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Messen: „Carrara Marmotec wird zu einem Event“

(Juli 2010) In diesem Jahr feierte die Messe Marmotec in Carrara ihr 30. Jubiläum. Verschiedene besondere Veranstaltungen (*)  fanden statt. Initiator war Giorgio Bianchini, Präsident der Messegesellschaft und der Internazionale Marmi e Macchine Carrara (IMM). BusinessStone.com (ssS) sprach mit ihm über seine Visionen für Steinmessen und für die Branche.

ssS: Sie sehen eine Messe nicht nur als Showroom für Produkte, sondern auch als Event. Wieso?

Giorgio Bianchini: Früher war eine Messe ein Ort, wo man Geschäfte machte, nachdem man dort zuvor Informationen über die Verfügbarkeit der Produkte, die Preise usw. ausgetauscht hatte. Heutzutage machen die modernen Kommunikationsmittel den Handel ohne vorherige Treffen möglich. Also kann eine moderne Messe nicht einfach nur ein Ort für Geschäftsverkehr sein. Sie muss Gelegenheiten bieten, dass Menschen ihr Wissen erweitern, neue Ideen finden, zusammensitzen und gemeinsam Strategien für die Zukunft ihrer Branche entwickeln.

ssS: Was heißt das für die Carrara Marmotec?

Giorgio Bianchini: Ein Schwerpunkt unserer Bemühungen ist, die Entscheider in Sachen Baumaterial auf die Messe zu holen, also die Architekten, Projektentwickler und Projektmanager. Dann zeigen wir ihnen, wo der Stein herkommt und wie er verarbeitet wird, bringen sie in die Steinbrüche und die Firmen hier vor Ort.

ssS: Interessieren sich Architekten überhaupt für Stein?

Giorgio Bianchini: Dieses Jahr kamen 947 Architekten und Designer zur Marmotec, 60% davon aus dem Ausland. Die Baubranche ist sehr an unserem Material interessiert, nur sind viele Architekten unsicher, wie und wo sie es einsetzen sollen.

ssS: Wie haben sie die Veranstaltungen finanziert?

Giorgio Bianchini: Wir haben einen Teil unseres Budgets dafür genommen. Das ist möglich, weil die Carrara Marmotec nicht nur auf Profit ausgerichtet ist, sondern auch als Ziel hat, etwas für unsere Firmen und unser Material zu tun.

ssS: Befürchten Sie da nicht, dass Produzenten von woanders in Italien oder gar von sonst wo in der Welt aus Ihren Bemühungen Nutzen ziehen?

Giorgio Bianchini: Der wirkliche Konkurrent für den Marmor aus Carrara ist nicht ein Marmor von sonst wo oder ein Granit oder ein anderer Naturstein. Unser Konkurrent ist Keramik und sind die Kompositmaterialien [composite stone; pietra artificial; piedra artificial; pedra artificial].

ssS: Sie bringen neue Ideen auf die Steinmesse. Wie steht es um neue Ideen für die Steinbranche als solche?

Giorgio Bianchini: Zumindest Europas Steinindustrie muss sich neue Ideen einfallen lassen, um den Billigländern [low cost countries] aus Asien zu begegnen. Was die Konkurrenz aus der Keramikindustrie angeht, müssen wir mehr und ein besseres Marketing machen. Bisher haben nur wenige Firmen verstanden, wie wichtig es ist, sich auf eine bestimmte Art zu präsentieren.

ssS: Was meinen Sie zu neuen Ideen in Sachen Design?

Giorgio Bianchini: Von Design kann die wichtigste Innovation ausgehen. Ziel der Steinbranche muss sein, dass die besten Architekten und die besten Designer unsere besten Freunde sind. Deren Ideen können uns zu einer neuen Ära für Naturstein bringen.

Carrara Marmotec

(*) Zentrale Veranstaltung im Programm mit dem Titel „Unter einem weißen Himmel – die Messe wird zu einem Event” („Under a White Sky – La Fiera divento Evento”) stand eine Schau mit Licht, Musik und Tanz an drei Abenden auf dem zentralen Platz in Carrara. Die Idee war, die Fachleute aus der ganzen Welt in die Stadt zu bringen, die eine so lange Geschichte mit dem Stein hat. Ein anderer Programmpunkt war die Ausstellung über den italienischen Architekten Angelo Mangiarotti. Dabei unterstützte die Messe ein Buch über Mangiarottis Werke. Insgesamt gab es auf dem Messegelände 5 Ausstellungen zu verschiedenen Themen. Zahlreiche Vorträge wurden gehalten. In einem referierten die Architekten Marco Piva, Luca Scacchetti, Claudio Silvestrin und Lorenzo Carmellini, wie sie Marmor in ihren Arbeiten verwenden.

Weitere Programmpunkte:

25. Preis für Marmor in der Architektur

1. Designpreis für innovative Technologie

Dressed Stone Design Award (siehe extra Bericht)

Das Gesamtprogramm kann im IMM-Newsletter (07) nachgelesen werden

Aktuelle Branchenzahlen

Was die Situation der italienischen Steinindustrie angeht, ist die Lage nach wie vor angespannt. Aber es gab auch „positive Signale“, wie es bei der Präsentation der Jahresstatistiken der Internazionale Marmi e Macchine (IMM) auf der Messe hieß. Gerade im Bezug auf die USA als traditionell wichtigstem Zielland für Stein aus Italien habe man solche Tendenzen feststellen können.

Insgesamt setzte sich auch 2009 der Rückgang bei den Exporten fort, wenn auch etwas abgeschwächt: Nach Wert verzeichnete man -19,35%, nach Gewicht -10,12%. Das entsprach 2.822.355 t Marmor und Granit im Wert von 392 Millionen €. Einberechnet sind hier alle Sparten von Rohblöcken bis Fertigprodukten; nicht mitgezählt ist Schotter und Ähnliches oder andere Steinsorten.

Die Statistiker betonen, dass im internationalen Vergleich bei den teuren Stein-Produkten Italien als Lieferant in die USA an erster Stelle lag. Es habe einen rechnerischen Durchschnittspreis von 1325 $ je Tonne Stein verzeichnet und liege damit weit vor Indien (776 $) und Brasilien (726 $). Von der bloßen Menge an Marmor und Granit her allerdings liege Brasilien an erster Stelle.

Auch beim Export von Maschinen gab es einen kräftigen Rückgang für die italienischen Firmen: -31,5% (= 312 Millionen €). Ägypten entwickelte sich zum wichtigsten Abnehmer (23 Millionen €) und überholte Indien, das im Jahr zuvor mit 29 Millionen an der Spitze gelegen hatte.