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Kunst: wahrscheinlich ein Vorbild für Tilman Riemenschneider und Veit Stoß

(Januar 2012) Die Figur zeigt eine typische Geste des Mittelalters: den Kopf in die Hand gestützt wirkt die Person wie in Gedanken versunken, vielleicht auch melancholisch, wie das Motiv schon in der Antike verstanden worden war. Niclaus Gerhaert, der Bildhauer des Mittelalters, hat sein Selbstportrait in rötlichem Sandstein so gestaltet. Ihm widmet das Frankfurter Liebieghaus bis zum 4. März 2012 eine Ausstellung.

Heutzutage ist er kaum bekannt. Zu Lebzeiten von etwa 1430 bis 1473 muss er jedoch eine prägende Rolle unter den Bildhauern gespielt haben, so sehr, dass sich sogar Kaiser Friedrich III. um seine Dienste bemühte. Zweifellos beeinflusste er Berühmtheiten eine Generation später wie Tilman Riemenschneider, Veit Stoß, Michel Erhart oder den Tiroler Michael Pacher.

Geboren wurde er vermutlich in der holländischen Stadt Leiden, worauf sein vollständiger Name Niclaus Gerhaert von Leyden hinweist. Später lebte und arbeitete er in Straßburg. Zuletzt wirkte er in der Wiener Neustadt.

Die Ausstellung zeigt etwa 70 Skulpturen in Stein und Holz aus internationalen Sammlungen. Geprägt sind die Arbeiten durch eine „handwerkliche Virtuosität der Ausführung, die Originalität der formalen Lösungen sowie die enorm räumliche Wirkung der Skulpturen“ heißt es in einem Pressetext des Frankfurter Museums. „Besonders aber (durch) die überraschende Lebendigkeit und berührende Lebensnähe der Figuren setzte er neue Maßstäbe.“

Auffallend bei seiner Art der Darstellung sind die „starke Zerklüftung der bearbeiteten Stein- oder Holzblöcke, die Forcierung von Durchbrüchen und Hinterschneidungen sowie der weitgehende Verzicht auf Anstückungen“, heißt es weiter.

„Niclaus Gerhaert. Der Bildhauer des Mittelalters“, Liebieghaus, Frankfurt am Main, bis 4. März 2012.

Vom 30. März bis 8. Juli 2012 im Musée de l’Oeuvre Notre-Dame in Straßburg.