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Stone Stories: pif, paf, pouf im Wald

(August 2011) Wenn der Tourist vor den Großbauten der Vergangenheit steht, etwa den Kathedralen in Europa, den Pyramiden der Azteken in Lateinamerika, den Gotteshäusern in Indien oder der Großen Mauer in China, fragt er sich unweigerlich: Wie um Himmels willen haben die Alten das geschafft?

In Frankreich läuft sei einigen Jahren ein Vorhaben, das diese Frage anhand einer Burg aus dem 13. Jahrhundert beantworten will: Im Wald von Guédelon in Burgund wird seit 1997 ein solches Gebäude mit den Techniken und Materialien aus jener Zeit errichtet.

Ziel des Projekts mit dem Untertitel „Chantier Médiéval“ („Mittelalterliche Baustelle“) ist, experimentelle Archäologie zu betreiben: Dabei überprüft man die historischen Überlieferungen und Ruinen anhand der Praxis.

Das ist ein Spektakel, klar, laufen doch die Leute in der Kleidung des Mittelalters herum. Auf der Baustelle ist weder Motoren- noch Maschinenlärm zu hören: alles wird in Handarbeit erledigt, etwa das Formen des Tons für die Dachziegel oder das Flechten der Körbe fürs Transportieren.

Laut ist allenfalls das Hämmern der Schmiede oder die Arbeit im Steinbruch im Wald nebenan: Dort wird der Sandstein mit Keilen und Hämmern aus dem Fels gelöst, geteilt und anschließend mit Schubkarren, Schlitten oder Tragen zur Baustelle geschafft. Wenn es sich um größere Blöcke handelt, kommen Karren mit Ackergäulen zum Einsatz.

Was hier schon recht mühselig klingt, ist in Wirklichkeit noch viel beschwerlicher. Denn guter Stein findet sich nur am Fuß der Felswände, so dass zunächst Massen von Material wegzuräumen sind. Ganz nach der Art der Alten werden diese Brocken weiterverwendet, etwa um Aufschüttungen innerhalb der Festungsmauern vorzunehmen.

Die Steinmetzen auf der Baustelle haben sich eine besondere Terminologie zugelegt: harter Sandstein heißt „pif“, mittelharter „paf“ und weicher „pouf“. So klingt das Material unterm Werkzeug – in vielen Kinderspielen hat sich die Klangfolge erhalten.

Die Fertigstellung der Burg soll 2025 erfolgen. Bis dahin können Touristen die Baustelle besuchen, auch Schulklassen sind gern gesehen. Führungen sind auf Französisch, Englisch, Deutsch und Niederländisch möglich. Die Saison dauert von April bis Ende Oktober.

Chantier Médiéval de Guédelon