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Die Landung auf dem Kometen „Tschuri“ in einer Ausstellung im Berliner Naturkundemuseum

Unerwartet vielgestaltig ist die Oberfläche von Tschuri: es wechseln sich flache, staubbedeckte Ebenen mit Abhängen voll Geröll und steilen Geländekanten ab.

Wie die Rosetta-Mission beinahe perfekt gelang und welche neuen Erkenntnisse sie über das „Badeentchen“ aus den Tiefen des Alls brachte

Update: Philae wurde entdeckt

Termin vormerken: am 30. September 2016 gegen 11 Uhr vormittags wird die Raumsonde Rosetta zum letzten Teil ihrer Mission ansetzen und auf den Kometen Churyumov-Gerasimenko niedergehen.

Man erinnert sich: sie war 2004 gestartet und hatte nach 10 Jahren Flug in 404 Millionen km Entfernung von der Erde diesen inzwischen von den Erdenbürgern mit dem Spitznamen „Tschuri“ versehenen Himmelskörper erreicht und in 22 km Höhe ihre Landesonde Philae abgesetzt, die tatsächlich auf dem Kometen niederging, sich dann aber nicht festmachen konnte, weil die Halteharpunen versagten, schließlich nach 2 Stunden Herumdriften doch endgültig aufsetzte, wenn auch an einer Stelle mit nur geringer Sonneneinstrahlung.

Im Berliner Naturkundemuseum wird bis zum 24. Januar 2017 in einer Ausstellung die Geschichte dieser spektakulären Weltraummission der europäischen ESA erzählt. Am Anfang war noch die US-Nasa beteiligt gewesen, die später ausstieg.

Viele Hürden mussten die Crews der Mission nehmen, etwa die, dass es zum geplanten Start Probleme mit der Ariane-Rakete gab, worauf der ursprüngliche Zielkomet nicht mehr erreichbar war und man auf Tschuri umsteigen musste.

Beim Erreichen des sonnennächsten Punkts seiner Bahn brechen Gas-Jets aus dem Kometen heraus und wird Staub ins All geschleudert. Experten schätzen, dass Tschuri sich nach 1000 weiteren Umläufen aufgelöst hat.

Nach dem Start am 02. März 2004 nahm Rosetta zweimal Schwung bei Vorbeiflügen an Erde und Mars, fotografierte wie geplant die Asteroiden Šteins und Lutetia, ging für 2,5 Jahre in Winterschlaf, um sich im August 2014 wie programmiert wieder zu melden.

Am 12. November 2014 wurde die Sonde Philae abgesetzt, und erreichte nach 7 Stunden langsamem Absinken die Oberfläche des Kometen. „Vielleicht haben die Zündladungen für die Landharpunen die 10 Jahre in der Kälte des Weltalls nicht vertragen“, mutmaßte einer der beteiligten Wissenschaftler bei der Pressekonferenz über das Problem, dass sie sich nicht gleich festmachen konnte.

Der Ort, wo die Landung schließlich gelang, ist bis heute nicht identifiziert. Bedauerlicherweise lag er pro Kometentag (von 12 Stunden) nur 80 Minuten im Sonnenlicht, so dass die Stromversorgung allein von den mitgeführten Batterien abhängig war. Philae führte 64 Stunden lang etliche Experimente unter anderem zur Beschaffenheit der Oberfläche durch, dann gab es noch ein paar kurze Kontaktsignale zu Rosetta, weil der Komet inzwischen der Sonne näher gekommen war, schließlich ist seit 09. Juli 2015 Funkstille.

Philae ist in Originalgröße in der Ausstellung zu sehen. Ebenso liegen die unscheinbaren Landeharpunen in einem Glaskasten.

Kometen haben häufig die Form einer Hantel mit zwei Körpern, die durch einen schmaleren Grat verbunden sind.

Hauptattraktion ist ein Modell von Tschuri im Maßstab 1:1000, platziert auf einem Stadtplan von Berlin. Der Komet hat in etwa die Form einer Hantel, auch als „Badeentchen“ bezeichnet. Ähnliche Doppelgestalten findet man häufig bei Kometen, wie die Wissenschaftler herausgefunden haben.

Überraschende Erkenntnisse gab es einerseits aus Philaes Analysen und andererseits aus Rosettas anhaltenden Beobachtungen aus der Distanz.

So sind Kometen keine Schneebälle aus lockerem Material, wie man bisher meinte, sondern Eiskörper, in denen im Verhältnis 6:1 wie bei Tschuri sehr viel Staub eingefroren ist. Unerwartet hart war deshalb auch die Oberfläche des Kometen, und: sehr porös ist er.

Weitere Neuheiten: auch wenn Tschuri aus viel Eis besteht, waren es wohl kaum die Kometen, die das Wasser auf die Erde brachten.

Und: auch das Leben brachten sie wohl kaum aus dem All mit. Wobei das Vorhandensein von Aminosäuren auf Tschuri inzwischen zahlreiche Wissenschaftler vermuten lässt, dass diese Grundbausteine des Lebens wahrscheinlich reichlich im Weltall zu finden sind.

Die Ausstellung zeigt die Etappen der Kometenmission Rosetta.

Die Ausstellung widmet sich auch der Geschichte der Kometenforschung und zeigt Beispiele aus der Sammlung des Museums. Erklärt wird auch, wieso die Wissenschaftler sich von diesem Himmelskörpern Aufschlüsse über unser Sonnensystem erhoffen: Kometen kamen nie mit Wärme in Berührung und enthalten vielfach Material, das sich schon während der Abkühlung der Planeten bildete.

Die Ausstellung wurde in Kooperation des Berliner Naturkundemuseums mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Max-Planck-Gesellschaft realisiert.

Kometen. Die Mission Rosetta. Eine Reise zu den Ursprüngen des Sonnensystems“, Museum für Naturkunde Berlin

Bilder: ESA/Rosetta/MPS for Osiris Team
MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA

(09.08.2016)