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Architektur: täglich das Meer auf dem Spielplan

(April 2010) Ein Bauplatz an einem Hang am Meer muss den weiten Blick freigeben. Großartig haben die türkischen Architekten Gokhan Avcioglu (GAD) und Dara Kırmızıtoprak (DK) diese Aufgabe bei der Wohnanlage CastleRock in Bodrum am Mittelmeer gelöst: Die Form der Häuser und die Staffelung übereinander heißt quasi jeden Tag die Sonne mit Applaus willkommen. Ein wenig nämlich erinnert die Gesamtanlage an den Zuschauerraum in einem Amphitheater mit dem Meer als Bühne.

Das hat Bezug zur lokalen Geschichte. Denn Bodrum als heutiger Erholungs- und Künstlerort an der südlichen Küste der Türkei besitzt aus antiken Zeiten solch eine Spielstätte.

CastleRock zählt 16 „Zuschauerplätze“, sprich: Häuser, die in mehreren „Sitzreihen“ über den Hang gestaffelt sind. Sichtschutz gegenüber den Nachbarn bieten die über die Veranden hinausgezogenen Seitenmauern. Diese sind jedoch mit Öffnungen durchbrochen, so dass die „Zuschauer“ das tägliche Schauspiel der Natur von Auftritt bis Abgang der Sonne komplett verfolgen können.

Die Betonmauern sind mit 3 bis 5 cm dicken Travertinplatten verkleidet. Um durch Standardisierung die Kosten niedrig zu halten, wurden aus einen Grundtyp drei Häuservarianten entwickelt, die an die jeweilige Lage angepasst sind. Jedes Terrain hat seinen eigenen Swimmingpool und Garten. Die Gebäude sind als Zwei- und Dreifamilienhäuser ausgeführt.

Der Name CastleRock erinnert an das Johanniterkastell und an die Festungsanlagen in der Stadt. In der Antike hieß Bodrum Halikarnassos und beherbergte das Grabmal des persischen Fürsten Mausolos, das als eines der Weltwunder galt und dessen Name noch heute prächtige Grabstätten benennt. Die Stadt wurde von Alexander dem Großen zerstört und litt häufig unter Erdbeben. Erst in der Gegenwart wurde sie vom Tourismus wiedererweckt.

Gokhan Avcioglu (GAD)

Dara Kırmızıtoprak (DK)

Fotos: Ozlem Avcioglu, Melis Eyuboglu