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Kirche St. Johann Baptist in Neu-Ulm: Jurakalkstein in den Außenmauern und ein mystisch anmutender Innenraum

Kirche St. Johann Baptist in Neu-Ulm. Foto: Roland Rossner / Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Das zu den bedeutendsten deutschen Kirchenbauten des 20. Jahrhunderts zählende Gotteshaus im Stil des Expressionismus wird restauriert

Jurakalkstein ist das augenfällige Material an der Front der Kirche St. Johann Baptist in Neu-Ulm. Verwendet wurden für die Außenmauern und Türme des expressionistischen dreischiffigen Bauwerks auch Ziegel und Biberschwanzreste, das ist Material aus abgebrochenen Befestigungsanlagen. Mit der mit Neueindeckung der Dächer über Chor und Sakristeien beginnt nun die Restaurierung dieses bedeutenden deutschen Gotteshauses des 20. Jahrhunderts.

Dafür stellt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) dank der Lotterie GlücksSpirale 50.000 Euro zur Verfügung.

Die trutzigen Außenmauern kontrastieren stark mit dem weißen, mystisch anmutenden Innenraum, den der Architekt – wie bei den beiden Seitenkapellen – mit effektvollem Lichteinsatz gestaltete.

Innenraum von St. Johann Baptist in Neu-Ulm. Foto: Roland Rossner/Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Die wirkungsvolle Raumschöpfung im Inneren erreichte Dominikus Böhm, der Reformer des katholischen Kirchenbaus, nicht zuletzt durch die eigenwilligen Gewölbe. Es handelt sich um eine Rabitzkonstruktion, eine schalungslos erstellte Eisenbetonkonstruktionen aus weitmaschigem Eisengeflecht und Ziegelgewebe als Putzträger. Böhm konnte bei dieser Kirche seine Ideen zur Dynamisierung des Raums und zur Lichtführung überzeugend vorführen.

Die dem Täufer Johannes geweihte Kirche am bayerischen Donauufer war 1857 zunächst als einschiffiger neuromanischer Bau entstanden und wurde als katholische Garnisons- und Pfarrkirche genutzt. Böhm erweiterte sie von 1922 bis 1927 als expressionistisches, dreischiffiges Bauwerk.

Beim Wiederaufbau nach dem Krieg nutzte Böhm die Möglichkeit, Details zu revidieren und etwa eine von der Gemeinde gewünschte direkte Belichtung des Innenraums zu schaffen. „Neu-Ulm hat mich berühmt“ gemacht, sagte er später über St. Johann Baptist. Die Stadt hatte ihre Absicht umgesetzt, ein modernes Pendant zum Ulmer Münster zu besitzen.

Die aktuellen Maßnahmen sind der Auftakt der Gesamtinstandsetzung der Kirche durch die Gemeinde. Die Julius-Rohm-Stiftung des ehemaligen ehrenamtlichen Bürgermeisters von Neu-Ulm stellt für die Restaurierung in den kommenden Jahren insgesamt 400.000 Euro zur Verfügung. (evma)

Quelle: DSD

(06.01.2017)