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Österreich plant die Lehre als Steinmetztechniker mit 4 Jahren Ausbildungszeit

Blick vom Tagungshotel auf den zugefrorenen Grundlsee im Ausseerland.

Auf der Bildungswoche am Grundlsee ging es auch darum, wie die Branche sowohl für den Nachwuchs als auch mit ihren Produkten für Kunden attraktiver werden kann

Auch in Österreich haben die Steinmetze Nachwuchssorgen. Aktuell gibt es nur noch 95 Lehrlinge in allen Ausbildungsjahrgängen, im Vergleich zu rund 150 vor 10 Jahren. In Planung ist deshalb der neue Ausbildungsgang zum Steinmetztechniker. Mit ihm wollen die Handwerker „ihren Beruf an das anpassen, was auf sie zukommt“, so Bundesinnungsmeister Wolfgang Ecker auf der Bildungswoche der Steinmetzmeister vom 25.-27. Januar 2017.

Organisiert wurde die jährliche Veranstaltung vom Steinzentrum Hallein. Sie fand zum 32. Mal statt. Tagungsort war das Seeblickhotel am Grundlsee im Ausseerland in der malerischen Kulisse des Winters in den Alpen.

Mit dem Steinmetztechniker ist eine Art Steinmetz plus geplant: in den Lehrplan werden neu beziehungsweise stärker aufgenommen Themen wie CNC-Bearbeitung oder auch Kundenbetreuung. Die Ausbildungsdauer beträgt 4 Jahre statt 3 Jahre wie beim Steinmetz.

Blick in den Vortragssaal.

Diskutiert wurden auf der Bildungswoche auch Anstrengungen, damit mehr Betriebe Lehrstellen anbieten. Im Gespräch ist hier eine Abgabe, mit der eine überbetriebliche Ausbildung im Winter finanziert würde. Im Beruf der Baumeister gibt es ein solches Modell.

Bewährt in Sachen Öffentlichkeitsarbeit hat sich die Teilnahme Österreichs an den Weltmeisterschaften der Berufe, WorldSkills und EuroSkills. Hier räumen die Steinmetze aus dem Alpenland seit einigen Jahren mit schöner Regelmäßigkeit den ersten oder zweiten Platz ab. In diesem Jahr gewann Thomas Rudlstorfer von Strasser Steine GmbH in St. Martin/Mühlkreis wieder mal die Goldmedaille.

Ein anderes Projekt in Sachen Öffentlichkeitsarbeit findet in diesem Jahr auf der Landesgartenschau in Kremsmünster statt. Dort präsentieren 13 Steinmetzbetriebe künstlerische Arbeiten, bei denen sie das Grabmal und seine Geschichte gegen den Strich bürsten: Einer beschäftigt sich mit dem Stein, der vor das Grab Jesu hin und zur Auferstehung weggerollt wurde; ein anderer kreiert einen marmornen Schnee-Engel (das sind die Flügelbilder, die man im Schnee liegend mit den Armen wischen kann); wieder ein anderer greift den biblischen Tanz ums Goldene Kalb auf und stellt einen Schoßhund auf einen Sockel; weitere Themen sind Schriftgestaltung oder Grabsymbole wie der Totenkopf als Zeichen der Vergänglichkeit (Vanitas).

Organisiert und finanziert wird die Aktion von der Landesinnung Oberösterreich. Projektleiter ist Dr. Arnold Reinthaler, Steinmetz und Künstler. Ziel der Aktion ist auch, die Kompetenz der Steinmetze als Gestalter medienwirksam unter Beweis zu stellen.

Eine weitere Aktion in dieser Hinsicht ist der Designpreis, der wie üblich auf der Bildungswoche vergeben wurde. Wir stellen die Arbeiten in Kürze vor.

Aktuell stehen in Österreich die Verhandlungen um einen neuen Rahmenkollektivvertrag (Tarifvertrag) an. Ziel ist unter anderem, die Lohnregelungen, die bisher nur pro Bundesland gelten, für ganz Österreich einheitlich zu gestalten.

Ein weiteres Thema der Bildungswoche waren die neuen Richtlinien für Trittsicherheit. Grundregel ist: die R-Klassen gelten nur für eine Ausschreibung; gibt es hinterher einen Streitfall, muss vor Ort ein Test nach der ÖNORM gemacht werden. Zu empfehlen ist auf jeden Fall, dass der Steinmetz eine schriftliche Pflegeanleitung bereitstellt (wie sie in Deutschland vorgeschrieben ist). Auch eine Gleitwertmessung vor der Übergabe gibt dem Handwerker Sicherheit.

Auch die neue Norm für Estriche wurde auf der Bildungswoche behandelt. Neu ist hier, dass der Auftraggeber bestimmte Vorarbeiten zu erfüllen und nachzuweisen hat, zum Beispiel dass ein Estrich vor Übergabe ausgeheizt sein muss und dass es darüber ein Protokoll geben muss. Auch die neue Norm für die Standsicherheit von Grabmalen stellte Ausschussvorsitzender Roman Toth vor. Die Neuerungen werden vermutlich in einem halben Jahr in Kraft treten.

Letzte Vortragende vor rund 125 Teilnehmern war die Trainerin Andrea Latritsch-Karlbauer. Sie führte vor, wie man mit Körperhaltung und der eigenen Gangart Botschaften aussendet, und wie man sich umgekehrt mittels Körperhaltung in eine positive Grundstimmung versetzen kann.

Komplettes Programm der Bildungswoche

Steinzentrum Hallein

Andrea Latritsch-Karlbauer

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(29.01.2017)