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Neugestaltung des Times Square: Granitbänke nicht nur zum Sitzen, sondern auch zum Anlehnen, Umherschauen, Sich-Inszenieren

Die Architekten von Snøhetta haben dem berühmten Ort in Manhattan viel Theaterfeeling gegeben

„Auf einmal kommt mir der Times Square geräumig vor, ich konnte herumlaufen, herumschauen, atmen“, schrieb ein Journalist des Magazins Wired zur Neugestaltung von Manhattans berühmter Straßenkreuzung, die im April 2017 abgeschlossen wurde und die die Autos von Teilen des Broadways verbannte. Eine zentrale Rolle im Konzept des schwedischen Architekturbüros Snøhetta spielen dabei langgezogene Bänke aus Granit: sie gliedern den Platz, den pro Tag etwa 330.000 Passanten queren, unauffällig in verschiedene Zonen und laden darüber hinaus zum Verweilen ein.

Nach allem, was in den ersten vier Monaten nach Fertigstellung des 55-Millionen-US-Dollar-Projekts geschrieben worden ist, scheint die Arbeit der Architekten gelungen zu sein. Grundlage des Konzepts war, dass Snøhetta genau hingeschaut hat, wie Menschen mit ihrer Stadt umgehen.

Snøhetta: Times Square.Snøhetta: Times Square.Snøhetta: Times Square.

Zum Beispiel Bänke im öffentlichen Raum: normalerweise werden sie als Sitzgelegenheiten gestaltet, jedoch hat der Mensch gelegentlich auch nur das Bedürfnis zum kurzen Innehalten, zum Anlehnen und Umherschauen oder zum Flanieren von hier nach da und von da nach hier.

Snøhetta: Times Square.

Snøhettas Granitbänke sind bis zu 15 m lang, jedoch senken sie sich an manchen Stellen abwärts und richten sich an anderen Stellen ein wenig auf, so dass verschieden hohe Zonen und auch Bereiche mit Rückenlehnen entstehen. Fünf unterschiedliche Typen dieser Bänke gibt es.

Snøhetta: Times Square.

Die Fotos zeigen, dass die Passanten die Möglichkeiten nutzen. Manchmal sogar gibt es Situationen, wo plötzlich auf einer dieser insgesamt 10 Bänke viele Leute draufstehen – mancher steht da um zu sehen, andere um gesehen zu werden.

„Eine der Ideen aus dem Gestaltungsprozess war die Idee, dass Broadway und Times Square immerwährende Orte für Theaterinszenierungen sind“, erläutert Tim Tompkins, Präsident der Interessengemeinschaft Times Square Alliance.

Snøhetta: Times Square.

Dem trägt auch der Bodenbelag Rechnung. Snøhetta hat dunkle Betonplatten verschiedener Größe gewählt. Sie geben dem Belag Rhythmen, und schaffen so Ruhezonen oder Orte mit erhöhter Aufmerksamkeit.

Snøhetta: Times Square.

Die Bodenplatten tragen ebenfalls zum Bühnen-Feeling auf den neuen Times Square bei: sie sind dunkel, machen also das Licht der Werbetafeln an den Fassaden noch heller. Außerdem sind in sie runde Stahlscheibchen integriert, die nachts wie kleine Lichtpunkte strahlen. Die eine Sorte der Platten ist mit hellen Punkten gesprenkelt.

Zahlen aus Befragungen zeigen, dass der ehemals wegen Kriminalität bei den Einheimischen verschriene Ort nun als sicherer erlebt wird.

Sicherheit vor Attacken durch Terroristen oder gewalttätige Autofahrer schaffen unauffällige Maßnahmen wie etwa die Reihen von Edelstahlpollern, die sich bei einem Vorfall im Mai 2017 schon bewährt haben.

Und nochmal Theater: in die Granitbänke sind Stromleitungen und Kabelverbindungen integriert, so dass die Basis-Infrastruktur für die zahlreichen Events immer vorhanden ist.

Seit einigen Jahren gibt es auf dem Duffy Place auf dem Times Square übrigens die Installation Spotlight on Broadway, die die Namen der angrenzenden Theater und ihre Position im Bowtie (Schlips) genannten Dreieck festhält. Die Arbeit wurde 2015 mit einem der Pinnacle Awards des Marble Instituts of America (MIA) ausgezeichnet.

Snøhetta

Times Square Alliance

Spotlight on Broadway

Fotos: Michael Grimm / Snøhetta

Renderings: Snøhetta

Snøhetta: Times Square.Snøhetta: Times Square.Snøhetta: Times Square.Snøhetta: Times Square.Snøhetta: Times Square.

(15.08.2017)