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Kunst: Schichtungen mit Rissen

(Februar 2010) Die Webpage ist mehr als ungewöhnlich: Zunächst ist sie verschlossen, und erst wenn der Besucher mit der Maus draufklickt, schieben sich zwei Flügel eines Tores auf. Dabei machen sie ein Geräusch, als öffnete sich ein Zugang zur Unterwelt.

Der Künstler Park Eun-Sun hat seine Webpage wie ein Theaterstück in Szene gesetzt: gleich am Anfang stellen sich dem Besucher Fragen, auf die er Antworten wissen will – so entsteht das, was man in der Dramaturgie gemeinhin als „Spannung“ bezeichnet.

Gleichzeitig aber gibt schon diese erste Szene auch inhaltliche Informationen, aus denen sich allmählich ein Gesamtbild zusammensetzt: im Fall von Park sieht man gleich das Material, um das es geht, nämlich Marmor; außerdem wird man mit zwei Charakteristika seiner Arbeiten konfrontiert, zum einen der Schichtung, zum anderen den Rissen.

Park, der aus Korea stammt und im italienischen Pietrasanta unweit von Carrara lebt und arbeitet, hat als bevorzugte Formen Säulen und Kugeln. Diese wiederum sind aus Scheiben unterschiedlicher Marmorsorten zusammengesetzt, so dass man sich unvermeidlich an italienische Renaissance-Kathedralen wie die in Siena erinnert fühlt. So weit die perfekte Seite der Welt.

Nun aber verlaufen bei Park quer durch diese eleganten und noblen Arrangements immer auffällige Brüche.

Vielleicht, dass er in seinen Werken unsere Existenz in Szene setzen will: So schön das Leben auch sein kann, immer wieder werden die paradiesischen Momente von Störungen gestört. Zerstörung und Verfall stehen unweigerlich neben Dauer und Beständigkeit, die das Material ja gemeinhin symbolisiert.

So weit unsere Interpretation. Tiefer schürfende Bemerkungen finden sich in den Texten der Kritiker auf den Seiten.

Park Eun-Sun

Fotos: Park Eun-Sun.