Natur oder der brasilianischen Kultur und Gesellschaft. Hierzu gehört auch, dass in der heimischen Architektur unsere Steine mehr Verwendung finden müssen. Es gilt die alte Leitlinie: Um international stark zu sein, müssen wir national und lokal stärker werden…

ssS: … und auf nationaler Ebene auch einig*?

Reinaldo Sampaio: Einig auch. Wir sind uns alle darüber im Klaren, dass die aktuellen Herausforderungen eine Mobilisierung aller Kräfte verlangen. Das lässt sich nur in Einigkeit und Kooperation erreichen.

* Anmerkung der Redaktion: Seit Jahren liegen nationaler Verband und Landesverband Sindirochas (Espírito Santo) im Streit.

Abirochas

Foto: Haroldo Abrantes