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Sandstein und Travertin an einem Haus, das sich von der Umgebung abheben soll

OOIIO Architecture: Casa R+.

Mit der Casa R+ schaffen die Architekten von OOIIO „ein Mineral“, auf das der Passant beim Spaziergang zufällig stößt

Für viele Architekten ist es eine heilige Leitlinie, dass sich ihre Bauten den Gegebenheiten am Standort anpassen. Nicht so für das Büro OOIIO mit Sitz in Madrid: ihr Einfamilienhaus Casa R+ sollte in seinem Erscheinungsbild ganz gezielt „NICHT mit den Nachbargebäuden verschmelzen“.

Der Bauplatz liegt in einer kleinen Straße in dem Städtchen Mora. Diese Gemeinde mit rund 10.000 Einwohnern ist von Landwirtschaft geprägt: sie bezeichnet sich selbst als „Welt der Oliven“ und beherbergt sogar ein Museum des entsprechenden Öls. Folglich sind die Straßen eng und die Wohnhäuser dort unauffällig und niedrig.

OOIIO Architecture: Casa R+.

Die Casa R+ ist nach den Vorstellungen der Architekten ein „Fund, den der Fußgänger bei einem Gang durchs Städtchen eher zufällig macht, so als wäre er ein Geologe, der aus reinem Glück an unerwartetem Ort das wertvolle Material findet, nach dem so lange schon gesucht hat“.

OOIIO Architecture: Casa R+.

Die Metapher aus der Geologie taucht gleich bei den Fassaden zur Straße und zur Gartenseite auf: sie sind mit Travertin und Sandstein verkleidet. Beide Sorten stammen nicht aus der Gegend: der Travertin kommt aus dem Süden Spaniens und der Sandstein aus einem Abrissgebäude in Madrid.

OOIIO Architecture: Casa R+.

Ausgewählt wurden die beiden Sorten auch nach Kostengründen.

OOIIO Architecture: Casa R+.

Im Inneren taucht der Travertin dann als Belag für die zentrale Treppe wieder auf. Hier jedoch in einer farblich kräftigeren Variante als draußen.

OOIIO Architecture: Casa R+.OOIIO Architecture: Casa R+.

Damit nicht genug der Anklänge an die Geologie: die Räume im Haus haben eine „tektonische Anordnung“, wie die Architekten schreiben: man kann sich das vorstellen, als wären, ausgehend von den zentralen Atrium mit Esszimmer und Treppe, die Wohn- und Schlafräume nach außen geschoben und dort als rechteckige Blöcke angeordnet worden.

Diese Art der Anordnung erlaubt maximalen Einfall von natürlichem Licht bei größtmöglichem Schutz vor der Sonne.

„Ein Mineral“ nennen die Architekten im Untertitel das Gebäude.

OOIIO Architecture: Casa R+.OOIIO Architecture: Casa R+.

Der Bauherr hat jedoch nichts mit Geologie zu tun, anders als man vermuten könnte. Seine Vorgabe sei bloß „ein modernes Haus mit flachen Dächern“ gewesen, und daraus hätten die Architekten ihr Konzept entwickelt, wie uns Marta Ventura von OOIIO schreibt. „Wir entwickeln die Architektur aus unseren eigenen Besessenheiten oder denen der Kunden.“

Auf dieses Selbstverständnis deutet schon der ungewöhnliche Büroname hin: verwendet wird der binäre Code von Nullen und Einsen, der „die echte internationale Sprache des 21. Jahrhundert ist“, wie Marta Ventura erläutert.

Wobei der Code einfach nur als solcher dasteht. Eine verschlüsselte Aussage steckt nicht drin.

OOIIO Architecture: Casa R+.

Anders im Namen Casa R+ des Bauwerks: das „R“ ist der Anfangsbuchstabe des Namens des Bauherrn, und das „+“ steht für ein Kreuz – so heißt die Bauherrin.

OOIIO

Fotos: Eugenio H. Vegue y Francisco Sepúlveda

Renderings: Cosmos Servicios Inmobiliarios

(30.08.2016)