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Märkte: „Wir wollen nicht nur Rohmaterialien erzeugen, sondern Endprodukte“

(April 2011) Die China Stone Material Association ist der landesweite Verband der Steinbranche. 1000 Firmen aus Produktion, Verarbeitung und Handel sind Mitglieder. Die Mitgliedschaft ist freiwillig. Präsident ist Zou Chuansheng. Während der Messe in Xiamen traf er sich mit Peter Becker von BusinessStone.com zu einem seiner seltenen Interviews.

ssS: Wo liegen aktuell die Herausforderungen für die chinesische Steinindustrie?

Zou Chuansheng: Das wichtigste und dringendste Feld, wo wir besser werden müssen, ist die nachhaltige Produktion. In den vergangenen Jahrzehnten war es einfach nur um Wachstum gegangen. Jetzt sind wir zu einer richtigen Industrie geworden, und da müssen auch saubere Produktion und schonender Umgang mit den Ressourcen Zielsetzungen sein.

ssS: Wie wollen Sie das erreichen?

Zou Chuansheng: Es ist ein langer Weg, den wir zu gehen haben.

ssS: Welche Themen drängen denn am meisten?

Zou Chuansheng: Wir müssen die Emissionen reduzieren, also die Belastungen unserer Arbeiter und der Umwelt mit Staub und Lärm verringern, und auch die Abfälle sauber entsorgen. Wasserrecycling ist ebenfalls ein zentrales Thema. Hier hat die Regierung Regeln festgelegt, die die großen Firmen schon erfüllen.

ssS: Was kann der Verband noch tun?

Zou Chuansheng: Wir sind dabei, für verschiedene Bereiche Standards zu entwickeln, die die Firmen einhalten müssen. Zum Beispiel soll in Brüchen nicht mehr gesprengt werden.

ssS: Wer legt die Standards fest und wer kontrolliert die Einhaltung?

Zou Chuansheng: Wir haben eine Kommission eingesetzt, die die Standards erlässt. Darin sitzen in der Mehrheit Vertreter der Firmen sowie Wissenschaftler, Techniker und Vertreter vom Verband. Wenn eine Firma die Standards nicht einhält, wird sie geschlossen.

ssS: Wie ist der Stand der Technik in Chinas Steinindustrie?

Zou Chuansheng: Zum Westen gibt es hier noch einen gewissen Abstand. Dasselbe gilt übrigens auch in Design und Kunst. Grundsätzlich heißt unsere Zielsetzung: Wir wollen nicht nur Rohmaterialien oder Halbfertigprodukte erzeugen, sondern Endprodukte.

ssS: Was aber passiert mit den Arbeitern, wenn Sie hochwertige Produkte herstellen, für die Sie mehr Technik einsetzen?

Zou Chuansheng: In China macht sich schon jetzt ein Mangel an Arbeitskräften bemerkbar. Wir kommen nicht umhin, in Maßen mehr Maschinen einzusetzen. Dafür aber brauchen wir besser qualifizierte Kräfte. Deshalb gehört es zu einer der zentralen Aufgaben für den Verband, Möglichkeiten für berufliches Training bereitzustellen (*).

ssS: Im Westen fordern viele Regierungen, dass die chinesische Regierung die Währung aufwertet. Was würde das für die Steinindustrie bedeuten?

Zou Chuansheng: Die meisten unserer Firmen im internationalen Geschäft arbeiten sowohl im Export als auch im Import. Die Folgen einer Aufwertung würden sich für sie wohl ausgleichen. Generell muss man bedenken: Wir exportieren nur einen geringen Anteil unserer Produktion, je nachdem, wie Sie rechnen, zirka 10 bis 15%. Unser wichtigster Markt liegt im Inland.

ssS: Wo liegen die Chancen für ausländische Firmen, die auf den chinesischen Markt wollen?

Zou Chuansheng: In denselben Bereichen wie für die einheimischen Firmen. Die Urbanisierung, die gerade vor sich geht, bietet für die Steinbranche ungeheure Chancen. Im Osten und an der Küste ist die Entwicklung schon weit fortgeschritten. Dort werden deshalb verstärkt hochwertige Produkte nachgefragt. Im Westen und in Zentralchina geht die Entwicklung gerade erst los.

Foto: privat

(*) Den Mangel an Arbeitskräften vor allem an der Küste und im Osten des Landes nannte der zuständige Minister kürzlich ein „strukturelles Problem“, wie die Zeitung „China Daily“ berichtete. Das Blatt zitiert einen Experten für Bevölkerungsfragen mit dem Satz „Arbeitskräfte werden während des gesamten 12. Fünfjahresplans (2011-2015) knapp bleiben.“ Ursachen seien das rapide Wirtschaftswachstum, der steigende Inlandskonsum und die Tatsache, dass die Wanderarbeiter aus dem Westen und aus Zentralchina nun in ihrer Heimat verstärkt Arbeit finden.