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Alte Inschriften als Zeugnisse vergangener Zeiten: Marmor, Stein und Eisen spricht…

Inschriften neueren Datums findet man auf dem Pflaster vor dem Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven. Sie erinnern an die Menschen, die im 19. Jahrhundert ihr Heimatland verließen.

Ein Forschungsprojekt der deutschen Akademien der Wissenschaften hält das manchmal kaum noch Lesbare fest / Veröffentlichungen online abrufbar

Ob auf Stein, Metall, Holz oder Textilien: Inschriften begegnen uns überall. In Kirchen auf Glocken oder Taufbecken, auf Grabdenkmälern, aber auch auf Alltagsgegenständen wie dem Löffel eines Ratsherrn oder als Kritzelei eines Häftlings an der Wand eines Stadtgefängnisses. Sie legen Zeugnis ab vom Leben der Menschen im Mittelalter und der Frühen Neuzeit jenseits dessen, was uns Urkunden und Chroniken überliefern. Doch was motivierte die Menschen vor Hunderten von Jahren, Inschriften gerade an einer bestimmten Stelle und auf einem bestimmten Material anzubringen und was steht dort überhaupt?

Das Forschungsprojekt „Die Deutschen Inschriften“ der Union der deutschen Akademien der Wissenschaft sichert seit über 80 Jahren diesen Teil unseres kulturellen Gedächtnisses und erarbeitet damit auch einen Wissensspeicher für die Zukunft. Der 100. Band der Reihe ist nun erschienen.

Es ist eine mühevolle Arbeit, Inschriften zu erschließen: Man muss sie trotz schlechtem Erhaltungszustand lesen, die Abkürzungen auflösen, die alte – uns heute sehr fremde – Sprache übersetzen, um dann immer noch über den Sinn zu rätseln.

Viele dieser Rätsel wurden von den Mitarbeitern des Forschungsprojekts bereits gelöst. Die Veröffentlichungsreihe bietet Übersetzungen, Personen- und Sachregister sowie einen umfangreichen Bildteil zu Schriftzeugnissen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit bis 1650.

Dabei werden auch Inschriften berücksichtigt, die nur noch in Abschriften, Fotos oder Zeichnungen überliefert sind. Dazu die Göttinger Forschungsstellenleiterin Dr. Christine Wulf: „Unsere Arbeit wird zunehmend ein Wettkampf gegen die Zeit“, warnt sie. Umwelteinflüsse setzen vielen Denkmälern zu, Oberflächen bröckeln ab, Inschriften werden beschädigt oder gar gänzlich zerstört. „Paradoxerweise muss das vergängliche Papier bewahren, was einst auf vermeintlich dauerhaften Materialien für ewige Zeiten angebracht worden ist“, so Christine Wulf.

Der gerade erschienene 100. Band der Reihe widmet sich den Inschriften der Stadt Lüneburg, wo es einen der bedeutendsten Inschriftenbestände Norddeutschlands gibt.

Auf der Plattform „Deutsche Inschriften Online“ (DIO) ist ein Großteil der Bände auch online abrufbar

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(25.05.2017)