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Geoglyphen im tropischen Regenwald in Brasiliens Bundesstaat Acre

Geoglyphen im Amazonas-Regenwald, die durch Abholzung sichtbar geworden sind. Foto: Jennifer Watling

Mehr als 2000 Jahre alte Erdgräben kommen infolge von Abholzung wieder zum Vorschein

Der Amazonas-Regenwald ist keineswegs die vom Menschen unberührte Natur. Dies gilt zumindest für bestimmte Bereiche im brasilianischen Bundesstaat Acre, wo brasilianische und britische Forscher Erdanlagen von vor 2000 Jahren entdeckt haben. Es handelt sich um rund 450 so genannte Geoglyphen: es sind in diesem Fall Gräben um runde oder eckige Flächen. Sie waren bisher unter dem Baumbewuchs verborgen und wurden nun aufgrund der Entwaldung sichtbar.

Was deren Bedeutung ehemals war, ist noch unklar. Um Dörfer handelte es sich wahrscheinlich nicht, weil die Forscher kaum Relikte vergangener Zivilisationen gefunden haben. Zur Verteidigung oder als Fluchtstätten dürften die Anlagen auch nicht gedient haben. Dagegen spricht ihr Layout. Vielleicht, so die Forscher, waren es Orte für gelegentliche Zusammenkünfte zu rituellen Zwecken.

Geoglyphen im Amazonas-Regenwald, die durch Abholzung sichtbar geworden sind. Foto: Jennifer Watling

Die Untersuchungen hat ein Team um Dr. Jennifer Watling im Rahmen von deren PhD-Arbeiten an der Universität von Exeter ausgeführt. Sie ist zurzeit am Museum für Archäologie und Etnographie der Universität São Paulo beschäftigt.

Bemerkenswert an den Entdeckungen ist auch, dass die Vorstellung vom Amazonas-Regenwald als einer vom Menschen unberührte Natur nicht richtig ist.

Die Forscher untersuchten die Geschichte der Vegetation und des Einsatzes von Feuer rund um die Anlagen und fanden heraus, dass die vormaligen Nutzer keineswegs große Bereiche der Wälder abholzten, sondern sich vielmehr auf bestimmte nutzbare Baumarten konzentrierten. Diese förderten sie gezielt.

Dr. Watling plädiert dafür, von den Alten zu lernen: „Die Tatsache, dass der Regenwald schon früher genutzt wurde, sollte uns Wege zeigen, wie man heute ihn nachhaltig bearbeiten kann.“ (MdOS)

(07.03.2017)