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Intermac forscht über Datenbrillen für die Steinbearbeitung

Levantina’s Datenbrille auf der Cersaie 2014.

Augmented Reality kann Kostensenkung beim Maschineneinsatz bringen / Steinprodukt 4.0: ein Bündel geschnürt aus Material, Bearbeitung und Kommunikation

Unauffällig hat Augmented Reality (Erweiterte Realität) Einzug auch in die Natursteinbranche gefunden: auf der Messe Cersaie 2014 hatte die spanische Firma Levantina die Datenbrille von Google (Google Glass) vorgeführt (Foto oben), und auf der Marmomacc 2016 kam Intermac mit einem Forschungsprojekt in Kooperation mit der Università Polytecnica delle Marche in Ancona heraus.

Um was es geht ist leicht zu verstehen: man setzt sich eine dieser neuartigen Brille auf, und eine Mini-Kamera im Bügel projiziert von der Seite ein Bild oder gar einen Film auf das Innere eines der Gläser. So sieht man einerseits die Realität und andererseits die Projektion – erweiterte Realität, also.

Der Fachbegriff für solche Datenbrillen ist Head Mounted Display, HMD (Bildschirm am Kopf). Es gibt sie in vielfältigen Spielarten.

Ein ähnlicher Effekt gelingt mit dem Smartphone: dessen Kamera richtet man auf einen QR-Code, und via Datenübertragung zeigt der Bildschirm des Telefons die zusätzliche Information.

Demgegenüber hat Augmented Reality mit der Datenbrille aber einen entscheidenden Vorteil: man behält die Hände frei!

Google Glass. Foto: Loïc Le Meur / Wikimedia Commons

Das nun bietet dem Maschinenhersteller Intermac vielfältige Möglichkeiten. Zum Beispiel: wenn an einer Maschine ein Steinmetz das Werkzeug zu wechseln hat, kann man ihm per Brille die Schritte dafür einspielen. Er kann sie beidhändig gleich ausführen, und muss – vor allem – nicht in einem Handbuch suchen.

Mehr noch: gibt es zum Beispiel eine Störung, kann der Steinmetz sich per Datenfernverbindung Hilfe beim Wartungszentrum des Herstellers holen.

Man stelle sich vor, eine Firma aus, sagen wir, Stratford, Neuseeland würde sich per Internet mit Intermac in Pesaru, Italien zusammenschalten und dann ein Problem lösen.

Das könnte verkürzte Stillstandzeiten und verringerte Reparaturkosten bringen. Für die Mitarbeiter an der Maschine würde es helfen, Stress zu vermeiden. Im Wartungszentrum gäbe es Dienstzeiten rund um die Uhr.

Google Glass. Foto: Tedeytan / Wikimedia Commons

Allerdings, und da zeigt sich ein weiterer Aspekt der neuen Technologie: um wirklich das volle Potenzial der Augmented Reality auszuschöpfen, wird eine neue Art von Kommunikation zwischen Maschinenhersteller und Steinmetz gebraucht.

Störungen lassen sich nämlich am besten dadurch beheben, dass sie gar nicht auftreten. Wenn also ein Hersteller von vielen Betrieben wirklich profunde Rückmeldungen bekäme, würde er der Ursache des Problems wohl schnell auf die Spur kommen.

Service wird damit zu einem gegenseitigen Geschäft, und Steinmetz und Hersteller würden näher zusammenrücken.

Ein Bündel aus Material, Bearbeitung und Kommunikation

Auch im Umgang mit den Architekten wird die Zukunft von den Steinmetzen mehr Kommunikation fordern. Denn neben den herkömmlichen Standardprodukten, etwa den Platten für eine Fassade, gibt es zunehmend Cut-to-Size-Projekte, wo Einzelstücke verlangt werden. Unten ist ein solches Projekt verlinkt, über das wir berichtet hatten.

Naturstein ist genau das richtige Material für solche Vorhaben, weil mit den modernen CNC-Maschinen Einzelstücke kostengünstig hergestellt werden können. Mit Beton zum Beispiel geht das nicht, weil Einzel-Schalungen zu teuer wären.

Allerdings bringt eine große Zahl von Einzelstücken auch eine große Zahl an Gesprächen mit dem Architekten und dem Bauleiter mit sich.

Auch das ist gewissermaßen Augmented Reality: die Steinfirma verkauft nicht mehr nur das bloße Material, sondern liefert es angereichert um ein Bündel aus Bearbeitung und Kommunikation.

Intermac

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(22.01.2017)