Ausschreibung der Stadt Hanau für ein Mahnmal für die Opfer des rassistischen Anschlags vom 19. Februar 2020

Kränze, Blumen und Kerzen vor einem der Tatorte in Hanau. Foto: Lumpeseggl / Wikimedia Commons

Deutsche und internationale Künstler und Handwerker können bis zum 16. November 2020 Einreichungen machen / 75.000 € für die Realisierung des Siegerentwurfs

Ausschreibung: Mahnmal für die Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau vom 19. Februar 2020. „Das Mahnmal muss die Getöteten würdigen, soll aber zugleich in die Zukunft gerichtet sein und Inhalte wie Vielfalt (in der Bevölkerung, d. Red), Zusammenleben, Gemeinschaft zum Thema haben“, heißt es in der Ausschreibung.

Teilnehmer: Künstler oder Gruppen aus Deutschland und der ganzen Welt. Die Bewerberinnen und und Bewerber müssen eine handwerkliche Ausbildung oder ein
künstlerisches Studium nachweisen (Kopie Zeugnis). Eine Altersbeschränkung gibt es nicht.

Wettbewerb:
* in der 1. Stufe sollen die Teilnehmer einen Entwurf vorlegen, ohne exakt für einen bestimmten Ort in Hanau zu planen. Ein Honorar gibt es hierfür nicht.
* In der 2. Stufe werden aus diesen Einreichungen maximal 7 Ideen ausgewählt, die die Künstler konkreter ausarbeiten und zu denen sie ein Modell erstellen. Dafür bekommen sie ein Honorar von 750 €.
* Aus diesen Entwürfen wird das Siegerprojekt ausgewählt. Für die Realisierung stehen maximal 75.000 € zur Verfügung (Künstlerhonorar, Herstellung, Materialkosten, Transport, Aufstellung, Steuern). Das Fundament für die Aufstellung erstellt die Stadt Hanau.

Material: Gewünscht sind plastische Arbeiten in Metall, Stein oder gehärtetem Glas. Auch Videoinstallationen oder ein „digitales Gedenken“ sind möglich. Vorschläge für eine Kombination aus haptischem Mahnmal und digitalem Gedenken sind ausdrücklich erwünscht.

Hintergrund: am 19. Februar 2020 wurde in Hanaus Innenstadt ein Anschlag aus rassistischen Motiven verübt, bei dem 9 Bürger ermordet wurden. Es waren Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kenan Kurtović, Vili-Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar, Kaloyan Velkov. In verschiedenen Formen wird in der Stadt schon der Opfer gedacht, nun soll ein Mahnmal an sie und an die fürchterliche Tat erinnern.

Bewerbungsschluss: 16. November 2020. Die Bewerbung kann auf Englisch eingereicht werden. Den Ausschreibungstext gibt es nur auf Deutsch.

Verfahren:
* Am 25. November 2020 werden die Künstler der 2. Stufe benannt.
* Sie haben zwischen dem 30. November und dem 11. Dezember die Gelegenheit (nicht die Verpflichtung), an einem Tag Hanau kennenzulernen. Die Stadt übernimmt die Fahrtkosten.
* Am 19. Mai 2021 wird die Entscheidung der Jury bekanntgegeben. Die Teilnehmer müssen anwesend sein.
* Das Mahnmal soll im Jahr 2021 realisiert werden.
Der ausgewählte Künstler kann den Auftrag für das Mahnmal an Dritte weitergeben.
Zum Wettbewerb soll eine Publikation erscheinen, zu der der ausgewählte Künstler Fotomaterial des Werkprozesses beisteuert. Nach Fertigstellung geht das Mahnmal in das Eigentum der Stadt Hanau über.

Die Jury unter Vorsitz des Oberbürgermeisters besteht aus jeweils zwei Vertretern der Familien der Opfer. Zusätzlich gibt es einen beratenden Beirat.

Download Ausschreibung

Wikipedia: Anschlag in Hanau

Hanau nennt sich die Stadt der Brüder Grimm, wo die Familie lebte.

(10.10.2020)