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Zu Shakespeare’s 400. Todesstag: „Not marble, nor the gilded monuments“ (Nicht Marmor, und auch nicht teure Denkmäler)

Shakespeare, Leicester Square, London. Foto: Filip Maljković / Wikimedia Commons

In dem berühmten Sonett räsoniert der Dichter darüber, dass er mit seiner Kunst einer anderen Person Berühmtheit verschaffen kann

Als im letzten Jahr der 750. Geburtstag von Italiens Nationaldichter Dante Alighieri gefeiert wurde, hatten wir es leicht, in seinem Werk Bezüge oder Erwähnungen von Stein zu finden. Dieses Jahr begeht die Welt William Shakespeares 400. Todestag (1564-1616), und auch bei ihm kommt Stein häufig vor in Formulierungen, die zu geflügelten Worten geworden sind.

In Henry V zum Beispiel taucht „kalt wie Stein“ auf: „I put my hand into the bed and felt them, and they were as cold as any stone; then I felt to his knees, and they were as cold as any stone, and so upward and upward, and all was as cold as any stone”.

Oder recht gruselig in Macbeth, hier sehr frei übersetzt: „Wehe über denjenigen, der eine Stadt auf Blut gebaut hat, denn die Steine werden aus den Mauern heraus jammern und die Holzbalken werden Antwort geben“ („For the stone shall cry out of the wall and the beam out of the timber shall answe it, woe unto him that buildeth a town with blood“).

Auch in einem seiner Sonette steht stein an zentraler Stelle, nämlich in dem bekanntesten, jenem mit der Nummer 55. Es beginnt mit der berühmten Zeile „Not marble, nor the gilded monuments.“ Übersetzen kann man das frei mit: Nicht Marmor, und auch nicht teure Denkmäler.

Shakespeare, National Theater Bratislava, Slowakei. Foto: Peter Zelizňák / Wikimedia Commons

In dem Gedicht mit 14 Zeilen in der Sonette-Gliederung widmet sich Shakespeare der Macht, die ihm als Dichter gegeben ist. An ein imaginäres Gegenüber gerichtet, räsoniert er darüber, dass nicht teure und gewaltige Bauten garantieren können, dass sich die Menschen an eine Person erinnern werden. Denn der Lauf der Zeit kann alles zerstören.

Die Werke des Dichters hingegen, so Shakespeare, können die Unsterblichkeit erreichen, wenn sie so gut sind, dass sie von Generation zu Generation weitergegeben und niemals vergessen werden.

Diese Feststellung ist so neu nicht. Vielfach haben Dichter sich damit wichtig getan.

Neu bei Shakespeare aber ist, dass er sich Gedanken darüber macht, ob seine Dichtung dem Gegenüber in Sachen Berühmt-Werden dienlich sein kann, so eine Interpretation.

Die Website Shakespeare-Online (Link siehe unten) formuliert das anschaulich, und wir übersetzen sinngemäß:
* In der Antike sagte der Dichter: meine Dichtung wird MICH unsterblich machen.
* In Shakespeares Sonett heißt es: meine Dichtung kann DICH unsterblich machen.

Shakespeare, Weimar, Deutschland. Foto: Detunedweirdo / Wikimedia Commons

So weit, so schön. Das verleitet uns aber gleich, den Gedanken modern zu formulieren: war Shakespeare vielleicht der Vorreiter der modernen PR-Branche?

Festzuhalten ist jedenfalls, dass alle Figuren in seinen Theaterstücken, egal ob real oder erfunden, Berühmtheit und Ewigkeit erlangt haben. Wir nennen nur Heinrich VIII, den Kaufmann von Venedig und nicht zuletzt Romeo und Julia.

Das unglückliche Liebespaar bringt uns dann wieder zurück zu den Steinen. Denn die Geschichte der beiden spielt in Verona, wo auf den Straßen in der Altstadt der aus jahrhundertelanger Nutzung so herrlich ramponierte Marmor Rosso Verona liegt.

Als Bilder zu unseren Betrachtungen haben wir Shakespeare-Denkmale aus Stein herausgesucht.

Übrigens: China begeht in diesem Jahr den 400. Todestag des Dichters Tang Xianzu. In England gab es gemeinsame Veranstaltungen zu den beiden, wie der Telegraph berichtete.

Shakespeare online

Shakespeare 400

Rosso Verona: Romeo und Julia

Telegraph

See also:

 

 

 

 

(28.09.2016)