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Design: Vorreiter beim Produktdesign mit Stein

Marsotto Edizioni: „Connoisseur 32“.

Weltweit ganz vorne beim Produktdesign mit Naturstein ist die italienische Firma Marsotto. Sie gibt ein Beispiel dafür, wie man in dem Marktsegment für Alltagsgegenstände alles richtig machen kann.

Erstens: Kennzeichen ihres Designs ist, dass die Entwickler von den Eigenschaften des Materials ausgehen, also von dem, was der Stein kann.

Etwa im Fall das Weinregals „Connoisseur 32“ Produktnamen nicht übersetzen von James Irvine: aus matt poliertem Carrara Marmor hergestellt und fein austariert, steht es aufgrund des eigenen Gewichts unverwüstlich. Obendrein sieht es auch noch so edel aus, dass – wir spinnen jetzt ein wenig – der von hier kredenzte Wein immer ein bisschen besser schmeckt.

Oder die Ablage „Tilt“ von Thomas Sandell: wegen des Gewichts kippt sie nicht, obwohl sie an die Wand nur angelehnt wird. Ebenfalls Sandells Bücherkasten „Melt“ und der Beistelltisch „Tiltino“.

Immer erklärt sich die Funktion von selbst: der Tischspiegel „Bella“ von Maddalena Casadei lässt sich im Handumdrehen in zwei Positionen kippen. Auch Ross Lovegroves Bücherstütze „Eco“ ist nicht bloß schön.

Zweitens: Wichtig für Produktdesign ist ein Markenname. Wobei der gar nicht spektakulär sein muss. Bei der Marsotto Edizioni behält man gezielt den Bezug zu dem mehr als 100-jährigen Familienunternehmen bei.

Drittens: jede Marke braucht etwas, was sie wiedererkennbar macht. Das ist hier das Material, Carrara Marmor, und ein einheitlicher Stil, der die inzwischen gut 40 Produkte verbindet. Zuständig dafür ist James Irvine als Art Director, zusammen mit dem Ehepaar Mario Marsotto und Constanza Olfi. „Unsere Produkte sind zeitlos“, umreißt Constanza Olfi den Stil der Marke.

Viertens: Wer erfolgreich Produktdesign machen will, muss sich der permanenten Neuerung unterwerfen. Die erreicht Marsotto dadurch, dass immer wieder neue Designer eingebunden werden. Mit der Kollektion dieses Jahres, die im April zur Designwoche in Mailand präsentiert wurde, beläuft sich die Zahl der Kreativen auf 10.

Fünftens: Die Exklusivität der Produkte muss ständiges Ziel sein. Deshalb sind alle Produkte der Marsotto Edizioni nummeriert. Zudem betont das Unternehmen in seiner Werbung, dass jedes Stück ein Einzelstück ist, was sich aus den natürlichen Variationen im Material ergibt.

Sechstens: modernes Produktdesign braucht aktuelle Technologien. In der Edizioni ist jedes Stück mit einem RFID-Chip eindeutig identifizierbar. Der ist nicht sichtbar.

Schließlich und siebtens: Modernes Produktdesign ist nicht bierernst, sondern „überraschend und manchmal ironisch“, wie es auf der Website der Edizioni heißt. Dies gilt auch für Marmor.

Dazu müssen wir nun noch auf „Squalo“ von James Irvine eingehen: Dabei handelt es sich um Türstopper  in der Form von Haifischflossen.

Marsotto Edizioni

Marsotto

Fotos: Miro Zagnoli

(Juni 2011)