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Architektur: Blütenduft als „Schatten“ der Pflanze

(September 2010) Was tut der Innenarchitekt, wenn er einen Verkaufsraum für Düfte und Parfüms gestalten soll? Klar, er setzt mit viel Brimborium die schicken Flacons in Szene, mit denen vor ihm Designer ebenfalls mit viel Brimborium die flüchtigen Düfte inszeniert haben.

Was aber, wenn die Marke als Kennzeichen hat, dass sie auf aufwändige Behälter verzichtet und für ihre ätherischen Öle nur 100% Naturstoffe verwendet?

Nick Lee, Innenarchitekt und Inhaber des Designstudios Waterfrom aus Taiwan, hat für die Marke Jardin d’Aura gewissermaßen das Innere der winzigen Parfüm-Fläschchen nach außen gekehrt.

Gemeint ist damit nicht, dass er in dem Verkaufsraum in Taiwans Millionenstadt Kaohsiung die teuren Düfte versprüht. Vielmehr lässt er den Besucher beiläufig und optisch die Welt der Pflanzen erfahren, aus denen ja die Ausgangsstoffe für die Düfte gewonnen wurden: Ganz abstrakt stehen auf der einen Seite im Eingangsbereich des Shops niedrige Holzstelen, die man sich durchaus als Büsche oder Sträucher vorstellen kann. Auf den obendrüber scheinbar zufällig platzierten Holzwürfeln folgen die Fläschchen, so als wären sie die duftenden Blüten.

Noch eins: Die Stelen werfen quasi einen Schatten, dargestellt dadurch, dass das senkrecht stehende Holz im Boden waagerecht als Marmor weiterläuft.

Damit haben wir das Konzept des Designs verstanden: Genauso wie der Schatten die optische Kopie der Pflanze ist, so ist für Nick Lee der Duft das geruchliche Doppel.

Jardin d’Aura heißt die Duftmarke. Übersetzt bedeutet das etwa „Garten der Aura“ und klingt französisch. Jedoch handelt es sich dabei um eine taiwanesische Marke, die bisher nur den einen Verkaufsraum hat.

Auch im Obergeschoss, wo es eine Beratungs-Lounge für VIPs gibt, dominieren natürliche Materialien und Formen. Hier kommt neben viel Holz wieder ein wenig Marmor zum Einsatz, diesmal als Verkleidung für einen Tresen.

Jedoch hat Nick Lee auch der Kunst und Kultur einen Platz eingeräumt: Die Wand im Eingang gegenüber den Holzstelen ist von nüchternen Brettchen als Stellflächen für die Fläschchen überzogen. Dieses Arrangement soll an eines der Werke des niederländischen Malers Piet Mondrian erinnern.

Waterfrom

Jardin d’Aura

Fotos: Sam+Yvonne