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Quasi schwebend – Canovas Tänzerinnen aus Marmor

Blick in die Ausstellung „Canova und der Tanz“. Foto: Staatliche Museen zu Berlin,Skulpturensammlung / David von Becker

Das Berliner Bode-Museum zeigt erstmals die 3 berühmten Bildhauerarbeiten des Meisters vereint

Eine Frage, die man im Zusammenhang mit dieser Ausstellung fragen kann, ist: Lässt sich ein Material, schwer wie Marmor, über die Gesetze der Schwerkraft hinwegheben und so leicht machen, dass es eine fliegende Bewegung zeigt?

Die Schau „Canova und der Tanz“ im Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel zeigt, dass und wie es geht.

Antonio Canova (1757–1822) gilt als bedeutendster Bildhauer des italienischen Neoklassizismus und hatte eine jahrzehntelange Passion für den Tanz.

Im Mittelpunkt der Schau stehen 3 Tänzerinnen: die im Auftrag von Joséphine de Beauharnais – der ersten Gattin Napoleons – entstandene Tänzerin mit den Händen in den Hüften, die 1815 in die Eremitage nach St. Petersburg gelangte; die Tänzerin mit dem Finger am Kinn, deren Modell im Museo Canova aufbewahrt wird; und die 1809-12 im Auftrag des Grafen Andreas K. Razumovsky, dem russischen Botschafter in Wien, entstandene Tänzerin mit Zimbeln, die sich im Bestand der Skulpturensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin befindet.

Erstmals sind die 3 Meisterwerke an einem Ort vereint zu sehen.

Antonio_Canova: Tänzerin mit Zimbeln. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung / Antje Voigt

Was Canova mit den Damen macht, ist, sie in den Hohenballenstand zu stellen, „das heißt, das gesamte Gewicht
des Körpers lastet auf den Fußballen, wodurch die Skulptur dem Boden entrückt und schwerelos erscheint“, wie es in einer Diplomarbeit heißt.

Zusätzlich spielt er mit verschiedenen Mitteln, um die Immaterialität zu verstärken: das Tuch, das die Damen am Leib tragen, ist luftig wirbelnd und quasi durchsichtig, eine der Tänzerinnen macht mit Zimbeln Musik, die man ahnt, ohne dass man sie hört, eine andere steht auf einem wolkenhaften Sockel.

Antonio_Canova: Tänzerin mit den Händen in den Hüften. Foto: The State Hermitage Museum / Alexander Lavrentyev

Dass eine der Figuren auf einem drehbaren Podest platziert ist, mit dem sie ins Licht oder in den Schatten gedreht werden kann, zeigt, dass auch die Auftraggeber das Spiel mit der Wirkung losgelöst von der Materie spielen wollten.

Allerdings stand der Bildhauer vor einem schweren statischen Problem. Denn die Füße allein können das Gewicht des Steins von mehreren 100 kg kaum tragen.

Faszinierend, wie unauffällig Canova den obligatorischen Baumstamm platziert, so dass, wenn überhaupt, man ihn nur als einen Schatten hinter der Figur wahrnimmt.

Die Ausstellung zeigt weitere Figuren und auch zahlreiche Zeichnungen, mit denen sich Canova ein breit gefächertes gestalterisches Fundament aneignete für die Arbeiten, die im letzten Jahrzehnt des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden.

„Canova und der Tanz“ bis 22. Januar 2017, Bode-Museum Berlin

Diplomarbeit „Die Skulpturengalerie der Joséphine de Beauharnais in Schloss Malmaison“

Scheinbar ohne Bodenhaftung sind Canovas Tänzerinnen aufgestellt. Foto: Peter BeckerScheinbar ohne Bodenhaftung sind Canovas Tänzerinnen aufgestellt. Foto: Peter Becker (pebe)

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(25.10.2016)