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Alfredo Polti: Open-air-Showroom an der Fassade

Auf der Bau 2015 in Halle 4, Stand 104

„In Cava“ (Im Steinbruch) ist der ungewöhnliche Name, den die Beteiligten dem Gebäude gegeben haben. Dazu gibt es eine Vorgeschichte: Als nämlich der Bauherr, die Steinfirma Alfredo Polti, mit dem Architekten, José Stefanini von JS Studio, eine Besichtigung der firmeneigenen Calanca-Gneis-Gewinnung machte, kam man auch am Abfall aus der Bearbeitung vorbei, und da sagte der Architekt auf einmal: „Genau diese Stücke müssen wir verwenden“.

Ziel des Spaziergang durch den Steinbruch war gewesen, für das neue Firmengebäude in Roveredo in der italienischen Schweiz eine Architektur zu finden, die dem Betrachter sozusagen im Vorbeigehen viel über das Material erzählt: dass es in dicken Brocken aus dem Berg geholt wird, dass der Kraftaufwand bei der Bearbeitung groß ist, was sich aus ihm machen lässt…

Zur Hauptverkehrsstraße hin ragen deshalb in den beiden oberen Stockwerken des Gebäudes quasi 3 überdimensionale Blöcke aus der Fassade heraus. Das Verhältnis ihrer Länge zur Breite orientierte sich an den Rohstücken.

Im Erdgeschoss hat die Firma Polti 3 Lagerräume. Im Stockwerk darüber befinden sich 3 Büros und darüber wiederum 3 Wohnungen. Die vorstehenden „Blöcke“ in der Fassade machen die Innenfläche der Büros und Wohnungen um jeweils 1,2 m² größer. Im „Block“ in der Mitte befinden sich 2 Fenster.

Etliche Herausforderungen stellte diese Art der Fassadenverkleidung. Denn insgesamt bringt der Stein 40 t Gewicht an die Wand – die größte der Platten misst 200 cm x 76,7 cm bei 18 cm Dicke, das sind rund 450 kg. Der Architekt entwickelte spezielle Verankerungen, wobei allein die Eisen dafür 4,5 t wiegen.

Da dicke Steinblöcke aber immer auch wie monolithische Ungetüme wirken, wurden die einzelnen Platten so angeordnet, dass Bewegung und Unordnung entsteht. Eine zusätzliche Herausforderung stellte das Ableiten des Regenwassers bei starken Gewittern dar.

Soviel zur Präsentation des Gneis’ in Form eines rohen Stücks Natur in diesem Open-Air-Showroom.

Rund um das Gebäude findet man den Stein dann noch in Bearbeitungen, zum Beispiel diamantgesägt in den Fenstergewänden. An einer Seite gibt es eine 3,2 m hohe Musterwand mit 12 Bearbeitungsvarianten.

Schließlich: drumherum befindet sich auf dem Boden ein Steingarten mit Platten aus gestrahltem Material.

In den Räumen kommt der Calanca Gneis geschliffen als Fußbodenbelag zum Einsatz.

Alfredo Polti

JS Studio

Fotos: Fotoatelier Franco Mattei / Alfredo Polti

Auf der Bau 2015 in Halle 4, Stand 104

Gneis Calanca ist das Material, das die Firma Alfredo Polti im Calanca-Tal im Kanton Graubünden in der Schweiz gewinnt. Dieser Naturstein hat ähnliche Eigenschaften wie hiesige Granite: er ist sehr hart, frostbeständig und lässt sich polieren, hat jedoch eine prägnantere Oberflächenzeichnung, teils mit kräftigen Strichen oder Wellen, und bessere Biegezugwerte. Da er sich gut spalten lässt, wird er vielfach im Gartenbau verwendet.

Alfredo Polti: Gneis Calanca.Alfredo Polti: Gneis Calanca.Alfredo Polti: Gneis Calanca.

(Februar 2012)