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Die US-Bildhauerin Celeste Roberge stellt in vielen ihrer Werke die tektonischen Vorgänge und das Vergehen der Zeit dar

Celeste Roberge: „Raising Cairn“.

Berühmt sind ihre Riesengestalten, die inzwischen zu Ikonen der Kunst mit Gabionen geworden sind

Es sind die ganz großen Phänomene unserer Welt, mit denen sich Celeste Roberge befasst: die tektonischen Vorgänge in der Erdkruste, bei denen zum Beispiel Gebirge gebildet werden, und die Zeit, die unablässig vergeht. Ein Beispiel sind ihre Arbeiten mit dem Titel „Cairns“: sie zeigen Riesengestalten, die knien, schreiten, oder im Aufstehen begriffen sind. Banal betrachtet sind es Gabionen, also Drahtkörbe, die mit Steinen gefüllt sind.

Die US-Künstlerin aus dem Bundesstaat Maine ist eine der wenigen Kreativen, die Gabionen als Mittel der Darstellung entdeckt haben. Die verschiedenen Exemplare aus ihrer Reihe „Cairns“ sind inzwischen zu Ikonen dieser Kunstrichtung geworden. Sie bestehen aus verschweißtem Eisendraht und sind zum Schutz vor der Witterung verzinkt. Einige ihrer mit Kieseln sorgfältig gefüllten Riesengestalten wiegen 2 t.

Celeste Roberge: „Uttanasana“.

Die Zeit wird ebenfalls durch das Material und die Gestalt des Objekts symbolisiert: es sind die Riesen aus der archaischen Urzeit der Welt, die in Aktion dargestellt werden. Sie strahlen etwas Mythisches aus, dem der Betrachter sich nicht entziehen kann.

Dass ihr das gelingt, hängt wiederum mit dem Bezug zur Landschaft zusammen: „Cairns“ sind Stapel aus Steinen, die in der offenen Landschaft zur Orientierung aufgestellt wurden. Bei den Ureinwohnern im hohen Norden des amerikanischen Kontinents kennt man sie auch als „Inuksuk“: das können einfach nur große Brocken sein, die in der Tundra senkrecht aufgestellt wurden und eine Botschaft tragen können.

Celeste Roberge: „Slate Stacks“.Celeste Roberge: „Sitting Room“.

Bei ihren „Stacks“ rücken die Kräfte der Geologie der menschlichen Zivilisation nah auf den Leib. Hier hat sie Steine zu Mauern gestapelt, und mitten in die Mauer Möbel wie zum Beispiel ein Chaiselongue eingefügt.

Celeste Roberge: „Hearth“.Celeste Roberge: „Volcano“.

Auf die Idee zu den Arbeiten der Serie „Stacks for Home und Office“ habe sie ein Besuch in einem aufgelassenen Steinbruch gebracht, schreibt sie auf ihrer Homepage. Auch hier sind Steine zu Mauern gestapelt, obendrauf aber tragen sie Töpfe und Pfannen. In denen wiederum finden sich Fossilien, Muschelschalen oder Kohlestücke. „Hearth“ (Herd) oder „Volcano“ nennt sie einige dieser Ideen – die Bezüge zur Tektonik sind unübersehbar.

Neuerdings jedoch hat die Celeste Roberge sich jedoch von den geologischen Vorgängen eher abgewandt. Sie begründet es mit dem Eintritt ins Rentenalter: nach 22 Jahren als Leiterin der Abteilung für Bildhauerei an der University of Florida (School of Art + Art History, College of the Arts) im Süden der USA sind ihre die Steine zu schwer geworden und konzentriert sie sich mehr auf den Norden.

Allerdings hat sie nach wie vor die Kräfte der Natur im Blick: beim Spaziergang am Strand stieß sie auf Leute, die nach einem heftigen Sturm Seetang sammelten. Dieses langfaserige und durchlöcherte Grünzeug ist nun eines ihrer bevorzugten Materialien.

Celeste Roberge: „Flotilla“.

Einige ihrer letzten Arbeiten haben die natürliche Form dieser Wasserpflanzen in Bronze übertragen und daraus kleine Boote geformt.

Stärker widmet sie sich nun auch Kunstdisziplinen, denen sie zuvor eher am Rande begegnete, etwa Zeichnungen, Kollagen oder besonderen Fotografien (Cyanotopien).

Und wie es scheint, geht ihr Blick stärker in die Welt der Arktisgletscher und die aktuellen Veränderungen dort. „Nachdem ich fast 35 Jahre auf die Gelegenheit gewartet hatte, ging ich im Sommer 2019 mit thearcticcircle.org auf eine Künstlerreise entlang der Westküste von Svalbard.“ Svalbard ist ein anderer Namen für Spitzbergen, eine zu Norwegen gehörende Inselgruppe im hohen Nordatlantik.

Sie hatte schon im Jar 2007 sich in einer Arbeit mit Gletschern beschäftigt und Glas benutzt, um das Eis dazustellen. Zu den Erfahrungen aus der letzten Reise schreibt sie: „Ich grübele, wie ich einen Gletscher künstlerisch darstellen kann. Ich will es mir nicht leicht machen.“

Gleichzeitig schimpft sie mit sich selbst, dass ihre Homepage mal ein Update bräuchte.

Celeste Roberge

Celeste Roberge. Foto: Joy Drury Cox

(27.09.2019)