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Märkte: Indien erlaubt mehr Importe von Rohblöcken

(November 2011) In Indien gab es kürzlich eine Regierungsentscheidung, die – vielleicht – ein Schritt zu noch größerer Bedeutung des Landes auf den internationalen Naturstein-Märkten sein könnte: Die Politik hat entschieden, dass künftig um rund ein Drittel mehr Rohblöcke an Marmor eingeführt werden dürfen. Die maximale Importmenge innerhalb eines Jahres kann sich damit auf insgesamt 500.000 t belaufen.

Außerdem werden mehr Lizenzen für die Einfuhr dieser Rohblöcke vergeben.

Zur Orientierung ein paar Zahlen aus Carlo Montanis Statistik-Jahrbuch „Stone 2009“ mit den Zahlen für 2008: während Indien damals 202.000 t an Rohblocks aller Sorten importierte, holte China 3.133.000 t ins Land, Italien 1.851.000 t und selbst Spanien noch 853.000 t.

Insofern klingen die indischen Neuerungen für den Außenstehenden wenig berauschend. Deshalb müssen wir, um ihre Bedeutung herauszuarbeiten, etwas ausholen. Denn, wie man von Einheimischen erfahren kann, hat die Verarbeitungsindustrie im Land bisher allzu sehr unter unfairen Gesetzen zu leiden, die einige wenige große Firmen bevorzugen und die kleinen und mittelgroßen Betriebe behindern.

Dazu eine Zahl: Es heißt, dass es in dem boomenden Land pro Jahr eine Nachfrage nach rund 1.000.000 t Naturstein gibt. Die heimische Industrie könne jedoch nur ein Drittel davon in ihren Brüchen produzieren. Als Grund dafür werden gerne Umwelt- und andere Auflagen beklagt. Aufgrund derer hätten Brüche schon schließen müssen.

Eine Kompensation durch mehr Importe war bisher nicht möglich.

Dieses Wachstumshindernis für die Mehrheit der Betriebe hat der Verband All India Granites & Stone Association (AIGSA) oft beklagt. Offen wurde dabei auch auf die Bevorzugung der Firmen mit Importlizenz hingewiesen. Nicht nur, dass ihnen genügend Material für die Verarbeitung zur Verfügung stehe – unter ihnen gebe es auch Geschäftemacher, die die eigenen Importmengen unter der Hand zu horrenden Preisen weiterverkauften.

Noch ein Aspekt: Denkbar wäre, wenn schon der Import von Rohmaterial nicht möglich ist, dass dann Fertigprodukte importiert werden. Das geschieht, und zwar mit Lieferungen vor allem aus China.

Seit einiger Zeit nun hat die indische Seite ihren Politikern mit einem drastischen Szenario ins Gewissen geredet. Wenn die Regierung die Importe nicht freigebe, müssten die heimischen Firmen sich eben rein als Händler betätigen: dann würden sie Rohblöcke im Ausland einkaufen, diese in China verarbeiten lassen und sie von dort entweder nach Indien holen oder sonstwo hin weiterverkaufen.

Damit geriete die bisher starke indischen Steinbranche in den Sog der De-Industrialisierung (von Ausnahmen wie dem Grabmalsektor abgesehen). Viele Arbeitsplätze würden damit verloren gehen.