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Die Geschichte einer „Unvollendeten“ aus Sölker Marmor mit monumentalen Ausmaßen

Am Ende gab’s wenigstens ein Bad im Brunnen, nachdem der österreichische Steinmetzmeister Michael Egger zahlreiche Herausforderungen bewältigt hatte.

Am Ende gab’s wenigstens ein Bad im Brunnen, nachdem der österreichische Steinmetzmeister Michael Egger zahlreiche Herausforderungen bewältigt hatte

Richtig monumental waren die Dimensionen des Rohblocks für diesen Brunnen, den Steinmetzmeister Michael Egger aus Murau in der Steiermark gefertigt hat: 4 x 4 x 1,20 m, das heißt 50 t Gewicht.

Des Material ist Sölker Marmor, der aus einem Steinbruch in den österreichischen Alpen stammt.

Des Material ist Sölker Marmor, der aus einem Steinbruch in den österreichischen Alpen stammt.

Schon vor Ort wurde das monumentale Stück in eine transportable Rohform gebracht. Was weggeschnitten wurde, waren die Stellen mit Rissen oder ungewollten Verfärbungen.

Aber auch mit dem Rundling war der Transport so einfach nicht. Aber auch mit dem Rundling war der Transport so einfach nicht.

Aber auch mit dem Rundling war der Transport so einfach nicht.

Ausgangspunkt für die „Feinarbeiten“ war ein Rundling mit 3,50 m Durchmesser und 60 cm Höhe.

Ausgangspunkt für die „Feinarbeiten“ war ein Rundling mit 3,50 m Durchmesser und 60 cm Höhe.

Aus dem war nun das Becken herauszuarbeiten.

War es ein Glück, dass Egger just zu diesem Zeitpunkt eine fünfachsige Säge mit CNC-Steuerung bestellt hatte, die er gleich unter schwierigen Bedingungen testen konnte? Oder bestand das größere Glück darin, dass der Auftraggeber für die Fertigstellung des Brunnens keine Zeitvorgaben gemacht hatte?

Jedenfalls lobt Egger ausdrücklich die Firma Gemba (Thibaut), die das Sägezentrum lieferte. „Wir bekamen weit mehr Unterstützung, als beim Kauf vereinbart worden war. So konnten wir uns schrittweise an das Projekt herantasten.“

Mit 490 Bohrungen wurde der Trog ausgehöhlt.

Mit 490 Bohrungen wurde der Trog ausgehöhlt.

Zu dieser Art der Bearbeitung hatte man sich aufgrund eines speziellen Wunschs des Auftraggebers entschieden: der wollte später aus den 490 Bohrkernen Werbegeschenke für seine Kunden machen.

So weit so gut. Nun also sind die Bohrungen ausgeführt und hat der Rohling eine Art von perforierter Oberfläche, vergleichbar etwa mit Bienenwaben. Nun geht es im nächsten Schritt darum, das stehen gebliebene Material zu entfernen.

Das aber stellte sich als unerwartet kräftezehrend heraus. Denn die Waben wollen sich partout nicht vom Beckenboden lösen.

Als aber auch das – mit Hammer und Meißel und purer Gewalt – geschafft war, kam wieder die Maschine zum Einsatz. Sie gab dem Beckenboden das notwendige Gefälle von 3 cm hin zu einem Ablauf, der separat gebohrt worden war.

Markantes Element in dem Trog ist eine Säule, die stehenblieb und über die der Wasserzulauf erfolgen würde. Auf dieser Säule sollte später eine Sonnenuhr aus Edelstahl thronen.

Markantes Element in dem Trog ist eine Säule, die stehenblieb und über die der Wasserzulauf erfolgen würde. Auf dieser Säule sollte später eine Sonnenuhr aus Edelstahl thronen.

In diesem Bericht gibt es auffallend viel „wollte“, „hätte“, „würde“ usw. Um das zu erklären, müssen wir das Geheimnis um den Auftraggeber lüften: es war eine Solarfirma, die den Brunnen vor dem Eingang zu ihrer Zentrale aufstellen wollte.

Aber inzwischen hatte die Story eine unerwartete Wendung genommen: denn auf dem zuvor boomenden Markt für Solarzellen waren die Konkurrenten aus China aufgetaucht, und der Auftraggeber legte die Vollendung des Brunnens schlagartig auf Eis.

Steinmetz Michael Egger nahm’s mit der ihm eigenen Gelassenheit. Nun ja, er hatte sich auch vertraglich abgesichert.

Zuletzt nutzte er „Die Unvollendete“ wenigstens mit seinen Mitarbeitern für ein Bad und ein Foto.

Und er schwärmt vom Sölker Marmor: „Die Strukturen im Stein gaukeln ein Wellenspiel vor, das es so im Wasser gar nicht gibt.“ Und er ist glücklich, dass schließlich aus dem etliche Millionen Jahre alten Material doch etwas einfach Schönes geworden ist.

Die restliche Ausstattung wird vielleicht irgendwann noch kommen, wie die Zeit vergeht…

Steinmetzmeister Michael Egger

Fotos: Michael Egger

(27.12.2016)