… dann leben sie noch heute

(März 2011) Man könnte diesen Bericht über zwei Sommerhäuser auf dem Land in Kroatien in der Form eines Märchens erzählen: Es waren einmal zwei Freunde, die wollten für sich und ihre Familien Sommerhäuser bauen. Ein Grundstück hatten sie alsbald gefunden, nämlich bei der Ortschaft Bratovici. Die liegt in Istrien, das ist eine Halbinsel im Mittelmeer, welches dort Adria genannt wird. Weil die istrischen Bauern es kaum zu Reichtum brachten, war in der Gegend immer einfach gebaut worden: Mauern aus Stein, vier Außenwände mit Türen und Fenstern, Dach drauf, fertig.

Jetzt hätte im Märchen das Problem seinen Auftritt, die böse Schwiegermutter vielleicht, der üble Zauberer, oder die Helden würden unschuldig vom Grundstück vertrieben. Da in unserer Geschichte aber alles gut läuft, kommen die Architekten von Arhitektri aus der kroatischen Hauptstadt Zagreb ins Spiel.

Die legen Wert auf ein Bauen, das dem jeweiligen Ort entspricht, machen sich viele Gedanken um die beste Form und bringen im Kopf die uralten Rundhäuser aus der Gegend mit, vergleichbar den aus dem Süden Italiens bekannten Trulli. Hier auf dem Balkan heißen diese steinernen Bauwerke Kazun.

Am Ende unserer Geschichte stehen bei Bratovici zwei einstöckige Häuser auf der Wiese, schlicht wie Scheunen, im rechten Winkel zueinander platziert. Vor ihre Außenwände ist eine typische Steinfassade gemauert, aus dem in der Region üblichen Kalkstein Benkovac und in Handarbeit von lokalen Kräften hochgezogen. Ganz traditionell sind sogar die Dächer mit Stein gedeckt.

Im Inneren sind diese Neubauten auf dem neuesten Stand, haben im Garten ein Schwimmbad und davor malerische Terrassen. Natürlich befindet sich in den Außenwänden zwischen Steinverkleidung und tragender Wand eine 10 cm dicke Isolierung.

Der Arbeitstitel des Projekts war schlicht und einfach „Dvije Kuce“ („Zwei Häuser“). Irgendwie haben sich die beiden Wörter als Titel gehalten … und leben bis heute.

Arhitektri

Kazun

Fotos: Miljenko Bernfest, Aleksandar Markovic