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Vietnam, eines der neuen Konsumenten- und Produzentenländer für Naturstein und -technologie in Fernost

Die Kalksteinfelsen in der Ha Long Bay. Foto: Emilio Labrador / Wikimedia Commons

Freihandelsabkommen mit der EU in Arbeit / Italiens Confindustria Marmomacchine bearbeitet das Land schon seit einer Weile

Verhandlungen über Freihandelsabkommen (Free Trade Agreements, FTA) führt die Europäische Union auch mit Staaten der ASEAN-Gemeinschaft. Mit Malaysia und Singapur sind die Verfahren abgeschlossen. Derzeit befindet sich das Abkommen mit Vietnam in den letzten Arbeitsphasen, so dass es Ende 2017 verkündet werden könnte.

Das Land mit einer Größe vergleichbar Deutschland und einer Bevölkerung von gut 90 Millionen war in den letzten Jahren schon auf Steinmessen zu finden. Es verfügt vor allem über weißen Marmor und Basalt.

Italiens Branchenverband Confindustria Marmomacchine ist dort seit einer Weile aktiv. Zuletzt trafen sich Verbandsvertreter mit Buol Vuong Anh, Wirtschaftsattaché bei der Botschaft Vietnams in Italien, um Möglichkeiten einer künftig stärkeren Zusammenarbeit auszuloten.

Treffen von Buol Vuong Anh, Wirtschaftsattaché bei der Botschaft Vietnams in Italien (Mitte), mit Raimondo Lovati, Generalsekretär der Confindustria Marmomacchine, (links) und Flavio Marabelli, Ehrenpräsident der Confindustria (rechts). Foto: Confindustria Marmomacchine

Aktuell liefert Italien Maschinen zur Steingewinnung und -bearbeitung nach Vietnam. Raimondo Lovati, Generalsekretär der Confindustria, nannte uns die Zahlen: „In den ersten 5 Monaten 2016 exportierten wir Technologie im Wert von 1.861.282 € nach dort.“ Damit lag das Land aktuell an 38. Stelle der Einkäufer solcher Waren in Italien.

Im gesamten Jahr 2015 war es mit 28,1 Millionen auf den 10. Platz gekommen, wie es auf der Website der Confindustria heißt.

Ausbildung und Technologietransfer sind dabei zwei wichtige Elemente der Kontaktpflege. Unterstützt vom italienischen Wirtschaftsministerium und von der Außenhandelsorganisation ICE veranstaltet die Confindustria Master-Kurse oder so genannte Quarry-Schools (Steinbruchschulen) beziehungsweise Processing Schools (Verarbeitungsschulen). Ähnliche Initiativen betreibt man auch in China, Chile, Argentinien und anderen Ländern.

Wir fragten Raimondo Lovati weiter, ob sich Vietnam angesichts der Einkäufe von Technologie zu einer Werkbank für die Welt entwickeln werde, wie es zuletzt China gewesen war.

Er ist skeptisch, ob das das Ziel der Wirtschaftspolitik dort ist: „Vietnam hat ein großes Potenzial in der Steinbranche, aber ich glaube eher nicht, dass es das chinesische Modell kopieren will. Eher könnte es bestrebt sein, eine Drehscheibe im ASEAN-Verbund zu werden.“

Was Vietnam als Zielland für den Export von hochwertigen Design-Produkten des Made in Italy angeht, dürfte bisher die Kaufkraft dort zu gering sein. Zwar hat sich das Bruttosozialprodukt Vietnams in den vergangenen 6 Jahren verdoppelt. Aber die Löhne „sind trotz zweistelliger Zuwächse deutlich geringer als in der Volksrepublik China oder den weiterentwickelten südostasiatischen Ländern“, heißt es in einer Analyse der deutschen Außenhandelsorganisation GTAI. Allerdings wird in der Studie auch gesagt, dass die Verbraucher „konsumhungrig und gegenüber modernen Trends aufgeschlossen“ sind.

Auch Raimondo Lovati denkt langfristig, was den Absatz hochwertiger Naturstein-Erzeugnisse angeht. „Es gibt immer einen Markt für unser Made in Italy“, sagt er und ist sich sicher, dass es mit dem Wirtschaftswachstum in Vietnam auch „eine Steigerung beim Anteil von Endprodukten aus Italien geben wird“.

Das aktuelle Wachstum von Vietnams Wirtschaft beziffern Experten auf jährlich zwischen 5,2% und 6,4%.

Quelle: „Global Economic Prospects. The Global Economy in Transition“, Weltbank, 2015.

Dabei hat die Sozialistische Republik Vietnam erst 1986 die zentrale Planwirtschaft aufgegeben und ein eigenes Wirtschaftsmodell entwickelt, die so genannte Marktwirtschaft mit sozialistischer Orientierung. Ähnlich wie in China greift der Staat in einige Bereich der Wirtschaft stark ein und bevorzugt staatseigene Unternehmen. Grund und Boden sind Volkseigentum.

Das ambitionierte Ziel lautet, dass das Land 2020 den Status eines Industrielandes erreicht hat. Aktuell importiert es in großem Stil vor allem Technologie und Hi-Tech-Produkte sowie pharmazeutische Güter. Exportiert werden umgekehrt vor allem billige Massengüter wie Textilien, Telefone oder Lebensmittel, um nur einige zu nennen.

Zu erwähnen in Sachen Naturstein sind die Kalksteininseln in der Bucht von Ha Long im Golf von Tonkin. Mit einer überbordenden Vegetation über geheimnisvollen Karsthöhlen ragen diese rund 1600 Inseln und Inselchen aus dem Meer. Sie haben viele Millionen Jahre der Erdgeschichte bewahrt. Die meisten sind unbewohnt und unberührt. Sie zählen zum Welterbe der Unesco.

Free Trade Agreement EU-Vietnam (1, 2)

Confindustria Marmomacchine

Ha Long Bay

Der Deutsche Naturwerkstein-Verband (DNV) veranstaltet vom 16.-26. November 2016 eine Mitgliederreise nach Vietnam und Kambodscha. Es sind noch Plätze frei.

(09.10.2016)