www.stone-ideas.com

Die emotionale Seite des Marmors im Bruch und in der Fabrik zeigen

Banu Bekişoğlu.

Banu Bekişoğlu leitet die türkische Firma Su Marble und wurde in das Direktorium des regionalen Natursteinverbands EIB gewählt

„Sanft, verantwortungsbewusst, sensibel“ gehe die Firma ihren Aufgaben nach, heißt es auf der Webpage von Su Marble aus der Türkei. Die Worte umreißen die Weltsicht von Chefin Banu Bekişoğlu, die 2016 als erste Frau in das Direktorium des türkischen Verbands EIB (auch: EMIB) gewählt wurde. Der Verband mit dem englischen Namen Aegean Minerals & Natural Stones Exporters Association vertritt die Firmen aus der Ägäis, also der westlichen Türkei am Rand des Mittelmeers.

Die Zeitschrift „Marble Trend” hatte das Wahlergebnis als eine „Revolution” in der heimischen Branche dargestellt und vermeldet, Banu Bekişoğlu habe „Geschichte geschrieben”.

Wie sich in unserer E-Mail-Korrespondenz herausstellt, hat sie selber mit großen Worten nichts am Hut, erklärt aber gern, was mit „Sanft, verantwortungsbewusst, sensibel“ auf ihrer Webpage gemeint ist: „Die Natur ist der faszinierendste Teil unseres Lebens, und sie geht so gut mit uns um – wir danken ihr das aber nicht.“

Deshalb gäbe es in ihrem Unternehmen mit Sitz in Afyhonkarahisar auf halbem Weg zwischen Ankara und Izmir mit derzeit fast 100 Mitarbeitern eine Kultur des Respekts: Respekt gegenüber der Umwelt und gegenüber der Außenwelt, aber auch der Mitarbeiter untereinander. „Es geht bei uns auch darum, dass die Leute glücklich sind“, umreißt sie eines der Ziele ihres unternehmerischen Handelns.

Deniz.

Da spricht die Mutter der kleinen Tochter Deniz. Da kommt aber auch eine Person hervor, für die der Marmor etwas Besonderes ist: „Das Material fasziniert mich und meine Leute, und wir wollen diese Begeisterung unseren Produkten mitgeben und anderen Leuten mitteilen.“

An dieser Stelle könnte man vermuten, dass auf der Webpage vor allem gezeigt wird, welche Kraft von bulligen Motoren es braucht, um den Stein aus dem Fels zu brechen.

Bei Su Marble hingegen beginnt den Webauftritt mit Beispielen für die Verwendung von Stein in Privathäusern. Auch das ist ein Aspekt der Wertschätzung für das Material.

Banu Bekişoğlu stammt aus einer Natursteinfamilie. Die schickte die Tochter zum Studieren, und das tat diese dann wohl sehr intensiv: sie legte einen Abschluss in Politische Wissenschaften und Öffentlicher Verwaltung hin, sattelte einen MBA drauf und braucht derzeit noch einen Kursus, um auch den Studiengang Tourismusmanagement abzuschließen.

Während des Studiums arbeitete sie etwa in der Bibliothek oder im Studentenwohnheim. Nach dem 1. Abschluss war sie in einem Forschungszentrum für Politik des Mittleren Ostens tätig.

Dann verschrieb sie sich aber doch der Steinbranche. Ihre spezielle Aufgabe war damals, zum Steinbruch eine Verarbeitung aufzubauen und entsprechende Produkte zu entwickeln.

Als Frau sei das nicht unbedingt ein leichter Weg gewesen, gibt sie auf Nachfrage zu. „Anfangs fühlte ich mich wie allein in einem Raum, bei dem die Mauern alles Männer waren: die einen rieten mir, ich sollte doch lieber auf Weltreise gehen und das Geld meines Vaters verjubeln, andere wollten nicht über Firmendinge mit mir reden oder ignorierten mich komplett.“

Also blieb sie nach Feierabend im Betrieb und lernte, mit den Maschinen und der Produktion umzugehen. „Schließlich fingen die Männer an, mich wahrzunehmen.“

„Ich kenne heute den Betrieb vom Steinbruch bis zur Fabrikation ganz genau“, antwortet sie selbstbewusst und fügt hinzu: „Aber ich werde wohl nie ein Manager im klassischen Sinne werden.“ (pebe)

Für viele Manager ist ja auch das Geld die einzige Emotion, die sie kennen.

Su Marble

In der Fabrik von Su Marble. Banu Bekişoğlu in der 2. Reihe mit dem weißen Schal.

(17.02.2017)