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Märkte: „Gute Nachrichten auch für die Steinbranche“

(Januar 2012) Nach „ewigen“ Verhandlungen, wie manche Presseorgane schreiben, ist Russland im vergangenen Dezember der Welthandelsorganisation WTO beigetreten. Damit öffnen sich für Lieferanten mittelfristig große Chancen, denn künftig wird das riesige Land die allgemeinen Regeln der Weltwirtschaft anerkennen. Konkret bedeutet das unter anderem sinkende Einfuhrzölle sowie eine Vereinfachung bei Produktnormen und Zertifizierungen. Schrittweise werden diese Veränderungen umgesetzt.

Bis spätestens 15. Juni muss nun noch das russische Parlament dem Beitritt zustimmen. Insgesamt 18 Jahre hatten sich die Verhandlungen in Genf hingezogen.

Exporteure und Investoren erwarten mehr Verlässlichkeit bei Geschäften. Auch werden die Einfuhrzölle zum Beispiel für Fertigprodukte [manufactured goods] im Durchschnittswert von 9,5% auf 7,5% fallen. Über alle Produktklassen gemittelt wird der durchschnittliche Einfuhrzoll von derzeit 10% auf 7,8% sinken.

Chancen sieht Raimondo Lovati, Generalsekretär des italienischen Verbands Confindustria Marmomacchine, auch für die Natursteinbranche: „Am bedeutsamsten ist, dass Russland endlich anfängt, Regeln und Verfahren in Übereinstimmung mit den modernen Wirtschaftsnationen zu erstellen. Alles in allem ist das auch gut für Italiens Steinproduzenten und Hersteller von Equipment. Diese werden während des Jahres 2012 zusammen mit unserem Verband auf die Messen Mosbuild im April und Expostone im Juni gehen.“

Kritiker der russischen Regierung haben jedoch schon darauf hingewiesen, dass das Wirtschaften dort auch weiterhin durch Korruption, Vetternwirtschaft und Bürokratie behindert wird.

Steinbranche in Russland

Daten zur russischen Steinindustrie liefert das aktuelle Statistik-Jahrbuch „XXII World Marble and Stone Report 2011“. Ein sehr positives Bild für die Entwicklung der Branche im Jahr 2010 zeichnet rückblickend der Autor, Dr. Carlo Montani: „Um ein Drittel ist der inländische Markt dort gewachsen und hat ein neues Maximum erreicht.“ Das sei vor allem auf eine Verdoppelung bei den Importen zurückzuführen, wobei Fertigprodukte hier eine besondere Rolle spielten. Lieferanten waren der Reihenfolge nach China, Indien, die Ukraine, Türkei und Italien.

Aber auch Rohblöcke wurden mehr als zuvor importiert, was – zusammen mit einem deutlichen Anstieg bei den Investitionen in Maschinen – darauf hinweist, dass in Russland eine große Verarbeitungsindustrie entsteht. Darauf deuten auch die Steigerungen bei den Exporten von Stein hin. Diese gingen vor allem in Nachbarstaaten wie Tadschikistan und Turkmenistan, die ehemals zur Sowjetunion gehörten.

Auf dem Technologiemarkt zählte Russland im Jahr 2010 zu den 7 größten Importeuren weltweit. Es kaufte für insgesamt 47 Millionen US-$ im Ausland ein. Ein Drittel davon kam aus Italien.

Montanis Fazit: „Das zeigt, dass Investitionen dort eine positive Phase durchlaufen, nach einer relativ langen Zeit der Ungewissheit.“ Allerdings sei Stein immer noch ein Produkt für die Eliten, fügt er hinzu, wobei es jedoch auch Tendenzen zu einer „Demokratisierung“ des Materials gebe.

WTO

„XXII World Marble and Stone Report“ (Aldus Casa di Edizioni, Carrara)