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Bildungswoche der Steinmetzmeister: Denkanstöße für Österreichs Natursteinbranche

Die Sicht des Architekten auf die Natursteinbranche und mehr Gestaltung in der Ausbildung der Steinmetze waren zwei der Vortragsthemen auf der Bildungswoche der österreichischen Steinmetzmeister. Die Veranstaltung, organisiert vom Steinzentrum Hallein, findet jährlich statt und will neue Denkansätze in die Firmen bringen. Diesmal trafen sich etwa 80 Teilnehmer in Bad Kleinkirchheim in Kärnten, und wie üblich gehörte das Beisammensein am späten Abend (und bis weit darüber hinaus) zu der Veranstaltung.

Volker Bastian, Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner (gmp). Foto: privat

Volker Bastian vom Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner (gmp) legte im Eröffnungsreferat dar, was seine Zunft von der Natursteinbranche erwartet. In den Mittelpunkt stellte er „Partnerschaft“: beinahe alleingelassen von Steinhändlern und Steinmetzen fühlen sich die Architekten, konnte man aus dem Gesagten heraushören. „Wenn wir Architekten mit dem Bauherrn diskutieren, ihn nach und nach überzeugen und ihm fehlerfreie Natursteinbeläge versprechen, dann erwarten wir aber auch von Ihrer Seite, dass Sie einen entsprechenden Einsatz bringen“, führte der Leiter für Baumanagement bei dem weltweit renommierten Hamburger Architekturbüro aus.

Deutliche Worte das, aber Bastian wollte nicht mit der Keule ausholen. Schließlich ist er selbst ein Fan von Naturstein, und nach dem Tenor seines Vortrags gibt es in seiner Zunft ein weit verbreitetes Faible für das Material.

Was er in moderatem Tonfall als Wunsch vortrug, war, dass der Architekt schon „im frühen Planungsstadium“ auf „mögliche Probleme beim Einsatz von Naturstein“ aufmerksam gemacht wird. Hier brauche der Planer kompetente Fachleute, die ihr Knowhow aber auch kommunikativ in ein Projekt einbringen.

Die Branche hingegen scheint, so kann man Bastians Ausführungen verstehen, eher zu agieren wie ein Zusteller, der ohne viel Leidenschaft eine fremde Ware abliefert. Bastian umriss das am Beispiel einer „vernachlässigten Nachbetreuung“, infolge derer die Steinfirmen „oft lukrative Folgeaufträge und Zusatzgeschäfte mit guten Erfolgschancen“ verschenkten: „Meistens ist nach der Abrechnung und Schlusszahlung der Auftraggeber aus den Köpfen des Unternehmers (gemeint sind Steinhändler oder Steinmetz, d. Red.) verschwunden.“ Auch hier wünschte er sich mehr Kommunikation der fortlaufenden Art.

Außerdem appellierte er: „Präsentieren Sie Ideen rund um den Naturstein.“ Offenbar würden die Architekten gerne von der Branche erfahren, was auf den großen Steinmessen gezeigt wurde.

Ganz nah dran an Bastians Plädoyer war Giovanni Gutschi in seinem Vortrag über eine Neupositionierung der Steinfachschule Hallein. Er will mehr Bau-Knowhow in die Ausbildung der Steinmetze holen, wobei es nicht nur um technische Fragen aus der Welt der Bauingenieure geht, sondern – stärker noch – um Gestaltungsfragen aus der Welt der Architekten und Innenraumgestalter.

Gutschi ist Vorstand der Abteilung Naturstein an der HTL Hallein. Junge Leute können dort eine schulische Berufsausbildung absolvieren, also sozusagen eine Lehre ohne Betrieb. Wobei auch hier das praktische Lernen einen erheblichen Teil der Schulzeit umfasst.

