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Marmormosaik 2.0

Emedya Design, Akdo, AKT II: „Hyperarchaic tectonics”.Emedya Design, Akdo, AKT II: „Hyperarchaic tectonics”.

Für „Hyperarchaic tectonics” bringen das Designstudio Emedya Design und die Natursteinfirma Akdo, beide aus der Türkei, sowie das Londoner Ingenieurbüro AKT II islamische Kunst mit moderner Technologie zusammen

Ein ganz besonderes Beispiel für Design mit Naturstein ist „Hyperarchaic tectonics” des Istanbuler Designstudios Emedya Design unter der Leitung von Gökhan Karakuş. Es greift auf die uralte Tradition der Mosaike zurück, nimmt die islamische Kunst der Geometrie hinzu und fertigt mit Hilfe von CNC-gesteuertem Wasserstrahl Dinge, die man noch nie gesehen hat und die man dennoch irgendwie kennt.

Dass man die Objekte zu kennen glaubt, hängt damit zusammen, dass hinter ihnen eine mathematische Formel steckt. Die gibt den Mustern eine Rote Linie, quasi einen Gedankengang. Die Plausibilität der Mathematik kann man sehen.

An der Entwicklung beteiligt war auch Daniel Bosia von Londoner Ingenieurbüro Adams Kara Taylor II (AKT II). In Marmor und Kalkstein ausgeführt wurden die Objekte von der Firma Akdo in deren Werkstätten in Bilecik in der Türkei.

„Hyperarchaic tectonics”: „Pentagon I“.

„Pentagon I“ nennt sich eines der Objekte: wie ein klassisches Mosaik umschließt es eine begrenzte Fläche. Deren Inneres ist aus kleinen Steinchen, so genannten Tesserae komponiert. Diese spielen schon ein wenig mit der Geometrie, indem sie Drei- und Fünfecke sind und eine Vielfalt von Linien durch die Fläche laufen lassen.

Wirkungsvoll durchkreuzen aber die natürlichen Strukturen im Stein die Strenge der Mathematik.

„Hyperarchaic tectonics”: „Pentagon II“.

„Pentagon II“ geht einen ersten Schritt weiter: die zuvor eng umgrenzte Fläche des Fünfecks vervielfacht sich und wächst so über sich hinaus, wobei – frei der Genetik entlehnt – Modifikation ihres „Erbguts“ entstehen und eingefügt werden.

„Hyperarchaic tectonics”: „Void Pattern I“.

Bei „Void Pattern I“ haben sich die Tesserae quasi ganz befreit, sind aus dem Zusammenhang ausgeschert und ihre eigenen Wege gegangen. Entstanden ist dabei nur noch eine schmale Linie statt der großen Fläche. Allerdings hat die Linie wieder an ihren Anfang zurückgefunden: entstanden ist nun im Inneren ein Leerfeld (Void).

Das erinnert an Domino.

„Hyperarchaic tectonics”: „Void Pattern II“.„Hyperarchaic tectonics”: „Void Pattern II“.

Bei „Void Pattern II“ ist der Leerraum mit Tesserae gefüllt. Diese bilden nun wieder neue geometrische Untereinheiten. Was danach noch an Leerraum bleibt, ist wieder der strengen Geometrie unterworfen.

„Hyperarchaic tectonics”: „Iteration II“.„Hyperarchaic tectonics”: „Iteration III“.

Klar, dass man spätestens an diesem Punkt nicht überrascht wäre, wenn die Objekte sich auch in die 3. Dimension erheben würden. Das geschieht bei den verschiedenen Varianten von „Iteration“.

„Hyperarchaic tectonics”: „Iteration I“.

Hier ist die mathematische Regelmäßigkeit so stark, dass sie selbst über die Fuge an der Spitze des Objekts hinweg verläuft und beide Schrägen zusammenhält.

Als „experimentelles Design für Marmorfliesen“ bezeichnet Gökhan Karakuş die Arbeiten: „Am Beispiel von Mosaiken wollten wir Fliesen mit Mathematik und Naturstein zusammenbringen.“

Er erinnert an die uralte Tradition islamischer Kunst, die, so schreibt er, über 500 Jahre seit der Ottomanischen Epoche im Schlaf lag. „Mein Ziel bei dieser Recherche war, die islamische Architektur in modernem Design wiederzuerwecken.“

Die Arbeiten werden über das dänische Portal Adorno vertrieben.

Emedya Design

Akdo

Adams Kara Taylor II

Adorno

Fotos: Emedya Design / Akdo

„Hyperarchaic tectonics”: „Iteration I“.Emedya Design, Akdo, AKT II: „Hyperarchaic tectonics”

(25.01.2017)