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Der alte Sandstein an der Dresdener Frauenkirche braucht eine Entsalzung

Am Choranbau (rechts) findet die Steinsanierung statt.

Am Gesims am Chor wird eine Kompresse auf den vor 290 Jahren gebrochenen Stein aufgebracht / Versalzung ist Folge der Jahrzehnte auf dem Trümmerberg

Ein Teil der Ruinensteine, die beim Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden in den Neubau integriert worden waren, braucht eine Entsalzung. Deshalb ist der Chor der Kirche 12 Jahre nach Fertigstellung wieder eingerüstet. Dahinter wird in einem mehrstufigen Verfahren das Salz aus den teilweise vor 290 Jahren gebrochenen Sandsteinen herausgezogen.

Die Sanierung ist keine Folge von Mängeln in der Bauausführung, sondern eine Konsequenz aus der Nachkriegsgeschichte. Nachdem die Kirche nämlich in der Bombennacht von 13. Februar 1945 ausgebrannt und zwei Tage später zusammengestürzt war, hatte jahrzehntelang ein Trümmerberg von 22.000 m³ mit dem Rest des Choranbaus im Zentrum Dresdens gelegen. Durch Wind und Wetter hatten die Natursteine Salze aufgenommen.

Beim Wiederaufbau kamen sie an der ursprünglichen Stelle wieder zur Verwendung, hier an der Außenwand des Chores zwischen den Eingängen A und G.

Saniert werden nur 3 x 25 m der gesamten Gesimsfläche.

In einem 1. Schritt sind die kritischen Stellen schon gereinigt worden. Danach wird eine spezielle Kompresse aufgelegt, die durch natürliche Diffusion die Salze aus dem Stein zieht.

Die Kompresse besteht aus Zellstoff und Tonmineralien, die, mit destilliertem Wasser zu einer Paste gemischt, auf den Stein aufgetragen wird. Dort bleibt sie für 2 bis 3 Wochen. „Mit Holzspateln und Bürsten wird sie dann wieder abgenommen“, erläutert Dana Krause von der beauftragten Christoph Hein Restauratorengesellschaft mbH. „Je nach Art und Belastungsgrad der bauschädlichen Salze wird der Vorgang bis zu 2 weitere Male wiederholt“, heißt es weiter auf der Webpage zur Entsalzung.

Weitere Arbeiten sind die Analyse der Salzproben im Labor, die Kontrolle der Oberflächen und, wo nötig, das Aufbringen von Festiger. Zusätzliche Maßnahmen könnten Steinergänzungen und neue Verfugungen sein.

Die Kosten sind mit 85.000 € veranschlagt, die aus Spendenmitteln kommen müssen.

Die Frauenkirche hat mit ihrer Kuppel nicht nur wieder die alte Ansicht des „Elbflorenz“ von der Flussseite aus erlebbar gemacht. Sie war auch schon immer ein Bauprojekt, das technisch an die Grenzen ging: die 4 eisernen Ringe als Verstärkung der Kuppel hatte der verantwortliche Planer, Ratszimmermeister George Bähr, um 1730 wohl zwar mit viel Intuition an den richtigen Stellen angebracht.

Jedoch fehlte eine weitere Verstärkung in Höhe des Hauptgesimses. Berechnen konnte man eine Statik wie diese mit einer Kuppel mit 13.000 t Elbsandstein damals noch nicht wirklich.

So verteilte sich die Kuppellast nicht gleichzeitig auf Innenpfeiler und Außenwände. Vielmehr waren es am Ende allein die Innenpfeiler, auf denen das ganze Gewicht lag. Fatalerweise waren diese aus einer weichen Sandsteinsorte gemauert worden.

Beim Wiederaufbau wurden die statischen Mängel nach modernsten Berechnungen und mit modernem Material behoben. Minutiös waren die Ruinensteine erfasst und wieder an die ursprünglichen Stellen im Mauerwerk gesetzt worden.

Der Wiederaufbau als Gotteshaus und als Mahnmal gegen den Krieg wurde mit Spenden aus der ganzen Welt gefördert.

Frauenkirche

Christoph Hein Restauratorengesellschaft

Die Details des Wiederaufbaus sind ausführlich beschrieben in dem Buch „Berichte vom Wiederaufbau der Frauenkirche zu Dresden“ (Hrsg. von Fritz Wenzel). Es kann Print on Demand zu bezogen oder als pdf kostenlos heruntergeladen werden.

Foto: Stiftung Frauenkirche

(14.05.2017)