Gutschi, der mit seinen Ideen gerne im Vorbeigehen heilige Kühe schlachtet und als Berufsschullehrer eher wie seine Schüler daherkommt, bescheinigte dem Steinmetzberuf ein Imageproblem. „Unsere Arbeit wird in der Öffentlichkeit als staubig und schmutzig sowie als schwer und mit einem groben Material“ verstanden, sagte er. Zudem werde der Beruf als „auf Friedhof und Grabmal beschränkt“ erlebt.

Er will nun den Steinmetz aus dieser Ecke herausholen, indem er der Gestaltung eine stärkere Rolle im Beruf gibt.

Einsatzgebiete für den gewissermaßen Neuen Steinmetz sieht Gutschi zum Beispiel in der Innenarchitektur. Jedoch müssten die Arbeiten der Steinmetze in diesem Bereich einen „Whow-Effekt“ haben, führte er aus, will heißen: sie müssten sich durch eine „moderne Formensprache beziehungsweise eine moderne Materialbearbeitung“ auszeichnen, um nur zwei Aspekte zu nennen.

Übrigens: diesen „Whow-Effekt“ müsse der Handwerker auch für die Selbstdarstellung lernen.

Für das Einsatzgebiert Architektur heiße das, dass der Neue Steinmetz „ein Raumgefühl“ brauche, „weg von der einfachen Fassadenplatte“.

Schließlich: als Neuerung für die Ausbildung hat Gutschi ein 4+2-Modell im Kopf: auf 4 Jahre Fachschule soll ein Aufbaulehrgang von 2 Jahren folgen, der am Ende in die Matura (Abitur) mündet. Und: den Steinmetz-Bereich der HTL Hallein will er in „Fachschule für Steingestaltung“ umbenennen.

In weiteren Referaten ging es um Denkmalpflege und Grabmal. Zu den neuen „Standards der Baudenkmalpflege“ wurde ein Buch gleichen Namens vorgestellt, das unter http://www.bda.at zum kostenlosen Download bereit steht.

Die Referate waren im Einzelnen:
* Naturstein sicher verlegt! Grundlagen der gebundenen Bauweise für befestigte Flächen im Außenbereich. Dipl.-Ing. (FH) Erich Strauss, Sopro Bauchemie
* (geändertes Thema) In der Steinbranche vollzieht sich derzeit ein Quantensprung durch neue Techniken und durch Produktdesign, Peter Becker (Stone-Ideas.com)
* Designpreis 2014 mit Dr. Arnold Reinthaler
* Chronik der Bundesinnung Steinmetze, Mag. Richard Watzke (Zeitschrift Stein)

* Farbe am Stein, Mag. Johann Nimmrichter, Bundesdenkmalamt
* Bauphysik in der Steinrestaurierung – Beispiele aus der Praxis, Erich Eichl, Steinmetzmeister, Salzburg
* Savonnières Kalkstein – Verwitterung und Möglichkeiten der Erhaltung am Beispiel des Figurenschmucks am Wiener Rathaus, Dipl.-Rest. Susanne Beseler, Plan B, Wien
* Standards der Denkmalpflege, Schwerpunkt Stein, Mag. Astrid Huber, Johann Nimmrichter, Bundesinnungsmeister Wolfgang Ecker und BIM-Stv. Ing. Norbert Kienesberger

* Vorstellung der Neuerungen ONR 272214, Dipl.-Ing. Franz Rupert Schmid und Norbert Kienesberger
* Christliche Bestattungskultur – Impulse aus den „Praxistagen Friedhof“, Dr. Martina Gelsinger
* Gedankenaustausch Zukunft Friedhof, Susanne Storath (Zeitschrift Naturstein).

Die Gewinner des diesjährigen Designpreises des Steinzentrums Hallein werden wir demnächst vorstellen.

Steinzentrum Hallein

Programm Bildungswoche 2015

Kontakt: Anna Singer, Tel: +43 (0)6245 / 81 274, Mail

Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp)

HTL Hallein

(04.02.2015)