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„Macht und Pracht“ ist das Motto des Tag des offenen Denkmals am zweiten Sonntag im September

Logo des Tags des offenen Denkmals 2017.

Bis zum 31. Mai können Eigentümer und Veranstalter ihre historischen Bauten und Stätten anmelden

In diesem Jahr steht der Tag des offenen Denkmals am zweiten Sonntag im September (10.09.2017) unter dem Motto „Macht und Pracht“. Bis zum 31. Mai können Eigentümer und andere Veranstalter ihre historischen Bauten und Stätten anmelden. Das teilt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz als bundesweite Koordinatorin des Tags des offenen Denkmals mit.

Der diesjährige Leitgedanke lädt zum einen zur Präsentation von prachtvollen Bauwerken ein, die der Macht in ihrer Zeit Ausdruck verliehen. Zum anderen sollen die Veranstalter historische Gebäude und Stätten zeigen, die die anderen Facetten und gar Gegensätze von Macht und Pracht widerspiegeln: bewusst nüchtern oder schlicht gehaltene Architekturobjekte sowie Orte, die Machtmissbrauch anmahnen, oder Bauten, die an die Armut und Ohnmacht ihrer Zeit und Bewohner erinnern.

Die Anmeldung erfolgt unter http://www.tag-des-offenen-denkmals.de oder schriftlich bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Die Stiftung stellt für die Werbung vor Ort kostenfrei Plakate und weitere Materialien zur Verfügung.

Konkrete Fragstellungen, mit denen sich Interessierte am Denkmaltag befassen können, könnten sein:
* Welche Botschaften von jeweils herrschenden Machtverhältnissen verbergen sich hinter bestimmten Architekturformen? Welche davon finde ich an meinem Denkmal? Warum?
* In dem Zusammenhang drängt sich die spannende Frage auf, ob unser heutiger allgemeiner Bildungskanon und unsere unterschiedlichen kulturellen und sozialen Hintergründe es uns ermöglichen, diese Botschaften überhaupt zu verstehen und uns darüber auszutauschen? Die bestimmt sehr unterschiedlich ausfallenden Antworten berühren zentral sämtliche Bereiche unserer Gesellschaft wie Bildung, kultureller Austausch und gegenseitige Beeinflussung, Wohlstand, gesellschaftliche Strukturveränderungen, Identität, und, und, und.
* Was sagt uns der religiöse Bild- und Symbolkanon der künstlerischen Ausgestaltung etwa von Kirchen zum Thema? Welche Formen von Gotteslob und Gottesfurcht lassen sich an Ihrem Denkmal zeigen und warum? Wie ist der Bezug zum Jahresmotto? Welche Bilder und Zeichen verstehen wir noch selbstverständlich, wie viel zusätzliche Erklärung ist nötig?
* Wie und warum wurden bestimmte Sichtachsen nicht nur für monumentale Gebäude, sondern auch für die Stadtplanung und die Anlage von Schlossparks oder öffentlichen Gärten gewählt? Welche Macht haben Räume, welchen Raum gibt Architektur der Macht?
* Wie gehen wir mit Architektur aus vergangenen „Machtverhältnissen“ heute um? Lässt sie sich uminterpretieren? Wie deutlich muss die Entstehungsgeschichte erhalten bleiben, aber auch erklärt werden? Wie deutlich müssen wir Veränderungen aufzeigen?
* Was können die Archäologen aus der Interpretation ihrer Funde und Befunde zum Thema beisteuern? Wie lassen sich gesellschaftliche Unterschiede etwa anhand von unterschiedlichen Bestattungsformen, -orten und Beigaben nachvollziehen?
* Was bedeuten Armut und Not für den Denkmalbestand bestimmter Zeiten und Regionen? Wie drückt sich der Mangel in Architektur und Kunst des Alltags aus? Was waren die Ausnahmen?
* Was wollen Architektur und Kunst aussagen, die sich zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Regionen durch bewusste Schlichtheit und Reduktion von Vorherigem und Benachbartem absetzen möchten? Können Architektur und Kunst überhaupt wertneutral sein? Wird Architektur durch den scheinbaren Verzicht auf Pracht weniger mächtig und wirkungsvoll?

In diese Fragestellungen lässt sich auch das Reformationsjahr gut einbinden.

Der Tag des offenen Denkmals ist der deutsche Beitrag zu den European Heritage Days unter der Schirmherrschaft des Europarats. Seit 1993 öffnen am Denkmaltag am zweiten Sonntag im September selten oder nie zugängliche Kulturdenkmale ihre Türen für ein breites Publikum.

Allein 2016 besuchten rund 4 Millionen Kulturbegeisterte weit über 8000 Denkmale.

Tag des offenen Denkmals

Quelle: Deutsche Stiftung Denkmalschutz

(08,02.2017)