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3,2 Millionen Einzelteile geben die berühmte Seekarte des Piri Reis wieder

Die berühmte Seekarte des Piri Reis als Mosaik im Panora-Shopping Center, Ankara.

Seit 10 Jahren dekoriert ein prachtvolles Mosaik den Boden der Eingangshalle im Panora-Einkaufszentrum in Ankara

Mosaike zählen zu den ältesten künstlerischen Arbeiten mit Naturstein. Manche Exemplare aus der Antike haben 2 Jahrtausende überdauert. Das 10jährige Jubiläum feiert im kommenden Jahr die monumentale Landkarte des Piri Reis, die im noblen Panora-Einkaufszentrum in Ankara ausgelegt ist.

Sie dekoriert dort den Boden der Eingangshalle, wird täglich von tausenden Schuhen betreten und ist gelegentlich auch Standfläche etwa für die Präsentation von Automobilen oder Fitnessgeräten.

Die berühmte Seekarte des Piri Reis als Mosaik im Panora-Shopping Center, Ankara.

Dargestellt ist hauptsächlich der Südatlantik mit den Küsten von Südamerika und Afrika in beachtlicher Genauigkeit. Angefertigt worden war das Original im Jahr 1513 von dem berühmten türkischen Admiral Piri Reis, also rund 20 Jahre nachdem Amerika überhaupt erst entdeckt worden war. Dazu später mehr.

Den Entwurf für das Mosaik und die Ausführung hatte die türkische Firma Akdo übernommen, eine Tochtergesellschaft des großen Steinproduzenten Silkar. Ein Team um den Akdo-Kreativdirektor Metin Ünsal überarbeite während eines Monats die Originaldarstellung, vereinfachte sie und vergrößerte sie um das 240-Fache.

Die Originalvorlage ist nämlich nur eine Seite aus Kamelhaut etwa in Buchgröße, von der einzelne Teile extrem eng beschrieben sind.

Im 2. Schritt von 4 Monaten Dauer suchte ein Team von 25 Akdo-Spezialisten zunächst die 49 Natursteinsorten mit den geeigneten Farben heraus, fertigte die gut 3,2 Millionen Einzelteile von je 1×1 cm Größe und setzte sie schließlich in einer Halle in der Firma zusammen.

Die berühmte Seekarte des Piri Reis als Mosaik im Panora-Shopping Center, Ankara.

Zur Information: der Durchmesser des Mosaiks beträgt 20 m und die Gesamtfläche liegt bei 315 m².

Danach wurde das Gesamtbild zerteilt und schließlich auf dem Boden des Shopping Centers endgültig zusammengesetzt.

Schwatzen wir noch ein wenig über Piri Reis und seine Karte.

Sie war zweifellos als Anweisung für Seeleute gedacht und steckt im Original voll von Navigationshilfen.

Besonders bemerkenswert ist, wie treffgenau die Kontinentlinie der Antarktis gezeichnet ist – dabei war die Existenz dieses Südpol-Kontinents damals eigentlich noch gar nicht bekannt.

Historiker vermuten deshalb, dass Piri Reis nicht nur, wie er selber schrieb, auf Kartenmaterial aus der Zeit Alexanders des Großen und der Antike zurückgriff, sondern sich das neueste Wissen der Seefahrer besorgte.

Auf Columbus, der 1492 als erster Europäer seinen Fuß nach Mittelamerika gesetzt hatte, nahm er immerhin vage Bezug.

Die Karte des Piri Reis im Original (Ausschnitt). Quelle: Wikimedia Commons

Der Portugiese Pedro Álvares Cabral jedoch wird nicht erwähnt. Der hatte 1500 per Zufall die Küste des heutigen Brasiliens entdeckt: er war eigentlich nach Indien unterwegs und wollte den Umweg über das offene Meer nutzen, um leichter an das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas herumzukommen.

Dieser Umweg etablierte sich als die Route der Portugiesen nach Indien, und vielleicht dass sie auf diesem Weg während der nächsten 10 Jahre auch mal ins Eismeer geraten waren.

Piri Reis jedenfalls hatte gewissermaßen einschlägige Kontakte zu ihnen: Im Auftrag seines Sultans überfiel er häufig und erfolgreich portugiesische Bastionen nun schon im Indischen Ozean, die dort den Weg nach Indien und zu den Gewürzinseln sichern sollten.

Zuletzt aber spielten die Konkurrenten im eigenen Land ihm übel mit und verbreiteten böse Geschichten von Fällen, wo Piri Reis angeblich militärisch völlig versagt habe.

Sultan Suleiman soll wutentbrannt gewesen sein und seinen Admiral kurz entschlossen zum Tode verurteilt haben, heißt es bei Wikipedia. Im Alter von 84 Jahren wurde Piri Reis öffentlich enthauptet.

Seine berühmte Seekarte wurde erst 1929 und durch puren Zufall in der Bibliothek im Topkapi-Palasts in Istanbul wiederentdeckt.

Akdo

Fotos: Akdo

(23.09.2016)