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Design: Botschaften für den Straßenrand

(Dezember 2010) Bordsteine für die Straßenränder gibt es seit Tausenden von Jahren, und dennoch fallen kreativen Köpfen immer wieder neue Ideen dazu ein. So geschehen beim Designwettbewerb der polnischen Naturstein-Fachzeitschrift Nowy Kamieniarz: da präsentierte die Studentin Agata Kokoszka ihr „Abecadło“ („ABC“), das sind Bordsteine, die Buchstaben tragen, so dass mit ihnen Botschaften in den Straßenrand geschrieben werden können.

Teilgenommen hatten an dem Wettbewerb mehr als 60 Studenten von vier polnischen Kunsthochschulen. Ihre Aufgabe hatte darin bestanden, ein Objekt aus Stein für den Alltagsgebrauch zu entwerfen, wobei die Betonung auf Alltagsgebrauch lag. Der Besuch in Steinmetzwerkstätten war Teil des Programms, ebenso Vorträge in Sachen Design mit Stein. Prämiert wurden 3 der eingereichten knapp 30 Arbeiten. Für die Öffentlichkeit waren sie erstmals auf der Messe Kamien-Stone (siehe unten) zu sehen.

Auf die Idee mit ihren ABC-Bordsteinen war Agata Kokoszka in einem anderen Projekt gekommen, in dem es um eine Erinnerungsstätte für einen polnischen Dichter ging. Wie sie sagt, suchte sie nach einer Begrenzung für die Anlage, und verfiel auf das Naheliegendste, nämlich Bordsteine zur angrenzenden Straße. „Von hier war der Weg nicht mehr weit, etwas von dem Werk des Dichters auf die Steine zu schreiben“, sagt sie, „denn das Material hat einen hohen Symbolwert.“ Damit meint sie, dass in Stein Geschriebenes automatisch Bedeutungsschwere bekommt, wie sie auch die Dichtkunst anstrebt.

Bisher gibt es nur Prototypen der ABC-Bordsteine. Gefertigt hat sie die polnische Steinfirma Granex in heimischem Striegauer Granit. Derzeit läuft die Weiterentwicklung der Idee: Sollen die Buchstaben als Inlay in einer anderen Steinsorte gestaltet werden? Wird es große Bordsteine mit ganzen Wörtern oder wie beim Scrabble-Legespiel für jeden Buchstaben einen Stein geben?

Agata Kokoszka jedenfalls steckt voller Ideen. „Mit dem steinernen ABC könnte man Passanten im Vorbeigehen mit Begriffen wie Liebe, Frieden oder Freundschaft konfrontieren, genauso könnten Firmen mit ihrem Namenszug werben“, sagt sie. „Oder: warum nicht eine Bushaltestelle mit einer Leuchtschrift im Stein markieren?“

Gleich für zwei Einreichungen bekam Jarosłav Kosek eine Prämierung. Für sein „Umywalka z otoczaka“ („Waschbecken im Findling“) hatte er sich kleine Findlinge vorgenommen, wie sie in Polens Landschaft häufig sind. Die Bearbeitung geschieht mit einer einfachen Säge, mit der das Becken aus dem Brocken herausgeschnitten wird. Insofern zeigt das Design „Einmaligkeit bei gleichzeitiger Möglichkeit der Wiederholung“, wie Kosek sagt: einmalig ist der Stein, der weitgehend unberührt bleibt, wiederholbar ist die Arbeit der Säge.

Wichtig für Kosek war auch, dass sein Design nicht einen riesigen Maschinenpark verlangt. „Jeder Betrieb hat eine Säge, also könnte auch jeder Betrieb solche Waschbecken machen“, sagt er. Mit der Firma Polgranit, die die auf der Messe gezeigten Stücke herstellte, hat er schon eine Absprache, dass sie die Produkte vermarkten wird.

Ein weiteres Kennzeichen der Designidee ist, dass das Becken eine Verbindung von draußen und drinnen herstellt. „Jeder kennt so einen Findling vom Waldrand; einen in der Wohnung zu haben, ist aber immer wieder überraschend“, so der Design-Student.

Ganz mathematisch hingegen ist seine 2. Arbeit mit dem Titel: „Płytka okładzinowa“ („3D-Fliese“). Hierbei handelt es sich eine Fliese, deren Oberfläche unregelmäßige Schrägen trägt. Kombiniert man mehrere Einzelstücke miteinander, etwa in einem Viererquadrat, ergibt sich ein größeres Muster, ebenso bei weiteren Vielfachen.

Reizvoll an der Arbeit war für ihn die Beschäftigung mit der Geometrie, für die er eine Leidenschaft hat. Die auf der Messe gezeigten Fliesen hatten die Größe 40 cm x 40 cm. „Jedoch können sie auch größer oder kleiner gemacht werden“, so Kosek. Produziert wurden sie von der italienischen Firma Euro Porfidi in Pietra Serena Sandstein.

Agata Kokoszka (polnisch)

Granex

Jarosłav Kosek (Mail)

Polgranit

Euro Porfidi

Messe Kamien-Stone

Zum 2. Mal fand in diesem Jahr die Messe Kamien-Stone vom 10. bis 13. November in der Industriestadt Poznan statt. Die Zahl der Besucher belief sich auf rund 7500. Davon kamen 90% aus Polen. Die Zahl der Aussteller betrug 330, davon kamen 61% aus dem Ausland. Die Anbieter von Maschinen machten mehr als die Hälfte der Stände aus. Eine ganze Halle war besetzt mit Mini-Ständen chinesischer Anbieter von Technik und Grabsteinen.

Kamien-Stone