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Märkte: Warnschuss gegen Chinas Keramikindustrie

(August 2011) Schweres Geschütz hat die Europäische Union gegen die chinesische Keramikindustrie aufgefahren: Im März dieses Jahres hat die EU-Kommission vorläufige Anti-Dumping-Zölle in Kraft gesetzt. Das bedeutet, dass je nach Hersteller bei Importen solcher Fliesen nach Europa Sonderzölle in Höhe von 26,2 bis 73% zu entrichten sind. Die neuen Regelungen gelten zunächst für 6 Monate.

Claude Gargi, Chefredakteur der französischen Fachzeitschrift Pierre Actual, hatte in der Juni-Ausgabe das Thema aufgegriffen. Es kann auch für die Natursteinindustrie interessant sein.

Ausgangspunkt der EU-Entscheidung war eine Initiative des Europäischen Verbandes der Hersteller von Keramikfliesen (CET). Der hatte im Namen von 69 Herstellern, auf die mehr als ein Drittel der EU-Produktion entfällt, handfeste Belege für ein Dumping durch die chinesische Konkurrenz vorgelegt.

Die Kommission hatte daraufhin im Juni 2010 eine offizielle Überprüfung der Vorwürfe eingeleitet und im März 2011 die Zölle beschlossen. Diese können nach Ablauf der 6-Monats-Frist am 17. September dieses Jahres auf 5 Jahre verlängert werden.

Offizielle chinesische Stellen hatten das Verfahren mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. In Stellungnahmen etwa der Botschaft in Berlin war davor gewarnt worden, dass die EU-Maßnahmen „etwa 10 bis 15 Prozent der chinesischen Unternehmen (in der Branche, d. Red.) in den Konkurs treiben und etwa 100.000 Menschen arbeitslos machen“ würden.

Nach der Entscheidung der EU-Kommission wurde die Argumentation verändert: „Einige Rechtsexperten der EU vertreten die Ansicht, dass der Ausgleichszoll als Handelsprotektionismus einzustufen ist“, schrieb eine offiziele Website.

Was ist Dumping im Außenhandel?

Von Dumping im Außenhandel spricht man, wenn Produkte im Zielland billiger verkauft werden als im Herkunftsland. Die Welthandelsorganisation WHO [World Trade Organization WTO; Organizzazione Mondiale del Commercio OMC; Organización Mundial de Comercio OMC; Organização Mundial do Comércio OMC] sieht darin ein Indiz dafür, dass die Preise nach unten subventioniert worden sind, etwa durch staatliche Förderung bei den Exporten oder durch Vergünstigungen für die Produktion.

Dumpingpreise werden zum Beispiel eingesetzt, wenn ein Land Zugang zu einem Markt bekommen will, den andere im Griff haben.

China ist Mitglied der Welthandelsorganisation WHO. Schon häufiger wurde ihm vorgeworfen, mit unfairen Maßnahmen seine Exporte zu fördern. Ein Aspekt der Dumping-Vorwürfe ist auch die Produktpiraterie, weil ein Hersteller durch unerlaubtes Kopieren die Entwicklungskosten für seine Waren senken kann.

Dumping-Streitigkeiten gibt es permanent im Welthandel. Vorwürfe von Entwicklungsländern gegenüber der EU sind zum Beispiel, dass sie durch Subventionen ihre Agrarindustrie vor Einfuhren schütze.

Erstmals endgültige Anti-Dumping-Zölle gegen China hatte die EU im Mai dieses Jahres gegen die Papierindustrie verhängt.

Detaillierte Darstellung der EU-Entscheidung

Chinesischer Fernsehbericht auf Englisch

Stellungnahmen offizieller chinesischer Stellen  (1, 2)

Anti-Dumping-Zölle gegen die chinesische Papierindustrie